IMOCA: Armel Le Cléac’h präsentiert seinen neuen Open 60-Einrumpfer mit Foils

Anschnallen zum Abheben

Es soll endlich klappen: Nach zwei zweiten Plätzen will der Bretone mit dem blauen Boliden bei der nächsten Vendée Globe siegen, mithilfe der neuerdings erlaubten Tragflächen. Rendering-Video von der Premiere einer neuen Hochsee-Generation.

Während sich derzeit einige der eher älteren IMOCA beim Barcelona World Race durch den südlichen Atlantik arbeiten und sich dabei mittelgroße Katastrophen abspielen wie etwa der Mastbruch auf der „Hugo Boss“, enthüllt Armel Le Cléac’h in der bretonischen Heimat in aller Seelenruhe den ersten IMOCA mit Foils: Die „Banque Populaire VIII“, ein Design von VPLP.

Der sonst nicht gerade für emotionale Ausbrüche bekannte, eher zurückhaltende le Cléac’h zeigte sich (für seine Verhältnisse) ausgesprochen begeistert: „Diesmal wird es klappen, ganz bestimmt!“

Auf den ersten Blick wenig Neues © Epron

Auf den ersten Blick wenig Neues © Epron

Gemeint ist der längst fällige Sieg bei der nächsten Vendée Globe, deren letzte beiden Ausgaben er mit denkbar knappen zweiten Rängen beendete.

Seitdem im letzten Jahr das Regelwerk der IMOCA-Klasse modifiziert wurde, standen für die Konstrukteure der neuen Open-60-Generation Türen und Tore für eine grundlegend neue Ausrichtung der Boote offen. Mit der „Banque Populaire VIII“, die im März zu Wasser gelassen werden soll, wird „eine neue Ära des Hochseesegelns auf Einrumpfern anbrechen,“ begeistert sich Le Cléac’h weiter.

Er beschreibt die wichtigsten technischen Neuerungen:

Foils: „Die wohl spektakulärste Innovation bei den IMOCA. Begeistert von den Foil-Erlebnissen beim America’s Cup und der allgemeinen Foil-Evolution beim Segeln, hatten wir uns letztes Jahr dazu entschlossen, gemeinsam mit den Designern und Technikern von VPLP und dem BP-Team, unsere Foil-Ideen zunächst auf einem Mini auszuprobieren.

Wir platzierten drei Schwerter, ein klassisches und zwei L-Foils und begannen im Juli mit relativ aufwändigen Tests. Es war zunächst sehr schwer, den richtigen Trimm zu finden, aber dann gab es wirklich tolle Überraschungen. Die Idee hinter den IMOCA-Foils ist simpel und klassisch: Wir wollen den Rumpf (bei geneigtem Kiel) „entlasten“, unter entsprechenden Windbedingungen vorne anheben und somit deutlich schneller werden. Teile des Bootes werden in Zukunft viel häufiger in einem „Flug-Modus“ unterwegs sein. (siehe auch Filmausschnitt auf Mini)

Vor allem der vordere Bereich des Rumpfes soll entlastet werden – durch Abheben © epron

Vor allem der vordere Bereich des Rumpfes soll entlastet werden – durch Abheben © epron

Cockpit: „Ich wollte unbedingt ein gut geschütztes Cockpit. Diese IMOCA segeln sich sehr nass und auf langen Strecken kann das sehr anstrengend werden. Während einer Weltumseglung sind etwa ein Schiebedach zum besseren Schutz vor den Elementen, ein ergonomischer Steuerplatz und eine gute Sicht enorm wichtig. Wer lange selbst steuern kann, schafft den gewissen Unterschied – Autopilot hin oder her. Das hat man bei der letzten Vendée Globe deutlich gesehen.“

Inneneinrichtung: „Ich hab’ viel über die Nutzung des Innenraums gegrübelt,  Wir müssen an „Leichtigkeit“ in dem Raum gewinnen, in dem wir über Monate hinweg leben werden. Wir haben viel Bewährtes aus den früheren IMOCA übernommen, aber auch die Elektronik und Informatik optimiert, die Energiegewinnung verbessert. Wir probieren auch ganz Neues, wie etwa ein neues Keilsystem zum Verstauen. Immer wohl wissend, dass wir in einem Jahr das alles wieder verwerfen können um etwas anderes auszuprobieren.“

Die Zukunft auch für Monorumpf? © epron

Die Zukunft auch für Monorumpf? © epron

Planung: „Ende März wird die BP VIII zu Wasser gelassen. Im April werden erste Testschläge gesegelt und das Boot auf den Punkt gebracht. Im Mai „Grand Prix Guyader“ (mit Crew). Juni: Record SNSM und IMOCA-Seminare in Port la Foret. Juli: Werft-Aufenthalt. August: Fastnet-Race (zweihand). Oktober: Transat Jacques Vabres mit Erwan Tabarly.“

Derzeit werden drei weitere IMOCA nach den neuen Regeln gebaut. „Edmond de Rothschild“, Skipper: Sebastien Josse, “Saint-Michel-Virbac”, Skipper: Jean-Pierre Dick und “Hugo Boss” für Alex Thomson. Der Ungar Nandor Fa hat seine „Spirit of Hungary“ ebenfalls bereits nach dem neuen Regelwerk ausgerichtet, setzt allerdings derzeit keine Foils ein. Beim Barcelona World Race scheucht er das Regattafeld mit einem Abstand von 677 Seemeilen vor sich her.

 Tipp: SR Leser Christopher Rilk

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Michael Kunst

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3 Kommentare zu „IMOCA: Armel Le Cléac’h präsentiert seinen neuen Open 60-Einrumpfer mit Foils“

  1. avatar Campo de Molina sagt:

    Habt ihr da nicht Safran und Andrea Mura’s Vento Di Sardegna (auch VPLP/Verdier, aber gebaut von Persico) vergessen?

    http://www.vendeeglobe.org/en/news/article/14646/a-look-at-the-progress-being-made-with-the-new-builds-for-the-vendee-globe.html

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  2. avatar Stefan Scherf sagt:

    Erzeugen die Foils auch ein aufrichtendes Moment, oder entlasten/heben sie “nur” den Rumpf, bzw. das Vorderschiff an?

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  3. avatar Stefan Scherf sagt:

    “Mit einer ausfahrbaren Tragfläche in Lee soll nun zusätzlich Auftrieb erzeugt werden, der vor allem senkrecht nach oben wirkt und damit das aufrichtende Moment verstärkt. Das Boot wird aus dem Wasser gehoben, ohne dabei zu krängen, und kann mit vollem Druck weitergesegelt werden.”

    Quelle: http://www.yacht.de/sport/news/der-erste-open-60-mit-tragflaechen/a95613.html

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