IMOCA: Milliardär Mills macht Open 60 Klasse Hoffnung

Auf zu neuen Ufern?

Faszination IMOCA:

Er ist einer der reichsten Männer Englands und hat schon lange ein Faible fürs Segeln. Jetzt will Mills die IMOCA 60-Klasse internationaler aufstellen.

IMOCA, Vendée Globe, neue Sponsoren

Bald in anderen Ländern unterwegs? © Billy Black

„Mit IMOCA ging es im Laufe der letzten Jahre „auf und ab“, ganz wie die Wellen der Hochsee, auf denen die Open 60-Boliden zum Gleiten gebracht werden,“ sinnierte kürzlich Luc Tabourdet, alter und erneut gewählter Präsident der Hochsee-Klasse.

Vor der triumphalen Vendée Globe 2012/13 mussten die IMOCA eine ihrer schwersten Krisen durchstehen, immer mehr Sponsoren verließen Kampagnen, sogar mehrfache VG-Sieger wie Michel Desjoyeaux mussten Teilnahmen absagen. Und nach der gefeierten Vendée Globe war es gleich wieder verdächtig ruhig geworden.

Doch im Herbst 2012 unterschrieb Tabourdet (neuer und alter IMOCA-Klassenpräsident) einen Berater-Vertrag, der richtungsweisend  für die nächsten Jahre sein soll: Mit Open Sports Management OSM und vor allem deren „Kopf“ Sir Keith Mills kümmern sich nun Marketing-Experten um die Klasse, die zwar reichlich Segel-Know-how mitbringen, deren wahre Stärken allerdings in der erfolgreichen Vermarktung schwieriger und kostspieliger Projekte liegt.

Kurz: Nicht Segler, die meinen, sie können auch das bisschen Marketing und PR stemmen setzen nun Akzente sondern erfolgreiche Marketing-Experten, die sich auch mit dem Segeln auskennen. Ganz zu schweigen davon, dass Ritter Mills zudem einen nicht näher bezifferten „höheren Millionenbetrag“ aus eigener Tasche in die IMOCA-Klasse investieren will. Und den Begriff „Investition“ wirklich ernst meint.

IMOCA, Vendée Globe, neue Sponsoren

PK in Lausanne: In der Mitte IMOCA -Vorsitzender Tabourdet, am Mikro Sir Keith Mills © Blanchet

Airmiles und Nectar

Der Brite Sir Keith Mills ist einer dieser „Tellerwäscher-Typen“, die aus dem Nichts mit tollen Ideen Großes aufgebaut haben. Im zarten Alter von 16 Jahren verließ er die Schule ohne jeglichen Abschluss, landete irgendwie in der Werbe- und Marketingbranche, die er schon als Twen mit frechen Ideen und gewagten Kampagnen aufmischte.

Mills erfand später das Flugbonusmeilen-Prinzip (Airmiles), das er für „ein kleines Vermögen“ an British Airways verkaufte. Danach führte er die „Nectar Card“ in Großbritannien ein, ein Punkte-Bonus-System, an dem sich nach wenigen Jahren statistisch jeder zweite Konsument (sic!) in GB beteiligte. Damit machte Mills „richtig Geld“, wie er einmal verlauten ließ.

Zudem war der Erfolgsmensch maßgeblich daran beteiligt, das nötige Kleingeld für die Ausrichtung der Olympischen Spiele in London zusammen zu bringen – sein Firmenkonsortium soll alleine Investoren im Wert von 500 Millionen Pfund für die Spiele eingebracht haben.

Schwäche fürs Segeln

Doch zwischen alledem zeigte Mills immer ein besonderes Faible für den Segelsport. Nachdem er selbst 1998/99 das Clipper Race mit Alex Thomson segelte, unterstützte er fortan den zuletzt bei der Vendée Globe auf Rang 4 erfolgreichen Solosegler; so war Mills auch daran beteiligt, die Marke „Hugo Boss“ in Thomsons Boot zu holen.

Zusammen mit seinem alten Kumpel Dunstone beflügelte Sir Mills die jüngste britische America’s-Cup-Kampagne, investierte Millionen in Segler wie Ben Ainslie und Iain Percy, ließ eine TP 52 fürs Training bauen um schließlich doch auf die Bremse zu treten, weil er keine Chance sah, gegen das Oracle-Team zu gewinnen.

IMOCA, Vendée Globe, neue Sponsoren

Wie gut lassen sich Offshore-Regatten vermarkten? © Delaunay

„Eines der besten Produkte!“

Und so einer sagte nach dem Kauf aller Vermarktungsrechte der IMOCA-Klasse, dass er nun „an einem Produkt arbeite, das eines der besten seiner ganzen Karriere“ sei. Nicht mehr und nicht weniger.

„Wenn wir die IMOCA auf den richtigen Kurs bringen – und das werden wir – können Regatten mit den Open 60-Boliden zu den erfolgreichsten Sportveranstaltungen auf diesem Planeten zählen. Es ist alles eine Frage der richtigen Vorgehensweise,“ beschrieb er kürzlich auf einer Pressekonferenz in Lausanne, die sein Unternehmen OSM gemeinsam mit der IMOCA-Klasse gab, um seine Ideen und Planungen in Sachen „IMOCA“ vorzustellen.

Demnach wollen Mills und OSM die (zuvor ausschließlich von Franzosen gelenkte) Klasse internationaler aufstellen, IMOCA und den Hochseeregattasport auch in Länder bringen, die „von alledem noch keine Ahnung haben“. So könne das Vermarktungspotential enorm vergrößert werden, für Sponsoren werden größere Zielgruppen aufgebaut.

„Grundsätzlich ist heute alles eine Frage der Kommunikationstechnik,“ sagte Mills außerdem. „Wenn die IMOCA-Skipper drei Monate lang in völliger Einsamkeit Hochleistungssport betreiben, dann will und soll die Welt dennoch jeden Augenblick mit dabei sein.“. Was wohl bedeutet, dass die totale Übertragung respektive Überwachung per elektronischer Medien von Bord möglich gemacht werden soll. „Wir müssen die Stories mit Leben füllen ,“ fügte Mills an.

IMOCA, Vendée Globe, neue Sponsoren

Letztendlich gehen aber doch alle wieder baden © Delaunay

Neue, alte Rezepte

Als erstes Ziel strebt Mills den Aufbau einer seriösen IMOCA-Regattaserie innerhalb bereits bestehender Veranstaltungen an, deren Daten und Austragungsorte lange im Vorfeld feststehen, auf die sich Sponsoren und IMOCA-Teams felsenfest verlassen können.

In zwei 18-Monate Zyklen wollen sich OSM und IMOCA zunächst auf Zweihand- dann Einhand-Regatten konzentrieren. Der gesamte OSM-Apparat soll eingesetzt werden, um für die jeweiligen Regatten möglichst viele IMOCA-Open 60 an den Start zu bringen.

Folgende Regatten wurden genannt: 2013: August//Fastnet Race • November // Transat Jacques Vabre. 2014: Frühjahr // IMOCA-Transat • Sommer// IMOCA 1.000sm-Regatta • November // Route du Rhum • Dezember // Barcelona World Race.

Woran er gemessern wird

Im Prinzip sagt Sir Keith Mills uns nichts Neues. Dass Hochseeboliden maximal mediatisiert werden müssen, ist längst bekannt und zum Teil zumindest bei der letzten Vendée Globe bereits geschehen. Außerdem ist die Wichtigkeit eines mittelfristig feststehenden Regattakalenders gerade für Sponsoren eine alte Regel.

Sir Mills wird sich unterm Strich also daran messen lassen müssen, wie weit seine Kontakte bzw. die seines Unternehmens OSM ausreichen, um tatsächlich neue IMOCA-Kampagnen „mit Leben zu füllen“ – die Stories kommen dann schon von ganz alleine. Nur mit neuen Investoren und Sponsoren – Frankreich wird bekanntlich derzeit ziemlich von der Krise gebeutelt – ist die finanziell sehr aufwändige Klasse mittelfristig zu retten. Da ist der Ansatz, Geldgeber in „neuen“ Ländern zu suchen (und zu finden) bestimmt ein Schritt in die richtige Richtung. Wohin sie die IMOCA auch immer führen wird.

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Michael Kunst

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