Start Sylvester 13 Uhr. Boris Herrmann beim Barcelona World Race

In 80 Tagen um die Welt

Der Amerikaner Ryan Breymaier und Boris Herrmann starten Sylvester beim Barcelona World Race© 2010 Boris Herrmann Racing

Noch ein Dinner mit dem Bürgermeister, eine Teamparty mit den engsten Freunden und Verwandten und dazwischen immer wieder das Studium der Wetterkarten – für Boris Herrmann und Ryan Breymaier klingt das Jahr 2010 anders aus, als für die meisten Menschen.

Denn elf Stunden bevor die Silvesterraketen den Himmel erleuchten werden, startet der erste deutsche Hochseesegler mit seinem US-amerikanischen Crewpartner zum Barcelona World Race. Die Regatta wird das Duo auf seiner knapp 20 Meter langen Yacht „Neutrogena“ in drei Monaten nonstop einmal um den Erdball herum führen. Das Rennen rund um das Kap der Guten Hoffnung und Kap Hoorn gilt als eine der härtesten Herausforderungen überhaupt im Segelsport.

Hochkonzentriert im Tunnelblick auf den Computerbildschirm deuten sie Isobarenverläufe, ziehen ihre Rückschlüsse aus Entwicklungen und Prognosen von Wind, Wellen und Meeresströmungen. 48 Stunden vor dem Start zum vorläufigen Höhepunkt ihres Seglerlebens fokussiert sich die Mannschaft längst voll und ganz auf die „Stunde null“ – nicht Mitternacht, sondern bereits um 13 Uhr wird vor Barcelona der Startschuss fallen.

Danach ist alle Theorie grau; es gilt auf dem Wasser zu zeigen, wer den richtigen Riecher hat für die Elemente, mit schweren Stürmen und nervenaufreibenden Flauten, bitterer Eiseskälte und zermürbender Hitze. Das sind die Zutaten einer gnadenlosen Jagd um die Welt.

Boris Herrmann hat vor zwei Jahren mit Felix Oehme als Hamburger Erfolgsgemeinschaft seine erste Weltregatta, das Portimão Global Ocean Race, gewonnen und weiß genau um die Bedeutung des Wetterroutings und der Langzeitstrategie. „Es reicht nicht aus, nur schnell zu segeln“, sagt der 29-jährige, „es muss auch in die richtige Richtung sein.“

Wie sie die Hatz um den Globus genau angehen will, verrät keine der 14 internationalen Mannschaften, mit dem Startschuss beginnt der einsame Kampf um jeden Meter. Hilfe von außen per Email oder Telefon ist dann nicht mehr erlaubt, die Skipper sind völlig auf sich allein gestellt. Herrmann: „Das ist fair und verhindert einen Riesenapparat an Land, bei dem Erfolg vor allem eine Frage des Budgets wäre.“

Mit seinen Vorstellungen von der Tour um den Globus hätte das auch wenig gemein. Hochseesegeln bedeutet für den gebürtigen Oldenburger nur vordergründig Entbehrungen. In der Tiefe seiner Seele ist es ein Hochgenuss. „Auf See vermisse ich zunächst gar nichts, da fühle ich mich richtig wohl.“

Das ist wohl die beste Einstellung, um 80 oder 90 Tage ohne Dusche, einem Eimer als WC sowie mit gefriergetrockneter, so genannter Astronautennahrung glücklich zu sein. Diese wird mit Meerwasser, das zuvor an Bord entsalzen wurde, aufgekocht und „schmeckt tadellos“.

„Die Jungs haben einen Drei-Tage-Rhythmus“, erklärt Nicola Breymaier, „zweimal gibt es je zwei ‚Pulvermahlzeiten‘ pro Tag, am dritten dann eine große Portion Nudeln.“ Zum Frühstück wird Müsli gefuttert. Die Frau des Co-Skippers ist für die Logistik zuständig und hat nicht nur Kraftriegel in die Snackbeutel gepackt. Herrmann und Breymaier dürfen sich auch einmal die Woche auf eingeschweißten Hartkäse freuen und typisch katalanischen Schinken – wenn er denn nicht verdirbt.

Zu den persönlichen Gute-Laune-Spendern gehört für den Deutschen eine italienische Espressomaschine. Auf hoher See sind es oft die kleinen Freuden, die für die notwendige Motivation sorgen, besonders wenn sich die Temperatur dem Gefrierpunkt nähert. Denn auf eine Heizung an Bord wurde verzichtet – aus Gewichtsgründen. Je leichter, desto schneller ist ein Boot auf dem Wasser. In der Spitze sind mit dem IMOCA-Open 60s bei günstigem, starkem Wind von hinten Geschwindigkeiten von 60 km/h und mehr möglich.

Doch danach sieht es zumindest für den Starttag noch nicht aus. Derzeit sorgt eine Hochdruckzone für anhaltende Flaute an der spanischen Mittelmeerküste. Bis zur Straße von Gibraltar könnte es ein trickreiches, sehr taktisch geprägtes Rennen geben. „Alle wollen am Start gut rauskommen“, so Herrmann, „aber bei 25.000 Seemeilen, die vor uns liegen, ist das beileibe nicht entscheidend.“ Ein wichtiger Faktor wird sein, bei Sturm den Fuß so gefühlvoll vom Gas zu nehmen, dass kein Materialbruch für ein vorzeitiges Aus sorgt und trotzdem das Speedpotential ausgeschöpft wird. Eine Gratwanderung.

Hat er Angst? „Das wäre kein guter Berater“, meint Boris Herrmann, „aber den nötigen Respekt vor den Naturgewalten sollte jeder mitbringen.“ Er fühle sich mitten auf dem Ozean sicher. „Auf einem Fahrrad in der City einer Großstadt ist es gefährlicher.“ Die Boote sind mit modernster Seenottechnik ausgestattet, das ist vorgeschrieben.

Die Crew der „Neutrogena“ trägt zusätzlich ein AIS-Sender am Mann. Das ist ein Signal, das die Position sofort auf der elektronischen Seekarte anzeigt. „Denn das Gefährlichste wäre, wenn tatsächlich einer von uns über Bord geht“, meint der besonnene Skipper, „dann bleibt dem anderen wenig Zeit, einen wieder aufzusammeln.“

Diese Gedanken kreisen bestimmt in den Köpfen einiger Freunde und Angehöriger, die zum Abschied persönlich nach Barcelona kommen. Es sind auch die Mütter, die wohl die größten Sorgen umtreiben, und viele Weggefährten der beiden Skipper aus deren steilen Segelkarrieren. Zwei Tage vor dem Start feiern sie in der beliebten Tapas-Bar „Mirabé“ den vorgezogenen, privaten Abschied, auch um sich gegenseitig Mut zu machen. Mut und Zuversicht, die Boris Herrmann und Ryan Breymaier gerne mit auf den Törn um die Welt nehmen werden.

Weitere Informationen und während des Rennens und aktuelle Positionsmeldungen:

Bilder auf SR
Eventseite
Boris Herrmann Racing
Ryan Breymaier

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http://blueocean.berlin/magicmarine-team-werden/

4 Kommentare zu „Start Sylvester 13 Uhr. Boris Herrmann beim Barcelona World Race“

  1. avatar lyr sagt:

    OMG! das wird ein Spass! toitoitoi Boris 🙂

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  2. avatar Peter sagt:

    äh, wer von den beiden verschweigt seine Quellen ?

    http://www.yacht.de/yo/yo_news/powerslave,id,10226,nodeid,33.html

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    • avatar Carsten sagt:

      äh, wieso? steht doch drunter bei uns. Autor: Andreas Kling. Andreas ist bei Boris und Ryan für die deutsche Pressearbeit zuständig

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      • avatar Peter sagt:

        Ja bei euch stehts drunter, stimmt. mich wunderte nur, dass bei der Yacht gar kein Hinweis steht, wo der Text herkommt. Man würde davon ausgehen dass deren Online Redaktion das geschrieben hat.. und dann stolpert man hier auf einen fast identischen Text.

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