Extreme Sailing Series: Roland Gäbler berichtet über die Kollision in Istanbul

"6-4-2-Crash – Alinghi hat uns versenkt"

Gute Miene zum bösen Spiel. Roland Gäbler steckt seine Hand in das Loch. © Marina Könitzer

Volle Geschwindigkeit in die Breitseite. Team Alinghi hat uns in Istanbul versenkt. Mann über Bord. Jeder hat etwas abbekommen. Ein Crash, so wie wir ihn bisher nicht erlebt haben.

Nachdem wir gestern einen schwarzen Tag erlebt hatten, und unsere Frustration über Nacht verarbeiten mussten, wollten wir heute eine Revanche. Mit dem Messer zwischen den Zähnen haben wir alles auf Angriff gesetzt.

Riskante Starts. Präzise Manöver an den Marken. Smarte Taktik. Es passte perfekt. Platz 6-2-4 in den ersten drei Rennen des Tages. So muss eine Revanche aussehen. Offensiv und agierend.

Mit Vollgas erwischt. Der Alinghi-Vorschiffsmann purzelt nach vorne. Das Großsegel mit dem Hydraulik-Zylinder kann nicht weiter geöffnet werden. © Marina Könitzer

Dann kam das vierte Rennen. Wieder ein Guter Start. Schöne Kreuz. Eine perfekte Wende auf den Anlieger zur Luvmarke und dann………. DER CRASH.

Team Alinghi kam mit voller Fahrt von Links und musste uns ausweichen. Ich sah sie kommen in letzter Sekunde. Das Goßsegel war dicht. Strömungsabriss am Ruder und dann volle Fahrt in unseren Rumpf.

Es krachte so laut. Mir blieb der Atem stehen. Unser Bowman Nicolas Hinard fiel über den vorderen Beam und schwamm unter dem Boot. Er war weg. Das Ruder hatte ihn getroffen.

Alinghi wollte hinter dem Heck von Gäbler abfallen, hat aber zu viel Druck in den Segeln. © Marina Könitzer

Hatte es ihn erwischt? Ich war auf dem Weg, ins Wasser zu springen, um ihn zu retten. Die Angst schoss mir durch den Körper. Doch er tauchte wieder zwischen uns und Alinghi auf. Er lachte. Zum Glück.

Dann ging es nur darum, das Boot zu retten. Schnell kam das Schlauchboot vom Team Oman und wir fixierten es am Heck wo Alinghi uns getroffen hatte. Wir waren dabei zu sinken. Der Riss erstreckte sich bis zum Kiel. Das Wasser schoss in den Rumpf.

Mit Ach und Krach schafften wir es zum Kran. Angehängt. Das Boot war sicher. Das Wasser lief wieder aus dem Rumpf. Es konnte nicht mehr sinken.

An Land mussten wir uns erst einmal sammeln. Alles waren Okay. Die Schulter von Bruno war blau. Meine Wade blutete leicht. Nicolas tat der Rücken weh. Sebbe hinkte weil das Knie wehtat. Aber wir alle waren heile an Land und mussten diesen Schock erst einmal verdauen.

Morgen frühe müssen wir weiter sehen. Ist der Rumpf noch zu retten, oder ist das Rennen vorbei? Wir melden uns.

Spenden
https://northsails.com/sailing/de/

Ein Kommentar „Extreme Sailing Series: Roland Gäbler berichtet über die Kollision in Istanbul“

  1. avatar peer sagt:

    das nennt man doch wohl glück im unglück … Viel erfolg euch noch

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *