Extreme Sailing Series Trapani: Roland Gäbler über sein Fernbleiben, Crash und Zukunft

"Ich war sehr genervt"

Die nächste Tonne muss warten. Roland Gäbler pausiert bei der Extreme Sailing Series. © Marina Könitzer

Während bei der Extreme Sailing Series in Trapani Alinghi weiterhin seine Kreise an der Spitze zieht, ist Stamm-Steuermann Roland Gäbler nicht dabei. Sein Schiff wird vom Belgier Sebastien Godefroid mit einem belgischen Team bewegt und liegt am Ende des Feldes. Gäbler erklärt bei SR warum er vorerst ausgestiegen ist.

„In Cowes hatten wir viel Bruch und Material Probleme. Dann waren da noch zwei komplett verrückt Jury Entscheidungen. Da hatte ich die Nase voll und erst mal die nächsten zwei Events abgesagt. Ich war sehr genervt. Aber in Almeria Mitte Oktober bin ich wieder am Steuer. Bis dahin habe ich mich wieder gefangen.

Nach einem guten Start in die Saison ist bei uns nach dem unverschuldeten Crash mit Alinghi in Istanbul der Faden gerissen. Bis dahin hatten wir echt viel Aufwind. Aber das Boot war nun kaputt und das Ersatzboot weist bis jetzt viele technische Probleme auf.

Erst riss der Rumpf, dann der Faden. Roland Gäbler nach dem Crash in Istanbul. © Marina Könitzer

Da habe ich mich für die WM und EM wieder auf den Tornado konzentriert. Es hat ja auch funktioniert. Zweimal Vize-Meister und die Titel in der Mixed Wertung. Ich brauchte einfach mal wieder ein positives Erlebnis.

Im Oktober nach dem Extreme Sailing Series (ESS) Rennen in Almeria entscheidet sich, ob es mit mir und der ESS weiter geht. Es macht nur Sinn, wenn wir ein professionelles Projekt mit einem anständigen Budget auf die Beine stellen für 2012. Für ein “Amateur Projekt” bin ich zu alt. Das muss ich nicht mehr haben.

Entweder ich ziehe das für 2012 so professionell auf wie mein Tornado Projekt bzw. eine Olympia-Kampagne, oder ich verzichte. Ich lasse mich nicht verheizen. Das Budget muss passen, ein verlässliches Profi-Team regelmäßig dabei sein wie auch einen konstanter, motivierter Trainingspartner.

Der ständige Wechsel mit “Locals” an Bord funktioniert nicht auf solch einem Boot. Es war ja ganz nett und das war auch der Deal mit dem Veranstalter. So haben wir ja das Boot kostenlos gestellt bekommen. Doch sportlich ist das nicht sehr befriedigend.

Viel Bruch in Cowes. Roland Gäbler ging mit seiner Frau Nahid an den Start. © Marina Könitzer

Wenn ich jetzt bis November das Budget für 2012 zusammen habe, mache ich weiter. Sonst setze ich voll auf den Tornado und vielleicht den America’s Cup (wenn die Teams bis 2012 überleben).

Meine Mitsegler sind allesamt echt gute Typen mit großem Talent. Wir haben uns bisher super verstanden und viel Spaß miteinander gehabt. Nie hat es Probleme mit der Kommunikation gegeben. Und Sebbe Godefroid ist sicher ein Top Steuermann und Crew zugleich. Seine Olympiamedaille im Finn Dinghy und die WM-Titel sprechen für sich. Einen Bowman habe ich an ein AC Team verloren. Da ist eben mehr Geld zu verdienen.

Es ist doch kein Geheimis wie man eine professionelle Segel-Kampagne aufzieht. Und das genau habe ich vor. Es geht nur 110 Prozent, oder man lässt es besser sein. Das gilt für Olympia, Extreme Sailing und AC. Nur wenn das finanzielle Fundament stimmt und hat man Chancen oben anzukommen. Doch da müssen noch ein paar Partner an Bord kommen.

In den nächsten Monate wird sich entscheiden, ob Extreme Sailing oder AC. Beides sind sehr tolle Projekte. Auch der AC mit seiner tollen Medialisierung und den spannenden Rennen könnte für Sponsoren sehr interessant werden.

Ich bin heilfroh, dass ich zumindest mit dem Tornado schon ein professionelles und erfolgreiches Projekt habe. Per Doppeltrapez im Highspeed-Modus über die Wellen zu fliegen ist immer noch das Schönste. Es macht einfach höllisch Spaß dieser Tornado. Segeln und Fliegen. Jeder Segeltag ein Highlight.“

 

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9 Kommentare zu „Extreme Sailing Series Trapani: Roland Gäbler über sein Fernbleiben, Crash und Zukunft“

  1. avatar Ketzer sagt:

    “Ich brauchte einfach mal wieder ein positives Erlebnis.”

    Also von der Frusttoleranz sind wohl die Segler, die immer wieder auf Regatten fahren ohne eine Chance auf einen Treppchenplatz zu haben einiges höher einzustufen.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 7 Daumen runter 4

  2. avatar RVK sagt:

    Als Sponsor fände ich es auch super, wenn meine kleine geldgestopfte Diva beim ersten Ausbleiben gleich mit Abstinenz glänzt. Sicherlich ist Siegen am Schönsten, aber Professionalität zeigt sich doch wohl viel mehr mit dem Umgang von ausbleibendem Erfolg, oder? Herr Schumacher dreht doch auch anständig seine Runden, lächelt jedes 3. Wochenende bei Kai Ebel in die Kamera und präsentiert tapfer seinen silbernen Stern.

    Als Unternehmen oder Agentur würde ich bei der Wahl meiner Projektpartner das hier gezeigte Verhalten, eher abschreckend empfinden.

    Aber vielleicht geht es nur mir so?

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    • avatar Carsten sagt:

      “geldgestopfte Diva” in bezug auf roland ist schon sehr witzig. und der vergleich mit schumi ehrt ihn wohl, hat aber wenig mit der finanziellen realität zu tun.

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      • avatar RVK sagt:

        Das war weniger an der Person Rolands fest gemacht, als an der Tatsache, dass ich so eine Darstellung einfach schwierig finde bzw. unglücklich finde, weil eben schnell falsch zu verstehen und damit auch Konsequenzen für alle Segler haben kann.

        Im Hinblick auf die länglich geführte Diskussion über Sponsoring im Segelsport (siehe AMR) denke ich eben, dass man auch wenn es nicht so läuft seinen Förderern auf andere Weise helfen soll und dazu auch jede Chance nutzen sollte. Siehe Alex und Hugo Boss.

        Aus eigener Erfahrung vom bequemen trockenen Schreibtisch kann ich aber leider sagen, dass in vielen Unternehmen und meist im Marketing eben die gesponsorten doch als gestopfte Diva betrachtet werden, die einzig teuer ist. Häufig auch in der Kombination, wenn der Chef Segler ist, ein Projekt aus reiner Ideologie oder Enthusiasmus von oben unterstützt und anordnet und die wenige begeisterten Marketing-Entscheider nur die nackten Zahlen sehen und keinen RoI. Da ist dann so ein Artikel oder eine hinterrücks kolportierte Aussage von Neidern und Dritten schnell ein gefundenes Fressen zum Stänkern und Anecken.

        Ich hab Roland nur mal kurz kennen gelernt, war aber da schon von der Ruhe und dem Ehrgeiz sehr fasziniert. Ich kenne auch nicht die Hintergründe diesen Deals, daher auch keine Aussage zu diesem Deal, sondern generell!

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  3. avatar Markus O sagt:

    Ich kann nicht alle Kritik an Roland’s Artikel teilen, aber stehe seinen Aussagen in diesem und den vorherigen Artikeln auch nicht positiv gegenüber.
    Ich wünsche Roland weiter ein professionelles Engagement und Erfolg, aber er sollte auf das Schreiben von Artikel verzichten, wenn er seine Chancen bei Sponsoren erhöhen möchte.

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  4. avatar Mk sagt:

    Bei welchem ac team will er denn mitmachen? Das sieht ganz schön anstrengend aus auf den ac45…

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    • avatar T.K. sagt:

      Schau Dir doch Roland an. Das ist alles Muskelmasse! Das sage ich zumindest auch immer meiner Frau 😉

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  5. avatar Wilfried sagt:

    ich kann ihn verstehen aber man muss ihm auch sagen, dass der Deal genauso war und er sich dann nicht hinterher beschweren kann.

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    • avatar stefan sagt:

      …naja, wenn ihm aber das erste (gute) Boot unverschuldet kaputt gefahren wird und er dann nur bescheidenen Ersatz bekommt, dann entspricht das nicht den grundsätzlichen Absprachen. Da kann ich eine gewisse Verärgerung schon nachvollziehen.

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