Rolex Baltic Week: 12mR “Vanity” zwei Punkte vor “Trivia”, 8mR “Hollandia” vor “Lafayette”

Zwingender Zwölfer Zweikampf

Start zum zweiten Rennen am dritten Tag. "Vanity" (l.) mit Rechtsdreher und gutem Start am Schiff. "Trivia" und "Sphinx" (G 4) sind auch ordentlich dabei. © Rolex/Daniel Forster

„Deutschland gegen Dänemark“ und „Holland gegen England“ – so lauten die Finalbegegnungen der Rolex Baltic Week im Segeln. Am Sonntag kommt es bei der Robbe & Berking 12mR-Weltmeisterschaft in Glücksburg zum Showdown zwischen Wilfried Beecks „Trivia“ aus Kiel und der dänischen „Vanity V“ von Patrick Howaldt, die zwei Zähler Vorsprung hat.

Bei den Achtern wird der fortwährende Titelzweikampf zwischen der „Hollandia“ und der „Lafayette“ entschieden. Der Niederländer Tim van Rootselaar hat den Bug ebenfalls um zwei Zähler vor Steuermann Allan Manuel aus Großbritannien. Nach der Sturmpause am Vortag übernahm Vorjahressieger Andreas Krause (Kiel) zum verschobenen Auftakt des Robbe & Berking 6mR Sterling Cups gleich wieder die Führung.

Viel Geduld mussten die Zwölfer-Crews am vierten Regatta-Tag haben. Nachdem schon am Freitag kein Rennen gestartet werden konnte, drohte das Windlimit für die Klasse auch den Sonnabend zu gefährden. Die Crews hatten daher schon am Morgen sehr sorgenvoll auf die aufgewühlte Flensburger Förde geblickt.

Startsequenz. "Trivia" (K 10) im Zweikampf mit "Sphinx". © Rolex/Daniel Forster

Sowohl der WM-Führende Patrick Howaldt als auch Verfolger Wilfried Beeck wollten unbedingt auf die Bahn. „Wir wollen uns auf dem Wasser messen“, sagte Howaldt, und Beeck erklärte: „Zum Glück ist es ja lange hell, so dass wir auch noch spät segeln können. Hauptsache wir schaffen noch einige Rennen, auch wenn es kurze Kurse sind.“

Bis zur Dämmerung mussten die Crews dann jedoch nicht ausharren. Am Nachmittag hatten sich die Bedingungen so weit stabilisiert, dass Wettfahrtleiter Claus-Otto Hansen um 16.30 Uhr das erste von zwei Rennen starten konnte. Und hier zeigten die Top-Platzierten, warum sie an der Spitze stehen. Die „Vanity V“ schoss mit viel Schwung über die Startlinie, lag sofort in Führung und kontrollierte das Feld bis zum umjubelten Sieg im ersten Tagesrennen.

In der zweiten Wettfahrt schaffte die „Trivia“ allerdings die Wende und brachte sich mit dem Sieg in die Position, am Finaltag wie im Vorjahr noch die Wende schaffen zu können. Denn zur Rolex Baltic Week 2010 verdrängte die „Trivia“ mit einem starken Schlussspurt die „Vanity V“ noch von der Spitze.

Angriff über die rechte Seite. "Trivia" beim Leetonnenmanöver. Der Spi ist weg, der Baum wird später geborgen. © Rolex/Daniel Forster

„Das waren zwei Super-Rennen mit super viel Spaß. Jetzt ist noch alles offen, und so soll es ja auch sei. Auch wenn wir natürlich gern vier Punkte Vorsprung mit in den Finaltag genommen hätten“, sagte Patrick Howaldt, der nicht verhehlen konnte, dass die Erinnerung der Vorjahres-Niederlage wieder hochkomme. Mit der Performance am Sonnabend war Howaldt bis zum letzten Vorwindgang sehr zufrieden.

„Wir hatten in beiden Rennen sehr gute Starts. Während wir diese Position in der ersten Wettfahrt bis ins Ziel verteidigen konnten, lagen wir im zweiten bis zur letzten Tonnenrundung in Führung.“ Dann aber wählte die „Vanity V“ unter Spinnaker die falsche Seite und musste die „Trivia“ noch um eine halbe Länge beim Zieldurchgang passieren lassen.

„Wir dachten auf der Ostseite wäre der Wind schwächer, aber es kam genau anders“, so Howaldt, während „Trivia“-Taktiker Carsten Kemmling erklärte: „Es war natürlich ein Fehler, uns so ziehen zu lassen. Wir haben an der Tonne gleich mit dem Druck gehalst und haben die Chance gesucht und gefunden.“ Auch Kemmling war mit den Starts seiner Crew sehr zufrieden, musste aber feststellen, dass die „Vanity V“ auf den jeweils ersten Schlägen die Dreher besser erwischt hatte.

Enger Start der Achter-Flotte bei 20 Knoten Wind. © Rolex/Daniel Forster

Auch bei der „Trivia“ wurden die Erinnerungen an das Vorjahr wieder wach. „Wir können es aus eigener Kraft schaffen“, sagte Kemmling und Beeck ergänzte: „Es ist alles wie 2010, jetzt hoffen wir darauf, dass wir zum Abschluss noch zwei Rennen fahren.“

Von „idealen“ Segelbedingungen berichtete Jobst Richter als Wettfahrtleiter des Mitveranstalters Kieler Yacht-Club (KYC) auf Bahn alpha, wo die Achter drei Rennen absolvierten. „Die befürchteten Böen blieben weitgehend aus. Relativ konstante vier bis fünf Beaufort waren für alle Teilnehmer gut beherrschbar.

Es gab auch keine nennenswerten Schäden.“ Lang-kurz-lang, so waren die Tageswettfahrten, denn zwischendurch kreuzte ein großer Neubau der Berufsschifffahrt die Bahn, was Richter vorher über Funk abgeklärt hatte.

Andi Lochbrunner, Lindauer Eigner und Steuermann der historischen „Elfe II“, pflichtete Richter bei: „Das waren drei Traumrennen. Bei so einem Regenwetter segele ich wirklich am liebsten.“ Zwar hatte er mit dem einzigen gaffelgetakelten Achter im Feld sportlich Nachteile, weil der Wind doch immer noch so stark, war dass er auf der Kreuz am Wind das Großsegel wegnehmen musste. Lochbrunner:

„Vor dem Wind haben wir es aber immer wieder gesetzt und auch den Spi gezogen. Wir haben alles gegeben.“ Trotz eines kleinen Rammings nach dem Start des zweiten Tagesrennens, als die „Elfe II“ das Heck der Schweizer „Catina VI“ von Klassenpräsident Fred Meyer berührte und einen Strafkringel drehen musste, ist sie in der Gesamtwertung zweitbester „alter“ Achter nach der so genannten First Rule. Nur drei Zähler voraus liegt der Vereinskamerad Hans-Robert Nitsche mit seiner „Sposa“.

„Wir sind sehr glücklich mit dem Tag, es war harte Arbeit in dem starken Wind, aber auch tolles Segeln. Die ,Hollandia‘ ist sehr gut gelaufen. Wir haben zuletzt einiges verändert an Bord und wussten, dass das Schiff schnell sein kann. Dass heute drei Rennen gesegelt wurden, war natürlich optimal für uns, denn nur so konnten wir an die Spitze zurückkehren“, sagte „Hollandia“-Miteigner Ruud van Hilst.

Für den Abschlusstag sei im Rennen um die WM-Krone allerdings noch alles offen. „Es kann so viel passieren, es muss nur einmal etwas am Start schief gehen und schon kann sich alles drehen.“

Einen überaus überzeugenden Auftritt legte der Sechser „Sleipnir II“ hin. Mit zwei Tagessiegen und einem zweiten Platz zum Auftakt schob er sich gleich wieder in die Favoritenrolle und liegt damit auf Kurs Titelverteidigung, nachdem die Crew im vergangenen Jahr die Rolex Baltic Week vor Kiel gewonnen hatte.

Der entscheidende Erfolgsfaktor war das optimale Starttiming der „Sleipnir II“, die stets auf den Punkt mit Schwung an der Linie war. „Im ersten Lauf war es fast etwas zu eng, da gab es schon rote Köpfe im Startschiff. Vielleicht war da noch ein halber Meter Platz“, berichtete Steuermann Christoph Nielsen (Berlin).

Das Geschwindigkeits-Potenzial der Konkurrenten sieht er auf gleichem Niveau, so dass am Ende das Bootshandling und das richtige Ausnutzen der Winddreher über den Sieg entscheiden. Und das Gefühl für Wind und Boot besitzt Nielsen wie nur wenige. Nicht umsonst ist er der amtierende Gold-Cup-Sieger im Folkeboot und strebt hier eine Titelverteidigung bei der Travemünder Woche an.

Dazu hat die „Sleipnir“-Crew, die in dieser Zusammensetzung das erste Mal gemeinsam im Boot sitzt, aber auch noch die Sechser-WM im August auf dem Plan, die mit 43 Booten vor Helsinki ausgetragen wird.

Das Feld der Achter hatte sich zum fünften WM-Rennen bereits ein wenig reduziert. Die „Svanevit“ von Karsten Niehus (Köln) war nach ihrem Mastbruch von Donnerstag zur Untätigkeit verurteilt, und auch die „Gefion“ von Richard Self aus Kanada lag bereits am Morgen abgeriggt und reisefertig unter dem Kran.

Nach dem Bruch eines Backstages konnte das Rigg nicht rechtzeitig repariert werden. An der „Sira“ von seiner Majestät König Harald V. von Norwegen war dagegen von dem Schaden nach einer kleinen Kollision am Mittwoch nichts mehr zu sehen. Seine Crew hatte ganze Arbeit geleistet – und so fand der König vor dem Start die Ruhe zu einem entspannten Wetter-Plausch mit dem Eigner der „Aun“, Yutaka Kobayashi aus Japan.

Der König versicherte seinem japanischen Segelkollegen, dass in Oslo derweil angenehmeres Wetter herrsche. Die beiden verbindet indes nicht nur das Wetterthema und die Tatsache, dass sie zur Rolex Baltic Week Stegnachbarn sind. Ihre Schiffe stammen auch beide aus der Feder des berühmten norwegischen Yachtdesigners Johan Anker. Die „Aun“ wirkt dabei wie eine etwas gewachsene Kopie der „Sira“.

Und das Schiff von Kobayashi ist in der Tat eine Weiterentwicklung der königlichen Yacht, denn Anker hatte den Riss der „Sira“ weiter optimiert. Die heutige „Aun“ sollte seine letzte Zeichnung eines Achters vor seinem Tod in 1940 bleiben. Und gebaut wurde das Schiff wegen Ausbruch des Krieges ebenfalls nicht. Später wurde die Pläne allerdings wiederentdeckt und die Yacht 2005 originalgetreu und sogar mit Holzmast nachgebaut wurde.

Eine Besonderheit im Feld der Achter ist die „Delphis“. Und das nicht nur, weil die 1930 gebaute Yacht das bei den Achtern seltene Nationalitäten-Zeichen von Argentinien trägt. Gerade einmal fünf 8mR-Yachten überhaupt sind in Südamerika registriert, drei davon in Argentinien. Auch die Crew der „Delphis“ ist im Feld der erfahrenen Yachtsegler ungewöhnlich.

Steuermann Micael Sielecki ist gerade einmal 24 Jahre alt, und der Großteil seiner Mitsegler ist ebenfalls in den Mittzwanzigern. „Wir sind eigentlich Skiff-Segler aus dem 29er, erst seit März segeln wir gemeinsam auf dem Achter. Das ist wirklich eine ganz andere Art des Segelns“, sagte Sielecki, der unlängst bei der 29er-WM im Januar auf seinem Heimatrevier vor Buenos Aires Platz zehn belegt hatte.

Eigner des Schiffes ist Micaels Onkel Daniel Sielecki, der die Yacht vor zehn Jahren erworben und dann umfangreich saniert hat. Das Design des 13,50 Meter langen Achters stammt von Atilio Costaguta, gebaut wurde die „Delphis“ 1930 in Italien, ging dann nach Argentinien. Ihr „Sonderstatus“ in Südamerika birgt für die Crew indes einige Probleme. „Wir haben niemanden, mit dem wir uns messen können“, sagte Sielecki, und so ist die WM die erste wirkliche Regatta der Mannschaft.

Die achte Rolex Baltic Week endet am Sonntag (3. Juli) mit ein bis zwei weiteren Wettfahrten. Der Wind soll noch etwas abnehmen und am Nachmittag auch mal wieder Sonne die Wolken verdrängen. Die ersten Starts sind auf 11 Uhr festgelegt, die letzte Startmöglichkeit ist um 14 Uhr. Nach den Rennen findet die Siegerehrung im Flensburger Segel-Club statt.

 

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Ralf Abratis

... ist unser Mann aus der "Segelhauptstadt" Kiel. Mehr zu ihm findest Du hier.
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2 Kommentare zu „Rolex Baltic Week: 12mR “Vanity” zwei Punkte vor “Trivia”, 8mR “Hollandia” vor “Lafayette”“

  1. avatar stefan sagt:

    ….aaaah, Holland gegen Schottland!

    …Lafayette kommt aus Schottland. Ein feiner, aber leider kein kleiner Unterschied!

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  2. avatar Andreas Ju sagt:

    1. Hübsche Idee mit dem Foto in Sepia.
    2. Artikel in dieser Länge finde ich doch zu lang für den Konsum am Monitor

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