Rolex Baltic Week: Zweiter Tag mit 25 Knoten lässt Hölzer knirschen

Zerfetzte Spis, gebrochene Masten

Leetronnenrundung. Auf "Trivia" hängt die Genuaschot im Spi, "Evaine" kommt entgegen mit noch größeren Problemen. © Rolex/Daniel Forster

Kräftiger Wind und Böen bis an die Grenze des Segelbaren bestimmten am Donnerstag (30. Juni) den zweiten Tag der Rolex Baltic Week auf der Flensburger Förde. In Windstößen bis zu 28 Knoten hielten nicht alle Crews und Yachten der Robbe & Berking Weltmeisterschaften in der 8mR- und 12mR-Klasse den Belastungen stand. Am härtesten erwischte es den Achter „Svanevit“ von Karsten Niehus aus Köln, bei dem zuerst das Achterstag und in der Folge der Mast brach.

Weitere Materialschäden und Segelverluste sorgten zudem für Gesprächsstoff im Hafen. Auch sportlich gab es reichlich Diskussionen, die bis in den Abend bei einigen Protestverhandlungen fortgesetzt wurden.

An der Spitze des Zwölfer-Feldes behauptete sich mit zwei zweiten Rängen die dänischen „Vanity V“ von Patrick Howaldt vor Wilfried Beecks „Trivia“ aus Kiel. Bei den Achtern setzte die „Hollandia“ von Ruud van Hilst und Jos Fruytier (Niederlande) ihre eindrucksvolle Erfolgsserie fort.

Patrick Howaldt war unter anderem nach einem gewonnenen Protest mit dem Regattatag zufrieden. „Das waren fantastische Rennen mit spektakulären Situationen. Ein Luvkampf auf dem Vorwindkurs, den wir uns mit der ,Trivia‘ und der ,Anitra‘ geliefert haben, hat allerdings auch zum Protest geführt.

Zweimal Platz zwei im Ziel war aber top“, sagte der Eigner, der auch mit Problemen zu kämpfen hatte: „Einmal mussten wir den Spinnaker fliegen lassen, haben ihn aber wieder einholen können. Und unsere Genua ist am Achterliek eingerissen. Damit müssen wir zum Segelmacher.“

Und der bekam noch viel mehr Arbeit. Auf der Flensburger „Sphinx“ riss die große Blase beim letzten Vorwindgang ganz aus den Lieken. Zum Sieg im Abschlussrennen des Tages reichte es dennoch für die nachtblaue Yacht, und so konnte Steuermann Guy Ribadeau Dumas am Ende des Tages strahlen: „Im ersten Rennen hatten wir mit der großen Genua noch etwas Probleme, hatten zu viel Druck auf dem Ruder. Im zweiten Rennen haben wir dann aber die richtige Einstellung gefunden und hatten mächtig Spaß auf dem Wasser.“

Andere Crews hatten dagegen mehr zu kämpfen. Die norwegische „Vema III“ zog es vor, nach einer Wettfahrt in den Hafen zu fahren, da die junge gemischte Crew noch unerfahren ist. Zudem wollte man den historischen Holzmast nicht zu sehr belasten.

Auch die „Evaine“ aus Kiel machte frühzeitig im Hafen fest. Die Crew um Skipper Georg Kierspel hatte den Spinnaker verloren, dessen Schot sich auch noch in der Schraube eines Motorboots verfing, das ein Stück mitgezogen wurde, was eine heftige Konfusion auf dem Wasser auslöste. Der Spi musste am Fall gekappt und von einem anderen Motorboot geborgen werden.

Viel Arbeit gab es auch auf den kleineren Achtern. Auf der „Gefion“ brach in einer Halse das Backbord-Backstag. „Wir mussten sehr schnell reagieren, um nicht auch noch den Mast zu verlieren. Jetzt müssen wir sehen, ob wir die WM noch weitersegeln können. Die Bedingungen sollen leider ja nicht besser werden“, sagte Steuermann Ronald Palm (USA).

Für Freitag und Sonnabend wurden noch heftigere Böen vorhergesagt. Noch viel schlimmer traf es die „Svanevit“, für die die WM definitiv beendet ist. „Auf Vorwindkurs ist uns das Achterstag gebrochen, das hat der Mast nicht ausgehalten“, berichtete Eigner Karsten Niehus.

Ganz in ihrem Element war dagegen die „Raven“ von Richard Self und Mark Decelles. Die Crew der kanadischen Yacht hatte sich zur Rolex Baltic Week kräftige Winde gewünscht und steuerte das Schiff nun trotz dessen hohen Alters von 73 Jahren zu einem dritten und einem vierten Rang. Das Schiff arbeite wie die Mannschaft einwandfrei, hieß es aus dem Team. Damit hat die „Raven“ lediglich drei Achter nach moderner Bauart vor sich.

Ganz vorn beeindruckt die „Hollandia“, die unter den Experten bisher vor allem als Leichtwind-Schiff bekannt war, nun aber auch im starken Wind des zweiten Tages einen Tagessieg und einen zweiten Platz einfuhr. „In der Vergangenheit hatten wir bei viel Wind einige Probleme mit dem Material. Jetzt lief alles einwandfrei. Außerdem haben wir flachere Segel gefahren und etwas umgetrimmt, damit waren wir sehr schnell unterwegs“, freute sich Steuermann Tim van Rootselaar.

Die „Hollandia“ hat bereits 2005 den WM-Titel eingefahren und hat sich nun erneut in die Favoritenrolle vor der „Lafayette“ von Murdoch McKillop (Großbritannien) und der „YQuem II“ von Jean Fabre (Schweiz) geschoben.

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Ralf Abratis

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Ein Kommentar „Rolex Baltic Week: Zweiter Tag mit 25 Knoten lässt Hölzer knirschen“

  1. avatar Marin sagt:

    […] Die „Hollandia“ hat bereits 2005 den WM-Titel eingefahren […]
    War das nicht 2006 am Bodensee?

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