ISAF Skandal: World Sailing verzichtet auf Sanktionen gegen Malaysia

"Schlechte Kommunikation"

World Sailing verhängt keine Strafen gegenüber Malaysia und sieht eine Mitschuld bei den Israelis. In Zukunft soll das nicht mehr passieren.

Israel Laser Segler

Die Israelin Oren Jacob durfte bei der Laser Radial WM 2015 im Oman nicht die Buchstaben ihres Landes führen. © ILCA

Der Weltsegler Verband World Sailing ist in einer verzögerten Stellungnahme auf die jüngsten Vorgänge um den Ausschluss der israelischen Weltmeister von den ISAF Youth Worlds eingegangen.

Darin stellt der Verband fest, dass Malaysia durchaus Artikel 7 der World Sailing Verfassung verstoßen hat. Demnach darf es bei Veranstaltungen keine Diskriminierung aufgrund von Rasse, Religion oder politischer Angehörigkeit geben.

Aber in der Erklärung heißt es: “Der spät gestartete Prozess zur Ermöglichung der israelischen Teilnahme, Verzögerungen und schlechte Kommunikation von allen beteiligten Parteien und die späte Bekanntmachung der Bedingungen, haben zu dem Ergebnis beigetragen und machten es unmöglich, für World Sailing und das IOC den Vorfall vor der Meisterschaft zu klären.”

Israel Surferin

Die israelische RS:X U-17 und U-19 Weltmeisterin Noy Drihan durfte nicht in Malaysia starten. © RS:X Class

Der Verband gibt somit den Israelis eine Mitschuld an der Situation. Am 16. Dezember seien die Bedingungen für die Teilnahme (u.a. keine Flagge, keine Nationalhymne) von Malaysia an die Israelis bekannt gemacht worden. World Sailing habe aber erst am 23. Dezember vier Tage vor dem Start der Regatta aus den Medien erfahren, dass der Israelische Verband seinen Seglern die Teilnahme unter diesen Voraussetzungen nicht erlaube.

Israel mehrfach ausgeschlossen

Dabei kamen die Probleme sicher nicht aus heiterem Himmel. Denn inzwischen ist bekannt geworden, dass Israelis im vergangenen Jahr schon mehrfach von Veranstaltern ausgeschlossen oder mit Auflagen belegt wurden, die etwa das Zeigen ihrer National-Symbole verboten.

World Sailing wusste auch seit der Vergabe der Veranstaltung 2011 an Malaysia von möglichen Problemen bei der Einreise. Man hätte frühzeitig Sanktionen in Aussicht stellen können, um den Start der israelischen Segler zu ermöglichen.

Aber der Verband hat sich nun für den weichen Weg entschieden und keine eigenen Versäumnisse eingeräumt. Die Verantwortlichen glauben offenbar, die Kritik verschmerzen können. Sicher ist, dass das Bewusstsein der Öffentlichkeit nun geschärft ist, wenn Sportler politische Repressalien erleiden müssen.

Das dürfte allerdings die Zusammenarbeit mit Ländern wie dem Oman, die sich seit einigen Jahren im Segelsport profilieren und viel Geld in den Sport gepumpt haben, nicht gerade erleichtern. Aber es wird helfen, dass sich auch diese Länder an die Werte der freien westlichen Welt halten, die gerade durch den Sport besonders dokumentiert werden.

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Carsten Kemmling

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4 Kommentare zu „ISAF Skandal: World Sailing verzichtet auf Sanktionen gegen Malaysia“

  1. avatar Jörg sagt:

    So ein Blödsinn! Da bedarf es keiner besonderen Vorkommnisse oder spät kommunizierter Teilnahmebedingungen, um zu wissen, dass Länder wie Malaysia jede Möglichkeit nutzen werden um Israel von Wettkämpfen in ihrem Land auszuschließen. Das hätte World Sailing alles schon vor langer Zeit regeln können. Im Zweifel hätte man Malaysia die Ausrichtung wieder entziehen müssen. Wollte man halt nicht. Lieber wollte man es sich nicht mit Malaysia verscherzen. Ging wahrscheinlich um zu viel Geld, um auf Lappalien wie die Diskriminierung einiger weniger Segler Rücksicht zu nehmen.
    Ist doch immer wieder gut zu wissen, dass der Segelsport international von solchen Granden vertreten wird. Da können dann auch unsere Olympioniken beruhigt nach Rio reisen, wenn sich World Sailing aka der neue CEO um die dortige Wasserqualität gekümmert hat.

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    • avatar dubblebubble sagt:

      Wenn Verbandsfünktionäre mauscheln o.ä. bleibt immer noch die Solidarität der Athleten. Warum haben die Aktiven nicht interveniert nach der Devise alle oder keiner?

      Jedenfalls eine Sauerei was da passiert ist.

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      • avatar Schnappi sagt:

        Die beiden Länder unterscheiden sich aber nicht viel, die einen diskriminieren Sportler, die anderen treten wie Staatsterroristen auf und schneiden tausende Leute von humanitärer Versorgung ab. Manch einer kann sicher verstehen, dass solche Flagge nicht gern gesehen sind. Zudem hätten sie ja ohne Flagge antreten können, wenn ihr Land das net will – ihre Baustelle. Zur Not wären dann halt alle ohne Flagge gesegelt … so aus Solidarität.

        ^^

        Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 3 Daumen runter 13

  2. avatar Chris vom Südsee sagt:

    Ich sehe auch wie Carsten hier aber die Funktionäre in der Pflicht. Es zeichnet sich immer mehr ab, dass andere Verbände nicht besser arbeiten wie die hochkorrupte FIFA. Sei es Doping im Leichtathletik oder solche Vorkommnisse im Segeln.
    Das Hauptproblem liegt hier in den Strukturen, die höchst undemokratisch sind. Denn wer bezahlt die ISAF (kann mich noch nicht so recht an “World Sailing” gewöhnen) letztendlich? Die Vereine durch die Umlage an den DSV und der zum Internationalen Verband.
    Ein bisschen mehr Demokratie und Kontrolle täte hier wirklich gut.

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