ISAF Youth Worlds: Keine Medaillen für deutsche Boote – drei Klassen nicht besetzt

Wo Sieger gemacht werden

Bei der ISAF Youth WM, der weiltweit wichtigsten Segelveranstaltung im Jugendsegeln, ist die deutsche Mannschaft als 14. Nation gewertet worden. Wird diese Regatta nicht ernst genug genommen?

367 Segler aus 67 Nationen starteten im portugiesischen Tavira in acht Klassen, die den olympischen Disziplinen nachempfunden sind. Dabei dürfen die Sportler nicht älter als 19 Jahre alt sein und nur ein Boot pro Land und Klasse stellen.

ISAF Youth Worlds

Das dänische 420er Crew hat Spaß bei den ISAF Youth Worlds in Portugal. © ISAF

Deutschland besetzte drei Disziplinen nicht mangels fehlender Qualität. Bei den Surfern und den SL16 fehlten die deutschen Farben. Auch deshalb fiel das Gesamtergebnis bescheiden aus. Allerdings ist das in der jüngsten Vergangenheit meistens so gewesen.

2013 landete das deutsche Team im internationalen Vergleich bei dieser Jugendregatta gar auf Rang 24. Davor waren es die Plätze 9, 15, 10. Die letzte Medaille (Bronze) gewann der Eckernförder Surfer Oliver-Tom Schliemann 2008. Er verzichtete auf eine olympische Karriere und ist inzwischen auf der World Cup Tour unterwegs.

ISAF Youth Worlds

Die Gold-Gewinner bei den ISAF Youth Worlds, © ISAF

In Tavira sorgten die 420er Frauen Theres Dahnke und Birte Winkel für das beste deutsche Ergebnis. Zur Hälfte der Regatta lagen sie auf Medaillenkurs, am Ende kam noch ein guter fünfter Platz heraus. Die übrigen deutschen Platzierungen: 420 M 12., 29er 17., Laser Rad M 14., Laser Rad F 7.

Zu früheren Gewinnern der Youth Worlds gehören Russell Coutts (NZL), Dean Barker (NZL), Ben Ainslie (GBR), Robert Scheidt (BRA) und Iain Percy (GBR). An der Spitze der Nationenwertung liegen jeweils die Länder, die auch bei Olympia den Ton angeben. Das könnte darauf hinweisen, dass diesem alljährlichen Höhepunkt des Jugendsegelns zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Hat die Arbeit des Sailing Team Germany noch überhaupt keinen Effekt an der Basis? Das schlechte Abschneiden in der Nationenwertung hat aber wohl weniger mit unterdurchschnittlichen Einzelplatzierungen zu tun als der Nichtbesetzung dreier Klassen. Darüber muss man sich wohl Sorgen machen.

Die Surfdisziplin ist tot in Deutschland. Nach dem Abgang von Moana Delle hält nur noch Toni Wilhelm auf internationalem Niveau die deutsche Fahne hoch. Die ISAF WM zeigt, dass niemand nachkommt.

Und ähnlich ist die Situation bei den Katamaranen. Für Olympia ist der Schnellzug verpasst worden. In der jungen Nacra 17 Olympiaklasse sind die 29er Talente Kohlhoff/Werner zwar hoffnungsvoll gestartet, es dürfte für sie aber schwer werden, bis 2016 die Weltspitze zu erreichen.

Dabei gibt es durchaus internationale Erfolge in den Jugendklassen. Aber möglicherweise werden diese Medaillen medial zu wichtig bewertet. Es ist an der Zeit, dass die ISAF Youth Worlds von den deutschen Segel-Gremien ernst genommen werden. Denn hier segeln die besten. Und hier werden die Sieger gemacht.

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Carsten Kemmling

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8 Kommentare zu „ISAF Youth Worlds: Keine Medaillen für deutsche Boote – drei Klassen nicht besetzt“

  1. avatar jorgo sagt:

    Z.B. in den Katamaran-Klassen findet in Deutschland leider so gut wie überhaupt keine Nachwuchsförderung statt.
    Wenn man bedenkt, dass GER im Tornado über viele Jahre den Ton mit angegeben hat und etliche(wechselnde) Welt – und Europameister stellte ist das jetzt einfach nur traurig.
    Auch in der F 18 fehlt Nachwuchs. Wenn die Altmeister abtreten tut sich ein grosses Vakuum auf.
    Mit Erschrecken habe ich vernommen, dass die wenigen deutschen Hoffnungen bei den N 17 tatsächlich alle jeweils mit einem eigenen Trainer unterwegs sind!! Jeder kocht (köchelt) sein eigenes Süppchen.
    So kann das nichts werden.
    Bei den Franzosen kann man lernen, wie erfolgreich der Teamgeist die Klasse puscht. Bei Erfolg haben dann hinterher Alle etwas davon … auch die, welche bei Olympia “auf der Bank” sitzen bleiben müssen. Davor und danach gibt es doch jedes Jahr Meisterschaften die sich auch lohnen …. oder sehe ich das falsch!?
    Für die jungen Umsteiger Kohlhoff/Werner ist es nicht leicht. Immerhin habe ich letztes Jahr Paul meinen F 18 für sein Debüt im Kat geliehen. Würde mich freuen, wenn der Einstieg erfolgreich verläuft. Fehlendes Talent scheint nicht das Problem zu sein… .

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  2. avatar HeinAlfredo sagt:

    Der DSV hat eben kein Nachwuchskonzept! Im Surfen nicht und anderswo auch nicht. Und nur mit einer Opti-Nationalmannschaft wird es eben nichts! Um den Teeny und auch den OpenBic kümmert sich keiner, und das Geschehen in Opti B ist eine Talentvernichtungsmascheninerie, die sich keine andere Sportart erlauben kann!!!

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  3. avatar Franz sagt:

    Ich frage mich, welcher Effekt , der durch die Arbeit des STG an der Basis aufträte, gemeint ist?

    Sollen die jugendlichen Segler jetzt mehr Spaß am Segeln oder bessere Trainingsbedingungen durch’ s STG bekommen?

    Sind die wirklich schicken Jacken für die kids erstrebenswert? Das scheint wohl ein möglicher Grund zu sein, denn in Kiel kann man oft die zu klein gewordenen Optischwimmwesten an kräftigen Männern und grazilen Damen, die dem Opti längst entwachsen und wohl auch nicht mehr im STG sind, bewundern.

    Oder ist etwas ganz anderes gemeint?

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  4. avatar Tim sagt:

    Na da ist doch eine menge Effekt bein STG: Alle haben einen großen weißen Audi, ein paar der Segler haben sogar auch einen bekommen. Die haben allerdings noch nicht alle den Führerschein, da kann man doch nun wirklich nichts gegen machen.

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  5. avatar Christof sagt:

    Man kann eben nicht alles privatisieren.

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  6. avatar HW sagt:

    Das Thema Talentförderung begleitet den DSV, so lange ich mich mit dem Segeln und Jugendarbeit beschäftige (ca. 30 Jahre). Wie sollen wir es anpacken? Viele Talente haben die berufliche Karriere vorgezogen. Ein Ehrenamt gilt heute bei vielen Arbeitgebern als negatives Kriterium, G8, Ganztagsschule und ein Pflichtjahr im Ausland tun ein übriges. Das ist bereits vor vielen Jahren z.B. auf Jugendseglertreffen besprochen worden.
    Wenn der Leistungssport mit dem Ziel “Olympiasieg” in die Grundausbildung (Opti B) eingreift, dann haben wir hohe “DROP OUT” Raten. Wir müssen schauen, dass die Jugendlichen Spass am Segeln haben. Ob das STG das Allheilmitteil sein kann: ich glaube es nicht. Aber es ist gut, dass es diese Initiative gibt und über diesen Weg etwas bewegt wird.

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    • avatar HeinAlfredo sagt:

      Wie machen das dann Triathleten?? Oder Wasserballer?? Oder?? Oder?? Oder?? Wenn die “drop-out” Quoten zu hoch sind, müssen eben mehr Kinder gebunden werden. Das geht eben nur mit dem Optimist nicht. Dort ist doch der Weg zur DJüM so hart, das viele wieder aufgeben. Würde man diese frühzeitig in andere Klassen packen und mit Spaß und Freude weiter am Segeln halten, würde der Talentepool auch viel größer werden. Wer sich nur auf die Top Opti Segler konzentrieren tut, bekommt es eben nicht besser hin!!!

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  7. avatar Poppy sagt:

    Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, dass Vizeweltmeister (seit gestern) im Laser Radial während der Weltmeisterschaft in Polen keine Betreuung hat. Netterweise gibt es immer einen Trainer, die solchen Seglern helfen. Was ist das für eine Jugendpolitik? Auch wenn Landesverbände für die Jugend zuständig sind, ist der DSV doch der Dachverband. Das ist doch der Hammer, oder?

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