Island Race-Unglück: Ein Toter nach Yacht-Totalverlust durch Ruderschaden

Tragödie vor US-Küste

In den letzten zwei Jahren starben 10 Segler bei Regatten vor der Küste Kaliforniens. Eine offizielle Untersuchung soll nun für Klarheit und verbesserte Prävention sorgen.  

Nach tragischen Unfällen auf der „Aegean“ beim Ensenada-Race und zuvor auf der „Low Speed Chase“ beim Farralones-Race kam es am 8. März während des Island-Race vor der südkalifornischen Küste erneut zu einer Havarie mit tödlichem Ausgang.

Die „Uncontrollable Urge“, eine nagelneue 30“-Columbia-Karbonrennyacht sollte ihre erste Regatta segeln…

Das Schiff lief erwartungsgemäß gut in den Top Ten der Regatta, die sechs Mann Besatzung hatten bei 8“Fuss-Seegang und 15 kn Windstärke „gut zu tun“. In unmittelbarer Nähe zur unbewohnten Felseninsel San Clemente-Island – ein Wegpunkt der Regatta – ereilte die „Uncontrollable Urge“ ein Ruderschaden. Bis heute äußerte sich Skipper Gilmore über die Ursache noch nicht in der Öffentlichkeit. Tatsache ist, dass der Karbonrenner manövrierunfähig wurde und relativ rasch mit Strömung und Schwell in Richtung Felseninsel trieb.

Die “uncontrollable urge” vor dem Start zur Regatta © Newport Harbour YC

Lieber ohne Hilfe klarkommen

Gilmore meldete die Havarie um 21:30 h zunächst über die Regatta-interne Frequenz, worauf sich keiner der umliegenden Segler rückmeldete.

Seltsam: eine Konkurrenzyacht, die allerdings schon ein wenig weiter gekommen war, beschädigte beim Sonnenschuss nach verpatztem Spimanöver  ebenfalls ihre Ruderanlage. Auch diese Crew setzte einen „internen“ Notruf ab, der offenbar nicht beachtet wurde. Sie konnte sich per Notpinne aus der misslichen Lage befreien.

Die havarierte Besatzung versuchte, ihr Schiff aus eigener Kraft bzw. mit eigenen Mitteln vor der drohenden Insel zu retten, wohl in der Hoffnung, später das Ruder irgendwie reparieren und schließlich weiter segeln zu können.

Doch der Versuch, mittels Anker die Situation in den Griff zu bekommen, scheiterte. Der offenbar nicht ausreichend lange Kettenvorlauf ließ den Anker slippen, die Yacht trieb in Richtung San Clemente-Island.

Lebensgefährliche Eilande

Auf diesen Felseninseln vor der kalifornischen Küste trifft auch bei eher ruhiger Wetterlage mitunter ein beeindruckender Schwell. Ein Überleben an den Felsen ist im Prinzip ab einem Seegang von 5“ kaum möglich. Die einzige Chance für Schwimmer oder eben Schiffsbrüchige wäre ein Anlanden an den sehr engen, mitunter kaum einsehbaren Strandbereichen oder auf seltenen, fast ebenen Unterwasserfelsen.

Tatsächlich verließen die sechs Besatzungsmitglieder im Stockdunkeln gegen 23:00h auf Höhe der ersten, sich brechenden Wellen vor der Insel das Schiff, nachdem sie vergeblich versucht hatten, eine Rettungsinsel zu aktivieren. Fünf Personen erreichten die Felsen schwimmend und unverletzt. Der 36jährige Craig Thomas Williams, verheiratet, Vater eines kleinen und eines noch ungeborenen Kindes, trieb etwa 30 Minuten später tot an die Inselküste. Es ist noch nicht geklärt, ob Williams ertrank oder an den Felsen zerschmettert wurde.

Nachtaufnahme der havarierten Uncontrollable Urge © US-Coast-Guard

Wie kann das verhindert werden?

Erst kurz vor Verlassen des Schiffes setzte die Besatzung ein SOS ab, worauf die Küstenwache sofort einen Rettungshubschrauber zum Unglücksort schickte. Die Mediziner an Bord konnten, nach dem Abseilen auf die Insel, nur noch den Tod des Familienvaters feststellen.

Die fünf überlebenden Besatzungsmitglieder der „Uncontrollable Urge“ wurden von der Insel abgeborgen und in ein Krankenhaus auf dem Festland geflogen.

Die nun von „US Sailing“ (US-Seglerverband) eingesetzte Untersuchungskommission soll vor allem klar stellen, wie derartige Tragödien in Zukunft verhindert werden können. Jetzt schon scheint festzustehen, dass sich die Besatzungen grundsätzlich zu nahe an die Wegepunkt-Inseln heran wagen, um noch ein paar Grad Höhe zu kneifen oder um waghalsige Abkürzungen zu fahren. Bleibt abzuwarten, ob die Kalifornier in Zukunft nur noch virtuelle Wege- und Wendemarken auf offener See für ihre Regatten nutzen.

 

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Michael Kunst

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5 Kommentare zu „Island Race-Unglück: Ein Toter nach Yacht-Totalverlust durch Ruderschaden“

  1. avatar Kersten sagt:

    …ich frage mich immer, warum Schiffbrüchige dass verlassen was ihnen am meisten Sicherheit gibt – ihr Schiff. In den meisten Fällen findet man schwimmende Wracks und die Mannschaft treibt Tod im Meer. Ich war glücklicherweise noch nie in der Situation aber wenn ich mir vorstelle was ich machen würde, klammer ich mich doch solang es geht an das was schwimmt.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 7 Daumen runter 5

    • avatar Oh, nass is sagt:

      Die haben sicher alle Titanic gesehen.

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 16

      • avatar gehts noch? sagt:

        @”oh nass is” auch wenn sich von den betroffenen niemand wohl jemals auf diese seite hier verirren wird sollte man trotzdem einen gewisse grenze einhalten und hier nich so ne bescheuerten witzig gemeinten kommentare abgeben, irgendwann hört der spaß auch einfach mal auf.

        Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 23 Daumen runter 5

        • avatar Oh, nass is sagt:

          Die Antwort bezog sich auf den Beitrag der Vorposterin, der meiner Wahrnehmung nach eher allgemein angedacht war. Hatte auch den Bericht gar nicht gelesen, sondern direkt auf den Kommentar geklickt und spontan geantwortet beim Durchzappen, sorry.

          Kann man sich verkneifen, keine Frage! 😉

          Aber ne Staatsaffäre muß man jetzt auch nicht draus machen. 🙂

          Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 7

  2. avatar Holger S. sagt:

    Eine schreckliche Tragödie! Vielleicht möchte ja der eine oder andere die Familie unterstützen.
    http://www.youcaring.com/memorial-fundraiser/Honor-the-memory-of-Craig-Williams-husband-father-and-friend/46040

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 1

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