J/70-Skandal: Harte Strafen für erwischte Kiel-Sünder – Ex-Europameister ein Jahr gesperrt

Am Pranger

Die internationale J/70-Klasse macht Ernst beim Kampf gegen unerlaubte Kiel-Modfikationen. Sechs Bootseigner, die bei der WM-Vermessung in Porto Cervo erwischt und zur Meisterschaft nicht zugelassen worden waren, werden mit Sperren belegt.

Carlo Alberini

Carlo Alberini hat seine J/70 im Griff. © Fabio Taccola/Alcatel

Carlo Alberini, einer der frühen Dominatoren in der am schnellsten wachsenden Kielboot-Einheitsklasse aller Zeiten J/70, hatte noch nach dem Kiel-Skandal bei der legendären 171-Boote-WM in Porto Cervo erklärt: “Ich werde so früh wie möglich zurückkehren, um der Klasse zu zeigen, dass nicht vermeintliche Tricks den Unterschied ausmachen, sondern harte Arbeit. Wir haben an mehr Regatten teilgenommen, als jeder andere.”

Aber diese Rückkehr des ersten J/70 Europameisters mit dem Schnauzbart  muss nun erst einmal warten. Er ist von der internationalen Klassenvereinigung (IJ70CA) ab dem 1. Dezember 2017 für ein Jahr gesperrt worden wegen “bewusster Regelübertretung” und/oder “unsportlichem Verhalten.”

Carlo Alberini

Alberini siegte auch vor Key West in der US-Flotte. © Calvi Network

Alberini ist der prominenteste Name auf einer Liste mit sechs bestraften Eignern. Deutschen Seglern ist er bekannt, seitdem er bei der EM 2016 als Topp-Favorit anreiste und sich dann lautstark und mithilfe zahlreicher Proteste über die Wettfahrtleitung beschwerte, nachdem er mehrfach wegen Frühstarts disqualifiziert worden war.

Später prangerte er per Facebook vermeintlich regelwidrige Manöver deutscher J/70-Crews an, nicht wissend, dass es sich dabei um Segelbundesliga-Trainings handelte. Dabei unterscheiden sich die Regeln zur Crew-Positionierung.

Weitere Strafen für WM-Sünder

Über die Entscheidungen hat aktuell die IJ70CA per Pressemitteilung informiert. Die WM-Sünder, die 2017 bei der legendären 171-Boote-WM vor Sardinien nicht starten durften, sind mit weiteren Strafen belegt worden.

Darunter befindet sich  auch Mascalzone-Latino-Junior Achille Onorato, der Sohn vom Reeder Vincenzo, der 2007 ein viel beachtetes sympathisches America’s Cup Projekt startete und sich danach sogar kurze Zeit Challenger of Record war. Der Vater wollte ebenfalls in Porto Cervo die WM segeln, reiste aber aus Protest ab und brachte danach in einer wortreichen Stellungnahme seine Meinung zum Ausdruck, dass es sich um ein Komplott handeln würde. Nun ist sein Sohn für vier Monate gesperrt worden.

Das unterschiedliche Strafmaß mag mit der vermuteten geringeren Beteiligung an der Kiel-Modifikation zusammenhängen. Üblicherweise kümmern sich die Eigner wenig um die Vorbereitung der Boote durch die beauftragten Profis. Deshalb ist dieser Fall besonders brisant, weil der italienische Super-Profi Francesco Bruni für Onorato engagiert war, der nun das Luna-Rossa-America’s Cup-Team zum Erfolg skippern soll.

Klingende Profi-Namen gehören dazu

Auch bei dem für vier Monate gesperrten Eigner Mauro Mocchegiani war mit dem 470er-Doppel-Olympioniken Matteo Ivaldi einer der klingendsten Namen der italo-Profi-Szene gebucht. Für den Russen Alex Semenov arbeitete der portugiesische North-Sails-Experte und mehrfach Weltmeister (J/80, SB20) Hugo Rocha. Semenov kam allerdings mit einer Verwarnung davon. Er solle gewissenhafter dafür sorgen, dass sein Material den Regeln entspricht.

Die härteste Strafe der Klassenvereinigung trifft den Italiener Alessio Querin. Er hatte noch die renommierte Sportzeitung Gazetta dello Sport in Bezug auf die Berichterstattung über den Porto-Cervo-Eklat zu einer Gegendarstellung veranlasst. Das in der Vermessung beanstandete Boot ITA 922 befinde sich gar nicht in seinem Besitz, sondern sei im Juli verkauft worden. Aber die Untersuchungen, zu denen keine Details preisgegeben wurden, haben wohl etwas anderes ergeben. Querin ist nun jedenfalls gleich für zwei Jahre von J/70 Regatten ausgeschlossen worden.

 

Die J/70 Klasse ist unfassbar schnell gewachsen. Auch wegen der Hoffnung, dass unbehandeltes neues Material ausreicht, um erfolgreich sein zu können. In anderen Einheitskielbootklassen werden teure Nachbehandlungen in der Werft teilweise geduldet und sind somit für Erfolge zwingend erforderlich.

Auch beim Hersteller gibt es Versäumnisse, die zu unterschiedlich konkurrenzfähigen Schiffen führen. Aber nach diesem Signal von der J/70 Klassenvereinigung wächst nun die Hoffnung, dass der Weg harter Bestrafungen fortgesetzt wird, um Manipulationen Einhalt zu gebieten.

Carlo Alberini bei einem älteren Interview:

Am Pranger

Carlo Alberini: owner of hull #949, Class membership is suspended for 12 (twelve) months commencing on 1 December 2017
Claudio Dutto: owner of hull #922, has been warned that although the Executive Committee did not suspend his membership, he needs to be more diligent that his boat is in compliance with the Rules at all times
Mauro Mocchegiani: owner of hull #1088, Class membership is suspended for 4 (four) months commencing on 1 December 2017
Alessandro Molla: owner of hull #570, Class membership is suspended for 4 (four) months commencing on 1 December 2017
Achille Onorato: owner of hull #1269, Class membership is suspended for 4 (four) months commencing on 1 December 2017
Alessio Querin: former owner of hull #922, Class membership is suspended for 24 (twenty four) months commencing on 1 December 2017
Marco Salvi: owner of hull #910, Class membership is suspended for 12 (twelve) months commencing on 1 December 2017
Alexey Semenov: owner of hull #667, has been warned that although the Executive Committee did not suspend his membership, he needs to be more diligent that his boat is in compliance with the Rules at all times

In addition to the suspensions, the following boats have had their Manufacturers Declarations withdrawn and are not permitted to sail in J/70 events until the boats are inspected and corrected by the Licensed Manufacturer.

Hull/sail #949 owned by Carlo Alberini
Hull/sail #1269 owned by Achille Onorato
Hull/sail #570 owned by Alessandro Molla
Hull/sail #910 owned by Marco Salvi
Hull/sail #667 owned by Alexey Semenov

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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