Jörg Riechers über die Ups and Downs beim Barcelona World Race

"Sie dominieren nach Belieben"

Loick Peyron und Jean Pierre Dick haben nach dem Ausfall von Michel Desjoyeaux keine Mühe, das Rennen zu beherrschen. © FNOB

Seit sieben Wochen sind die Barcelona-World-Race-Skipper auf dem Meer. Es hat sich mit dem Eintauchen der Boote in den Southern Ocean eine gewisse Hackordnung etabliert. Wie zu erwarten, dominiert „Virbac Paprec“ das Feld nach Belieben. Ja, sie können sich sogar den Luxus leisten, auch mal den Fuß vom Gas zu nehmen, weil sie wissen, dass  sie  ihren Vorsprung locker wieder ausbauen können.

Hinter „Virbac Paprec“ liefern sich „Mapfre“ mit den beiden 49er Assen Iker Martínez und Xabi Fernández und Estella Damm mit Alex Pella und Pepe Ribes ein spannendes Rennen um Platz 2. Diese Teams sind meiner Meinung nach die Entdeckung dieses Rennens.

Obwohl beide erst seit relativ kurzer Zeit Open 60 segeln, machen sie den Altmeistern ganz schön Dampf. Wenn man sich allerdings die CV´s der beiden Teams ansieht, wird schnell klar, warum sie so weit vorn sind.

Iker Martínez und Xabi Fernández dominieren seit Jahren die 49er Klasse und haben jeweils schon zwei Volvo Ocean Races gesegelt. Der Co Skipper von Alex Pella – Pepe Ribes-  hat sogar drei Volvo Ocean Races auf dem Buckel. Alex Pella war von 2003 bis 2007 einer der besten Mini Segler. Das bestätigt eindrucksvoll, dass der Mini- und Figaro-Circuit gute Grundsteine für die Einhandkarriere sind.

Hinter den beiden versucht die „Groupe Bel“ den Anschluss an eine Podiumsplatzierung zu halten. Allerdings mit einem Handicap! Kito de Pavant hat wirklich kein Glück. Erst bricht er sich eine Rippe und dann verliert er innerhalb von zwei Tagen zwei sehr wichtige Segel. Die große Frage für ihn wird jetzt sein, ob sich ein Pit-Stopp in Wellington lohnt.

Das Problem dabei ist, dass mit dem Verlassen des Indischen Ozeans jeder Pit-Stopp mit einer Zwangspause von 48 Stunden verbunden ist. Das würde ca. 600 Meilen kosten – und mit den limitierten taktischen Optionen durch die vielen Eisgates ist es schwer, die Meilen wieder aufzuholen.

Ich denke, dass er versuchen wird, sich durch den Pazifik zu hangeln und die Verluste so gut es geht zu minimieren, um dann auf dem Rückweg durch den Atlantik angreifen zu können. Der Weg vom Kap Hoorn zum Äquator ist taktisch immer sehr anspruchsvoll. Wenn er am Kap Horn nicht mehr als 300 bis 400 Meilen hinter „Mapfre“ und „Estrella Damm“ liegt, ist für ihn noch alles drin.

Renault segelt taktisch gesehen ein wenig in der Mitte von nirgendwo auf Platz fünf, hat allerdings noch das Glück, so gerade eben im gleichen Wettersystem zu sein wie „Mapfre“, „Estrella Damm“ und „Groupe Bel“.

ONSAILCTM
Das sollte auch der Ansporn von „Renault“ sein, den Fuß immer schön auf dem Gas zu lassen. Sollten sie einmal ein Wettersystem zurückfallen, wird es schwer, den Anschluss zu halten und vielleicht doch noch auf dem Podium zu landen.

Denn genau dieses Problem haben „Mirabauld“ und „Neutrogena“: Zwischen ihnen und den ersten fünf liegt ein ganzes Wettersystem. Dieses zu überspringen, ist schier unmöglich. Es sei denn, man sitzt auf einem Super Trimaran wie „Groupama“ oder „Banque Pop“.

Trotzdem liefern sich die beiden ein spannendes Rennen. Eines, bei dem der alte Fuchs Dominique Wavre irgendwie immer die Oberhand behält. Ganze sechs Round-the-World-Races bringen hier einen Erfahrungsvorteil. Zwar gelingt es „Neutrogena“ besser, erbarmungslos zu pushen. Wenn es allerdings taktisch kompliziert wird, schlägt die Stunde von Dominique Wavre. Dann nimmt er „Neutrogena“ auch mal 80 Meilen innerhalb von 24 Stunden ab.

Hinter den beiden ist die wiedererstarkte „Hugo Boss“ gerade dabei, die „Gaes“ von Dee Caffari zu überholen. Wobei ich sagen muss, dass Dee Caffari für mich die Enttäuschung des Rennens ist. Es ist mir rätselhaft, wie man ein so schnelles Boot so langsam und taktisch hilflos um die Welt segeln kann. Wenn sie so weiter macht, muss sie sogar noch damit rechnen, dass sie von einem der Nachzügler überholt wird.

„Hugo Boss“ macht seit gut zehn Tagen einen super Job. Kompliment! Trotz all der Probleme, die sie mit ihrem Großsegel hatten, kämpften sie sich wieder heran ans Feld. Vielleicht schaffen sie es sogar noch, an „Mirabaud“ und „Neutrogena“ heranzukommen.

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2 Kommentare zu „Jörg Riechers über die Ups and Downs beim Barcelona World Race“

  1. avatar NK sagt:

    Mit Alex an Bord wäre Hugo Boss vielleicht sogar schon weiter (oder das Material hin)….

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    • avatar stefan sagt:

      …hmm, mit Alex an Bord ist das Boot (die Boote der Vergangenheit) doch noch nie so weit gekommen…. 😉

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