Route du Rhum gestartet. “Mare.de” im Mittelfeld

Jörg Riechers: Mit Musik und ohne Wolfgang Petri

Von Carsten Kemmling/Konrad Kubisch/Boris Herrmann (Fotos)

Die deutsche Class40-Yacht "Mare.de" von Jörg Riechers beim Shooting vor dem Start zur Rhoute du Rhum. © Riechers/Mare

Die Route du Rhum verspricht eine der spannendsten Offshore Regatten dieser Saison zu werden. Dabei wird es besonders interessant sein, Jörg Riechers Premiere in der starken Class 40 mit 44 Startern zu verfolgen.

Nach dem Start am Sonntag konnte der Hamburger zwar zuerst den Speed der absoluten Spitze nicht halten. Mit Platz 19 am Ende des Tages hält er sich aber wacker im Mittelfeld der starken Flotte auf. Er selbst liebäugelt mit einem Platz unter den Top Ten, „wenn alles sehr gut läuft.“

Aber es ist schwer, seine Chancen einzuschätzen. Denn in der jungen Klasse es gibt noch keine gewachsene Hierarchie. Riechers hat ein gutes Boot gechartert, und die überaus erfolgreiche Saison mit seinem Mini 6.50 gibt ihm Selbstvertrauen. Aber nun trifft er auf einige Schwergewichte der Einhand-Szene.

Klarer Favorit ist der Franzose Nicolas Troussel (36), der sich mit neun Figaro Solitaire Regatten und zwei Siegen in der härtesten Einhand Szene bewiesen hat. Sein brandneuer Pogo S2 ‘Credit Mutual de Bretagne’ gehört zu den schnellsten Konstruktionen im Feld. Und mit sieben Atlantik-Überquerungen bringt er jede Menge navigatorische Erfahrung mit. Troussel will sich mit einem Sieg für die Vendee Globe 2012 anbieten.

Troussel hat sich auch erwartungsgemäß sofort an die Spitze gesetzt nach einem langen Zweikampf mit der Einhand-Legende Sam Manuard. Der Mini 6,50 Spezialist, der das Mini Transat schon mehrfach mit eigenen Designs dominierte, hat sich erstmals einen Class 40 konstruiert und zeigt sofort das erwartete Potenzial.

Dahinter hat sich der Schweizer Bernhard Stamm viel vorgenommen, der 2008 als einer der Mitfavoriten der Vendee Globe das Rennen aufgeben musste. Für 2012 baut er schon einen neuen Open 60 bei der Alinghi Werft Décision S.A konstruiert vom Star Designer Juan Kouyoumdjian. Den Ausflug in die Class 40 dürfte er eher als Training ansehen. Nach dem ersten Tag liegt er in der Spitzengruppe auf Platz fünf.

Interessant dürfte der Auftritt des Briten Pete Goss werden, dem ehemaligen Skipper des Mega Kats „Team Phillips“. Goss versucht sich nach vielen Jahren der Abwesenheit erneut im Offshore Profi Zirkus. Ihm werden keine großen Chancen eingeräumt. Zu Beginn liegt er auf Platz 26 einen Rang hinter dem Deutsch Schweizer Axel Strauss, der sich für seinen Anspruch bisher hervorragend schlägt.

Jetzt geht es für die Teilnehmer darum, einen guten Schlaf-Wach-Rhythmus zu finden und einen geregelten Ablauf zu etablieren. Für Jörg Riecher gehört Musik dazu.

Er schreibt auf seiner Website: „Das wichtigste “Werkzeug” aber, das um Gottes Willen nicht fehlen darf, ist mein MP3-Player. Der lindert den Stress vor dem Start und macht auf See die Geräuschkulisse erträglich. Ehrlich, es ist kaum zu glauben, wie laut ein modernes Rennboot wie unsere mare. de bei viel Wind sein kann.

Und es gibt noch einen Grund, warum mein MP3-Player nicht fehlen darf. Er verhindert die ungeliebten Halluzinationen im Ohr. Eine Folge des Schlafmangels. Auf meiner ersten Einhand-Regatta hörte ich plötzlich italienische Opern. Wie verrückt suchte ich nach einem Knopf, um die abzustellen. Bis ich merkte, die Musik ist nur in meinem Kopf. Übrigens die Opern waren noch erträglich. Auf der nächsten Regatta verfolgte mich Wolfgang Petri mit “Hölle, Hölle, Hölle”…

Die  Experten glauben, dass diese Auflage der Route du Rhum  nicht so heftig wird wie 2002, als es mit bis zu 80 Knoten blies, und über die Hälfte der Yachten aufgeben mussten. . Die in der Biskaya oft stürmische Herbstwinde werden dieses Jahr nicht erwartet. Es sollen eher mäßig starke Winde wehen. Entsprechend wird ein technisch anspruchsvolles Rennen erwaret.

Etwa 20 Tage dürfte die Überfahrt in Riechers Bootsklasse dauern, schneller unterwegs werden die Maxi-Trimarane in der Kategorie “Ultime” sein, Trimarane bis zu 32 Metern, die Geschwindigkeiten von über 40 Knoten erreichen. Gleich nach dem Start setzte sich die “Groupama 3” des Franzosen Franck Cammas deutlich ab. Nach einem Schlag Richtung Land wechselte aber die virtuelle Führung.

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Route du Rhum gestartet. “Mare.de” im Mittelfeld“

  1. avatar H. Klausen sagt:

    Schöner Beitrag!!! Danke

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