Zielstrebige Reha und eiserner Wille führt zur 470er IDM

9 Wochen nach OP wieder am Start

Endlich wieder an der Pinne: Malte Winkel © Sören Hese

Endlich wieder an der Pinne: Malte Winkel © Sören Hese

Nach einem Kreuzbandriss Ende Mai schien die Saison für Malte Winkel beendet, der Traum vom großen Erfolg im 470er geplatzt. Doch gab der 21-Jährige nicht auf und arbeitete gezielt an seiner Rehabilitation. Nur neun Wochen nach der OP saß er wieder im Boot … und wurde mit seinem Vorschoter Vierter und bestes Juniorenteam bei der IDM der 470er Anfang Oktober. Kein Fall von Wunderheilung oder medizinischem Zauber, sondern von Zielstrebigkeit und eisernem Willen.

„Fußball macht mir Riesenspaß und ohne das runde Leder fehlt mir etwas in meinem Leben!“ gibt der sportliche Schweriner zu. Doch immer steht für den Lehramtsstudenten das Segeln eindeutig an erster Stelle. Opti, 420er, jetzt 470er, die klassische Karriere ist von Erfolg begleitet. Malte Winkel wird Deutscher Meister im Opti, zweimal NDR-Segeltalent und nimmt erfolgreich an mehreren Europa- und Weltmeisterschaften im 420er teil. 2008 dann der erste Kreuzbandriss. Nach einer langen und zermürbenden Verletzungspause geht es endlich wieder auf die Regattabahn: 5. bei der Deutschen in Tutzingen gemeinsam mit Lucas Thielemann.

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Eine Crew mit großen Ambitionen und Potential © Sören Hese

„Ich habe immer gehofft, damit bin ich jetzt durch, so etwas passiert nicht noch einmal, denn die Genesung hat mir wirklich alles abverlangt.“ Doch dann der 26. Mai 2013. „Ich bestritt für meinen Verein, den SV Plate, ein wichtiges Spiel. In der 15. Minute gab es einem unglücklichen Zusammenstoß mit einem gegnerischen Spieler –  er ist mir voll ins Knie gelaufen ist. Während ich im Fallen war, wusste ich bereits, dass es um mein Knie geschehen war“, erinnert sich Malte noch genau. Der Besuch beim Arzt bestätigt die Ahnung, der Frust sitzt tief.

„Doch mein Vorteil war, dass ich wusste, was jetzt wieder auf mich zukommen würde.“ Und er nutzt diesen Vorteil, fängt schon vor der OP mit isometrischem Krafttraining und regelmäßigem Schwimmen an, um fit zu bleiben und nach dem Eingriff muskulär nicht zu stark abzubauen. „Das ewige Stillliegen und die Schmerzen nach der OP waren die Hölle, mein Kreislauf spielte verrückt“, erinnert sich der bewegungsfreudige Athlet … und beginnt schon früh wieder zu trainieren. „Sobald ich mich schmerzfrei bewegen konnte, fing ich mit Bewegungsübungen an, schnell bauten sich meine Muskeln wieder auf.“ Sein Ziel, zur IDM der 470er Anfang Oktober wieder fit zu sein, hat er klar vor Augen. „Immer wenn ich am liebsten einfach die Decke über den Kopf ziehen wollte trieb mich dieses Ziel wieder an. Ich habe mir gesagt, es ist passiert und ändern kann man daran nichts, so sehr man es sich auch wünscht aber das was kommt, das werde ich beeinflussen und wenn ich dann wieder segeln kann, werde ich mich bei mir für diese Zeit bedanken“, reflektiert Malte.

Das Dreamteam: Malte Winkel (re) und Matti Cipra © Friedrich Bungert

Das Dreamteam: Malte Winkel (re) und Matti Cipra © Friedrich Bungert

Auch für seinen Partner im Boot, Vorschoter Matti Cipra, war der Unfall ein derber Rückschlag. Erst seit Anfang des Jahres saßen die beiden Segeltalente aus MV zusammen im 470er und hatten das Gefühl, sich endlich als Dreamteam gefunden zu haben. Doch aus der Not wurde eine Tugend: zur Kieler Woche ging Matti als Vorschoter von Florian Dziesiaty an den Start, die Juniorenweltmeisterschaft segelte er erfolgreich mit Julian Autenrieth ….und wurde Vizejuniorenweltmeister!

Der September neigt sich dem Ende, die IDM auf dem Wannsee kommt immer näher. „Meine Trainer haben mir von der Teilnahme abgeraten, sie meinten, ich soll nicht noch Schlimmeres riskieren, auch von der Physio gab es keine Zustimmung. Da ich meinen Körper aber sehr gut kenne, habe ich es trotzdem gewagt. Meine Eltern und mein Heimtrainer Ekkehard Schulz haben mir auch den Rücken gestärkt – sie wussten, dass ich ansonsten andere Sachen machen würde, die nicht ungefährlicher sind.“

Die große Frage: Hält das Knie der Belastung stand? © Sören Hese

Die große Frage: Hält das Knie der Belastung stand? © Sören Hese

Nach vier Monaten ohne Wassertraining geht es dann vor der Meisterschaft zweimal raus. „Ich habe erst einmal nur gehofft, dass mein Knie durchhält und wir auf dem Wannsee nicht zu starken Wind bekommen.“ Dass es dann so gut läuft, daran hat keiner geglaubt – der 4. Platz und beste Juniorenteam ist ein Riesenerfolg: „Das Segeln hat einfach nur wahnsinnig Spaß gemacht – für mich war es allerdings doppelt schön, da ich mein Ziel, überhaupt dabei sein zu können, erreicht habe,“ bilanziert Malte glücklich.

In den kommenden Wochen werden sie nun fleißig weiter zusammen trainieren, um Versäumtes nachzuholen. Noch hofft Malte auf den Kaderstatus, den er verletzungsbedingt bei der JWM nicht nachweisen konnte, Unterstützung erhoffen sich die beiden auch von Sponsoren. Ihr nächster großer Auftritt ist dann beim International Christmas Race vor Palamos in Spanien. „Wir möchten uns für die Weltmeisterschaft in Santander 8.-21. September 2014 qualifizieren und müssten dann bei den Weltcups in Palma und Hyères im Frühjahr 2014 zu den vier besten deutschen Teams gehören“, formulieren sie mutig und selbstbewusst ihre Vorstellungen von der Zukunft, in der ganz hinten am Horizont die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 auftaucht …

Steckbrief Malte Winkel
Geb.: 13.11.1993
Aufgewachsen in einem Dorf in der Nähe von Schwerin
Heimatverein: Schweriner-Yacht-Club (SYC)
Segelt seit 2000 (bis 2007 Opti, 2007-2011 420er, seit 2011 470er)
Seit 2012 Studium in Kiel, Mathe und Sport (Lehramt),
3. Semester

Steckbrief Matti Cipra
Geb.:02.04.1993
Aufgewachsen in Wismar
Heimatverein: Plauer Wassersportverein (PWV)
Segelt seit 2000 (bis 2007 Opti, 2007-2010 420er, 2010-2011 470er, anschließend 420er und F18)
Seit 2011 Studium in Kiel, Wirtschaftsinformatik, 5. Semester

Stärken
Gute Freunde nicht nur auf dem Wasser, auch an Land.
Gleicher seglerischer Background, sehr ähnliches Segelverständnis.
Sehr ambitioniert, hohes Selbstvertrauen
Versuchen mit viel Ehrgeiz, gesteckte Ziele zu erreichen

Ziel
Olympische Spiele 2020

Emailkontakt der Crew

Spenden
https://northsails.com/sailing/de/

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