Jules Verne Trophy: Spindrift kaum gebremst durch Doldrums – Gegner IDEC zurecht gelegt

Auf den Gegner gelauert

 

Spindrift ist mit über 300 Meilen Vorsprung in die Doldrums gerast. Die notorische Flautenzone scheint diesmal eine schnelle Passage zu gewähren. IDEC mit Boris Herrmann hat Schwierigkeiten zu folgen.

Spindrift

Professionelle Kommunikation auf Spindrift. Mit Kopfhörer auf dem Vorschiff. ©Yann Riou | Spindrift racing

Eigentlich liegt Boris Herrmann beim Rennen um den Jules Verne Rekord ja gar nicht so schlecht im Rennen mit IDEC. Gut 200 Meilen hat er dem fiktiven Gegner abgenommen. Aber die Leistung verblasst angesichts des Speeds, den der reale Gegner Spindrift vorlegt.

Obwohl gut zwei Stunden später gestartet, ist der neun Meter längere Trimaran längst am roten Boot vorbei gezogen und spielt seine offensichtliche Überlegenheit aus. Nichts besseres hätte Guichard und Bertarelli passieren können, als dass Joyon im gleichen Wetterfenster lossegelt.

IDEC

IDEC ist flott unterwegs aber langsamer als Spindrift. © Jean Marie Liot / DPPI / IDEC

Man muss sich fragen, warum der erfahrene Einhand-Rekord-Segler sich auf dieses Spiel eingelassen hat. Für die Segelfans ist es toll, dass beide Boote gleichzeitig um die Erde rasen. Aber für das ältere und kleinere Schiff mit Boris Herrmann ist es unglücklich, sich quasi im Bord-an-Bord-Duell behaupten zu müssen.

Das Spindrift Team lauerte

IDEC liegt rund 200 Meilen vor dem Rekord

IDEC liegt rund 200 Meilen vor dem Rekord

Mit ein wenig zeitlichem Abstand nach vorne oder hinten hätte das Glück eine größere Rolle gespielt und IDEC wäre in der Lage gewesen, ein schnelleres Wettersystem zu erwischen. So aber haben die Spindrift Strategen offenbar genau darauf gelauert, sich den Gegner zurecht zu legen.

Sie warteten bis Joyon lossegelt, um möglichst schnell danach selber zu starten. Bei IDEC hatte man einige Stunden früher als bei Spindrift von einem Start im “kommenden” Wetterfenster gesprochen hat. Erst als IDEC auf Code Vert ging, also grünes Licht gab, kam auch die Startankündigung von Spindrift. Natürlich hätte IDEC dann wieder zurückziehen können… aber ob der Sponsor so viel Spielraum gegeben hätte, nachdem schon alles angekündigt war?

Spindrift findet offenbar sehr guten Wind in der notorischen Flautenzone und fürhrt it 244 Meilen.

Spindrift findet offenbar sehr guten Wind in der notorischen Flautenzone und fürhrt it 244 Meilen.

Das von Dona Bertarelli finanzierte Spindrift Projekt ist da deutlich unabhängiger. In der französischen Szene gilt das Spindrift Projekt zudem als eines der am üppigsten finanzierten. Die besten Spezialisten gehören dazu, und es heißt, dass die Mitarbeiter gut dreimal so viel verdienen wie in anderen Rennställen.

Wenn andere Teams für Überführungsfahrten rund 350 Euro am Tag gezahlt werden, werden es bei Spindrift schon mal 1000 Euro. Entsprechend handverlesen ist die A-Crew für den Rekordversuch.

Guichard schätzt dabei insbesondere hochklassige Steuerkünste. Denn jeweils nach rund 45 Minuten wird der Steuermann gewechselt. Die Konzentration komme dann an die Grenzen. Bei 14 Mann kann er sich das leisten. Die Belastung für die Joyon Crew ist dagegen deutlich höher mit nur sechs Männern an Bord.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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3 Kommentare zu „Jules Verne Trophy: Spindrift kaum gebremst durch Doldrums – Gegner IDEC zurecht gelegt“

  1. avatar stefan sagt:

    Spindrift hat in den Doldrums auch ordentlich Federn gelassen. Bis auf 210nm war der Vorsprung geschrumpft. Aktuell haben sie sich etwas gerappelt und liegen 240nm vorn.

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    • avatar Käptn Brassman sagt:

      Komisch, wenn der virtuelle Gegner noch in den Tradewinds ist….

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  2. avatar wolfram sagt:

    Spindrift 2 ist ja nun mal der FC Bayern und klarer Favorit, aber Idec Sport hält sich bis dato hervorragend. Das hätte ich so nicht gedacht. Go Idec Go!!!!!
    Aber selbst, wenn das Ganze nur Zahlen auf meinem Monitor sind, so lassen die absolvierten Meilen einem den Mund offen stehen. Absolut faszinierend.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

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