Kapstadt-Rio-Race: Angolaner-Crew abgeborgen – Soldini kritisiert Startzeit

Das Auge des Sturms

Nach der Unglücksnacht beim Kapstadt-Rio-Race mit einem Todesfall sehen  sich die Veranstalter harscher Kritik ausgesetzt. Es steht die Frage im Raum, warum es keine Startverschiebung gegeben hat.

Sturm, Kapstadt Rio

Die Sturm-Zelle beim Kapstadt-Rio-Race. © Cape2Rio

Giovanni Soldini, Skipper der führenden Volvo 70 Yacht “Maserati” bekundete seine Bestürzung über den verunglückten Segler aus Angola und Unverständnis über die Startzeit. Das Tiefdruckgebiet mit 50 bis 60 Knoten Wind sei lange Zeit vorhergesagt worden. “Bei dieser Cape2Rio-Flotte mit kleinen Fahrtenyachten, die ungenügend für einen solch heftigen Sturm vorbereitet sind, wäre es wohl besser gewesen, den Start zu verschieben”, sagt Soldini.  Auch wenn es im Rückblick immer einfacher sei, solche Entscheidungen zu beurteilen.

Andere Stimmen weisen darauf hin, dass selbst den höher professionalisierten Feldern beim Transat Jacques Vabre und beim Mini Transat im Herbst 2013 lange Wartezeiten auferlegt wurden, um einer besonders heftigen Sturmlage aus dem Wege zu gehen.

Antonio+Joao+Bartolomeu+-+Bille

Antonio Joao Bartolomeu aus angola verunglückte beim Kapstadt-Rio Race auf der Bavaria 54 “Bille”. © Angola Cables

Das Leben des Seglers aus Angola hätte wohl gerettet werden können. Inzwischen ist seine Identität als António João Bartolomeu bekannt. Der 47-Jährige aus der Hauptstadt Luanda gehörte laut eines Berichtes von vsail.info zu den besten der wenigen Segler seines Landes. Er segelte in der Vaurien-Klasse und auf größeren Yachten.

Inzwischen ist bekannt geworden, dass Bartolomeu, im Sturm über Bord gegangen ist und nur noch bewusstlos von seinen Mitseglern geborgen werden konnte. Kurz nach der Bergung starb er vermutlich an den Folgen einer schweren Unterkühlung.

Die Bavaria 54 “Bille” hatte zu einem frühen Zeitpunkt des Rennens Probleme mit dem Großsegel bekommen und hatte für die Reparatur zurück Richtung Kapstadt umgedreht. Dann verlor sie bei Bedingungen mit 6 Meter hohen Wellen und 60 Knoten das Rigg.

Während Bartolomeu an Bord verstarb erlitt der Skipper Luis Conia Da Silva Rippenbrüche und ein weiteres Crewmitglied der achtköpfigen Besatzung Fleischwunden. Die Besatzung wurde von der südafrikanischen Fregatte “SAS Islandlwana” aufgenommen. Die Marine-Soldaten schnitten die Rigg-Reste des Havaristen ab und ließen ihn erst einmal treiben, um ihn später zu bergen. Sie kamen zwei Yachten zur Hilfe.

Kapstadt-Rio-Race

“Iskareen” (linkes rotes Boot) ist beim Kapstadt-Rio-Race gut dabei.

Der deutschen “Iskareen”-Crew scheint es derweil gut zu gehen mit ihrer Archambault 34. Als viertes Schiff der gesamten Flotte rauschen sie im Kielwasser des mehr als doppelt so großen Volvo 70 “Maserati” mit Boris Herrmann gen Rio. In der Handicap Tabelle haben sich Christiane Dittmers und Sönke Bruhns auf Platz drei vorgeschoben von sechs Yachten in der Wertung.

Race Tracker Kapstadt – Rio

Eventseite Kapstadt – Rio

 

 

 

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Carsten Kemmling

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9 Kommentare zu „Kapstadt-Rio-Race: Angolaner-Crew abgeborgen – Soldini kritisiert Startzeit“

  1. avatar Fastnetwinner sagt:

    Der anerkannte Experten Soldini hat zurecht Zweifel an “kleinen Fahrtenyachten, die ungenügend für einen solch heftigen Sturm vorbereitet sind”. Muss dann aber nicht die Konsequenz sein, daß diese Skipper zu Hause bleiben müssen? Wenn man für ein Ocean-Race-Klassiker durch den Süd-Atlantik meldet, dann weiss man doch, was das heißen kann. Wie stellen sich diese Skipper eigentlich den gleichen Sturm irgendwo in der Mitte des Atlantiks vor? Harsche Kritik an den Organisatoren erachte ich für überhaupt nicht angebracht, harsche Kritik an einigen Skippern jedoch umso mehr!

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    • avatar Sven sagt:

      Sehe ich nicht ganz so. Kündigt sich solch ein Sturmtief solange im voraus an, habe ich auch mit etwas lansameren Schiffen mitten auf dem Atlantik durch geänderte Routenwahl die Möglichkeit den heftigsten Bedingungen auszuweichen. Wie es z.B. die Teilnehmer des Helgoland Edinburg Races 2013 mit unterschiedlichen Strategien gemacht haben. Steht aber Startzeit und Ort fest und das Tief saust kurze Zeit später über diesen Ort hätte ich nur die Wahl zu starten und direkt danach in den Hafen um dort abzuwettern und danach erst loszusegeln. Die Möglichkeiten sind so deutlich eingeschränkt.

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    • avatar SR-Fan sagt:

      Ganz so kann man das m.M. nach nicht sehen. Es handelt sich ja um eine Regattaveranstaltung. D.h. Boot verholt, Startgelder investiert, Crew-Gedönse hinter sich gebracht, begrenzter Urlaub, Termine, Chartergäste in Rio, …

      Das heißt letztlich: Alle möchten möglichst pünktlich zusammen(!) raus. Denn dem Feld zwei Tage später als einziger ohne Chancen hinterherzusegeln – darauf ist keiner scharf. Also redet man sich das im Vorfeld schön und orientiert sich an der Mehrheit, bzw. den Profis. Außerdem wäre das ein eingestehen, der eigenen (begrenzten) Fähigkeiten bzw. des Material – eine bestimmt lobenswert aber auch selten anzutreffende Eigenschaft bei den Alphatieren der Bootseigner 😉

      Und so ein Verhalten kann man mit einer erzwungenen Startverschiebung durchaus aushebeln.

      VG

      PS: lt. Tracker sind übrigens auch einige Boote in CapeTown geblieben – über die spricht aber keiner

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  2. avatar Fastnetwinner sagt:

    Mann muss dass vielleicht mal in Relation sehen. Die Schiffe, die Ihr Glück mehr im Starkwind-Bereich gesucht haben berichten exPost von 40 Knoten Wind. Angesagt war “Wind speed up to 50knots and waves 4-5mts sometimes breaking”. Als wir 2010 Rund Skagen gesegelt sind hatte die Flotte in der Jammerbucht bis zu 46 Knoten Wind und 6 Meter See. Alles von Meeno so angesagt, und auch so eingetreten. Wäre da jemals ein Skipper auf die Idee zu kommen, und hätte Stefan Lehnert für irgendetwas die Schuld gegeben? Albern!

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  3. avatar Jan-x sagt:

    Nein, man muss das nicht in Relation sehen. Ein Mann ist tot. Zieh bitte keine unnötigen und nicht stichhaltigen Vergleiche.

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    • avatar Fastnetwinner sagt:

      Ein Mann ist Tot. Richtig!
      Die Schuldigen werden gesucht. Richtig!
      In der Notice of race steht drin wer es ist, und mehr sage ich dazu nicht.

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  4. avatar Jan-x sagt:

    Danke.

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  5. avatar äh sagt:

    Zum Thema Startzeit hier mal was aus erster Hand. Das wurde auf der Iskareen Facebookseite gepostet:

    Liebe Iskareen-Fangemeinde,
    wir hatten heute Morgen telefonischen Kontakt auf den Südatlantik.
    […]
    Bezüglich der Entscheidung, das Rennen im Hinblick auf die damalige Wettersituation zu starten sagte Sönke, dass sie sich dagegen ausgesprochen hätten, wie diverse andere Boote auch. Auch sei das Rennen erstmals nicht von einem Navy Vessel aus gestartet worden, da diese sich ebenfalls dagegen ausgesprochen hätten. Der südafrikanische Wetterdienst hätte sogar einem Start widersprochen. Vor diesem Hintergrund wird sich der Royal Cape Yacht Club als Veranstalter mit Bezug auf die Havarien anderer Boote und mittlerweile 10 Retirements wohl noch einigen Fragen stellen müssen.
    […]
    https://www.facebook.com/iskareen

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    • avatar SR-Fan sagt:

      Wow – das hätte ich jetzt auch nicht gedacht, dass sich die Wettfahrtleitung so einem Ansinnen unter den angesagten Bedingungen widersetzt.

      VG

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