Kapstadt-Rio-Race: Todesfall beim Hochseeklassiker – Hamburger “Iskareen” kleinste Yacht

Unglück vor Kapstadt

Boris Herrmann auf der “Maserati” nach der ersten Nacht auf See:

Am ersten Tag nach dem Start der Atlantik Regatta Kapstadt-Rio ist es auf der Bavaria 54 “Bille” aus Angola nach einem Mastbruch im schweren Sturm zu einem Todesfall gekommen.

"Bille", Angola

“Bille” aus Angola vor dem Start. Dann kam der Mast von oben. © Capetown Rio

Die Flotte der 36 Yachten wurde schon in der ersten Nacht mit Wind zwischen 40 und 60 Knoten und sechs Meter hohen Wellen erwischt und hat zahlreiche Ausfälle zu verzeichnen. Am schlimmsten erwischte es eine Crew aus Angola, die vermeldet, dass ein Segler verstorben ist.

Die Wettfahrtleitung berichtet, dass “Bille” mit Großsegel-Problemen auf dem Rückweg nach Kapstadt war, um Reparaturen vorzunehmen. In der nächsten Nachricht von der Bavaria 54 habe es geheißen, dass der Mast über Bord gegangen sei und vier Crewmitglieder teilweise schwere Verletzungen erlitten hätten. Ein Segler ist gestorben.

"Bille" Angola

“Bille” (l. ) beim Start vor Kapstadt. © Capetown Rio

Das zuständige Rettungzentrum habe die notwendigen Maßnahmen eingeleitet. Die Yacht “Genevieve Too” stehe dem Havaristen bei, aber genauere Informationen über das Unglück sind noch nicht verlautbart worden. Neben der “Bille” befindet sich die zweite Bavaria 54 aus Angola “Mussulo III” immer noch im Rennen.

Sechs weitere Yachten sind in Schwierigkeiten geraten. Der 38 Fußer “Black Cat” hat ein Ruder gebrochen und die Crew des Katamarans “Isla” hat einen Mayday-Ruf ausgesendet wegen Feuer an Bord. Zuvor hatte der Skipper PanPan gerufen, nachdem seine beiden Maschinen ausgefallen waren.

Iskareen

Christiane Dittmers und Sönke Bruhns segeln vor Kapstadt. © Iskareen

Das einzige deutsche Schiff am Start, die Hamburger “Iskareen”, scheint die extremen Bedingungen bisher einigermaßen glimpflich überstanden zu haben. Die Archambault 34, die mit einer Van de Stadt 34 die kleinste Yacht im Feld ist, liegt laut Ractracker noch auf Kurs.

Die beiden Eigner Christiane Dittmers und Sönke Bruhns hatten sich relativ kurzfristig dazu entschlossen, mit dem Kapstadt-Rio-Race das Abenteuer ihres Lebens zu bestreiten. Dabei waren sie 2013 schon mit der Tour de France a la Voile mehr als beschäftigt.

Aber das Rennen mit den überwiegend erwarteten Raumschotsbedingungen sollte jede Menge Spaß bringen, wenn auch die sechsköpfige Crew ein relativ kleines Schiff unter dem Hintern hat. Hoffentlich geht alles gut!

Maserati (l. braun) liegt dem Feld schon weit voraus, "Iskareen" (rot, l.) ist noch auf Kurs.

Maserati (l. braun) liegt dem Feld schon weit voraus, “Iskareen” (rot, l.) ist noch auf Kurs.

Das gilt auch für Boris Herrmann. Der segelt allerdings mit dem Volvo 70 “Maserati” auf einem bei Langstrecken erprobten Sportgerät. Das schnellste Schiff der Flotte hat die schlimmsten Ausläufer des Sturms umfahren können und liegt auf Rekordkurs vor dem Feld. Herrmann spricht von einer “rauen Nacht” mit 40 Knoten Wind ohne die befürchteten 60 Knoten.

Race Tracker Kapstadt – Rio

Eventseite Kapstadt – Rio

Iskareen Facebook

Iskareen

Die Archambault 34 Iskareen in Action bei der Tour de France. © J.M. Liot

Video Tipp: Peter Nielsen

 

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
https://yachtservice-sb.com

11 Kommentare zu „Kapstadt-Rio-Race: Todesfall beim Hochseeklassiker – Hamburger “Iskareen” kleinste Yacht“

  1. avatar Heini sagt:

    Es wussten doch alle was kommt.
    Warum wurde der Start nicht einfach um 1 – 2 Tage verschoben?
    Bescheuert. 🙁

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 3

  2. avatar Backe sagt:

    Ja, da werden sich die Organisatoren ein paar sehr unangenehme Fragen anhören müssen … zumal die Mehrzahl der teilnehmenden Boote Fahrtenyachten mit Amateurcrews sind.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 1

  3. avatar Jacob Clasen sagt:

    Die Entscheidung los zu fahren liegt aber wie immer in den Händen der Skipper bzw. Crews.
    Trotzdem wäre eine Verschiebung vermutlich gut gewesen, denke ich.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 15 Daumen runter 1

  4. avatar seilor sagt:

    Hat nicht die andere Bavaria 54 Mussulo schon auf der Hinüberführung auch Mastbruch gehabt? Nix gegen Bavaria als preiswerter Charterbomber in der dänischen Südsee, Adria etc. … aber Südatlantik bei 40-60 Knoten???

    Die Entscheidung der Regattaleitung ist für mich völlig unverständlich, den Skippern kann man da nicht die ganz Verantwortung zuschieben … selbst Regatten mit deutlich ambitionierteren Crews wurden schon verschoben.

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 3

  5. avatar Fastnetwinner sagt:

    Es ist ein Phänomen der verweichlichten Gesellschaft die Schuld immer bei anderen zu suchen. Die Notice of Race drückt sich bezüglich der Verantwortlichkeiten zum Glück an dieser Stelle ganz klar aus, und in der Offshore-Community sind diese Gepflogenheiten zum Glück auch jedem bekannt. Es wird deshalb selbstverständlich von kompetenter Stelle auch keine unangenehmen Fragen geben, und es wird auch kein Skipper die Verantwortung bei jemandem anderen suchen, als bei sich selbst.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 15 Daumen runter 10

    • avatar Backe sagt:

      Wie bitte? Eine derartige Äußerung von wegen “verweichlichte Gesellschaft” (und 11 Likes dafür!) zieht mir jetzt echt die Schuhe aus!!!

      Jeder Sportveranstalter weltweit, ob für ein Ski-, Formel-1- oder Seifenkistenrennen am Bungsberg ist für die Sicherheitseckdaten seiner Veranstaltung direkt und ausschileßlich verantwortlich. Deswegen werden z.B. Abfahrtsrennen abgebrochen, wenn die Sicht zu schlecht wird, Skispringen, wenn der Seitenwind pfeift, oder in der Formel-1 Safetycar-Runden oder Rennabbrüche durchgezogen, wenn die Piste nicht mehr sicher genug befahrbar ist. Deswegen werden bei Travemünder oder Kieler Woche ganze Felder in den Hafen zurück geholt, wenn’s zu dicke kommt.
      Das hat nicht nur was mit Haftung eines Veranstalters zu tun, sondern auch etwas mit Sachkenntnis und Verantwortungsbewusstsein.

      Der von dir zitierte Passus in einem Notice of race ist im Übrigen dazu gedacht, dass eine Crew AUCH SELBER für sich entscheidet, wann es ihr (bei ihren individuellen Fähigkeiten) zu viel wird … aber es ist niemals ein Blankoschein für einen Veranstalter, keine Sicherheitsvorkehrungen treffen zu müssen, oder bei besonderen Umständen wie einem aufziehenden Sturm nicht eingreifen zu MÜSSEN!
      Bestes Beispiel hierfür ist das Szenario nach dem fatalen Sydney-Hobart-Race ’98, nachdem der Veranstalter einen zu Laxen Umgang mit seiner Verantwortung einräumen musste, und danach die Sicherheitsvorkehrungen (z.B. Sicherheitsausrüstung, Crewtraining) extrem erhöht wurde. Oder die Diskussion nach dem AC-Unglück von Andrew Simpson im Mai … schon vergessen?

      Sorry, Fastnetwinner, dieses vermeintlich libertäre, anti-verweichlichte “Jeder kann ja auf sich selber aufpassen”-Getöne ist für mich nichts als blanker Zynismus.

      Schönen Gruß, Backe

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 14 Daumen runter 10

      • avatar Skiffy sagt:

        Du fährst also blind raus, wann immer die Regattaleitung startet oder was?

        Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 2

        • avatar Backe sagt:

          Nein, aber wenn die Wettfahrtleitung startet, wird das meinen Entschluss sicher in diese Richtung beeinflussen. Zumal ich vermutlich, wie die meisten Sportler vor einem Start, mit tausend Dingen gleichzeitig beschäftigt bin und davon ausgehe, dass die Organisatoren eines solchen Rennens sich entsprechend mit der Sache auseinander gesetzt haben.
          Mit anderen Worten: Ich vertraue zu einem großen Teil deren fachlichem Urteil. Scheiße, wenn sie nicht kompetent genug sind.

          Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 7

          • avatar Skiffy sagt:

            Ich würde eher sagen: Scheiße, wenn Du dem Urteil der Wettfahrtleitung mehr vertraust als Dir selbst!

            Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 3 Daumen runter 6

          • avatar Jörg GER-78 sagt:

            Ich würde eher sagen: Nur weil er mal Weltmeister im Contender war, ist er nicht so blöd oder arrogant bei seinen Entscheidungen nur auf seine eigene Beurteilung zu vertrauen, sondern auch die Einschätzung Anderer mit einzubeziehen. Und von einem Veranstalter oder einer Wettfahrtleitung kann man schon ein gewisses Maß an Kompetenz und Vorbereitung erwarten.

            Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 2

      • avatar Fastnetwinner sagt:

        Es ist in unserer Gesellschaft immer weniger üblich, daß man Verantwortung übernimmt. Wer nach dieser N-O-R meldet der bekennt sich allerdings per persönlicher Unterschrift sehr wissentlich genau zu seiner “Sole Responsibility”. Da gibt es überhaupt kein Vertun. Ich kenne übrigens auch keinen Eigner, der das anders sieht.

        Zita N-O-R:

        10.4. Notwithstanding anything herein contained, the safety, management and insurance of a boat and its crew shall at all times remain the sole responsibility of her skipper, who must satisfy himself that the boat is fully sound, thoroughly seaworthy and manned by an experienced crew who is capable of handling the boat in bad weather.
        10.5. The skipper must ensure that all safety equipment is properly maintained and stowed and that all crew know where it is kept and how it is to be used. It is the sole and exclusive responsibility of each boat to decide whether or not to start or to continue the Race and all those taking part in the Race do so at their own risk.

        Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 7 Daumen runter 6

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *