Kieler Woche: Bis zu sechs Beaufort mischten die Regattafelder auf

Aufrecht segeln

Kieler Woche 2016

Die J/24 Crew um Tobias Feuerherdt ist am letzten Tag nicht mehr einzuholen © segelbilder

Bei den stärkeren Winden entschieden gutes Bootshandling sowie diverse Kenterungen und kleinere Schäden über Sieg oder Niederlage. Tag 3 der Kieler Woche.

Angesichts der Vorhersagen für Tag vier sind schon viele Vorentscheidungen über die Gesamtsiege im ersten Teil der Traditionsveranstaltung im 134. Jahr gefallen. Denn mit dem Beginn des kalendarischen Sommers um exakt 0.34 Uhr am Dienstag soll sich ein Hochdruckgebiet mit schwachen Winden durchsetzen. Das könnte das Segelprogramm am Abschlusstag der Regatten in den internationalen Klassen verkürzen, nachdem die Segler drei Tage lang beste Bedingungen vorgefunden haben. Und eine Crew konnte sogar jetzt schon die Flasche Moët köpfen. Die J/24-Crew um Tobias Feuerherdt (Hamburg) ist am letzten Tag nicht mehr einzuholen.

Die Klassen

J/24: Die Briten um Travis Odenbach können den Rechenschieber bei den J/24 so viel drehen, wie sie möchten. Am Sieg von Tobias Feuerherdt ist nicht mehr zu rütteln. Mit zwei Siegen und einem dritten Platz am dritten Tag der Kieler Woche haben sich die Hamburger ein derart dickes Punktepolster angelegt, dass sie ihr Boot schon einpacken können. Nach Siegen bei den deutschen und italienischen Meisterschaften in diesem Jahr konnte Tobias Feuerherdt feststellen: „Wir haben einfach einen guten Lauf.“ Dazu trägt auch das gesteigerte Selbstbewusstsein von Taktiker Lukas Feuerherdt bei. Er hat im vergangenen Jahr den Titel bei der Laser-DM gewonnen – gegen Vizeweltmeister Philipp Buhl. „Als Bruder kann ich sagen: Da muss man sich jetzt schon einige Sprüche anhören“, so Steuermann Tobias Feuerherdt. Der kräftige Wind habe der Mannschaft, die in dieser Konstellation seit zwei Jahren segelt, zudem in die Hände gespielt. Damit habe die Crew einen weiteren Höhepunkt in dieser Saison erlebt, die Teilnahme an internationalen Meisterschaften stehe aus Termingründen indes nicht mehr im Kalender.

Musto Skiff: Der Kampf um den Sieg ist bei den Musto Skiffs am dritten Tag voll entbrannt. Vor den Kameras auf der Medienbahn zeigten die Piloten bei den rasanten Trapez-Fahrten unter Gennaker Mut zum Risiko – wurden dafür aber bei den kräftigen Winden nicht immer belohnt. Im ersten Rennen erwischte es zunächst den 2013er-Europameister Frithjof Schwerdt (Kiel): In der Halse unter Gennaker konnte er das Boot in guter Position liegend nicht halten und verlor viele Boote beim Aufrichten. Der frisch gekürte Weltmeister Andi Lachenschmid (Augsburg) witterte seine Chance, raste an allen vorbei, nahm extrem spät auf dem Downwind-Kurs den Gennaker runter – und kenterte am Lee-Gate. Beide Deutsche waren damit in diesem Rennen nur in der Verfolgerrolle. Der Brite Alastair Conn und der Schweizer Roger Oswald setzten damit die ersten Glanzpunkte des Tages. Danach aber war Schwerdt mit gutem Bootsspeed und ohne weitere Probleme in der Spur und baute seinen Vorsprung mit zwei Tagessiegen aus. „Der Puls war bei den Rennen auf 180. Nicht zu kentern, war das Ziel in jeder Halse. Ich habe versucht, auf Sicherheit zu fahren. In der ersten Wettfahrt habe ich eine Böe unterschätzt, und da hat es mich hingelegt. Die Bedingungen waren an der Grenze des Machbaren“, berichtete der Kieler. Weltmeister Lachenschmid wurde sogar zum Bademeister, kassierte nach diversen Kenterungen an diesem Tag reichlich Punkte und rutschte in der Gesamtwertung hinter den Schweizer Oswald auf Rang drei zurück. „Ich war bei der WM nicht dabei, insofern war ich auf das Duell mit Andi hier besonders heiß. Als Klasse freuen wir uns einfach, dass wir erstmals den WM-Titel in Deutschland haben“, sagte Schwerdt.

Kieler Woche 2016

Einer Kenterung im ersten Tagesrennen ließ Frithjof Schwerdt zwei Tagessiege folgen © segel bilder

Contender: An einem dänischen Doppelerfolg bei den Contendern führt kein Weg vorbei. Während die Konkurrenz mit den Bedingungen zu kämpfen hatte, segelte Sören Dulong Andreasen drei Siege in Folge ein. Er übernahm damit die Spitze von seinem Landsmann Jesper Nielsen, der noch von seinem guten Start in die Kieler Woche zehrt und mit weitem Abstand vor Rang drei auf dem zweiten Platz rangiert.

Europe: Der Wunsch auf etwas leichtere Bedingungen auf See hat sich für die mehrmalige Deutsche Europe-Meisterin Janika Puls nicht erfüllt. Die Lübeckerin bevorzugt im Duell mit der männlichen Konkurrenz leichte Winde: „Ansonsten haben wir Frauen keine Chance. An der Spitze sind bei diesen Bedingungen Segler, die sonst auch im Finn aktiv sind. Trotzdem habe ich hier meinen Spaß. Nach Einsätzen in der Bundesliga war es mal wieder Zeit, Europe zu segeln.“ Im Duell der „schweren Jungs“ hat sich Nordmann Lars Johan Brodtkorb (Norwegen) an den Franzosen Valerian Lebrun herangeschoben, der mit dem Minimalvorsprung von einem Punkt in den finalen Tag geht.

OK: Der amtierende Weltmeister kommt in Fahrt. André Budzien aus Schwerin hat bei den OK-Jollen die Führung übernommen. Damit rückt der lange führende Jim Hunt von der Spitzenposition in die Rolle des Jägers. Doch der Brite genießt die Gastfreundschaft: „Es ist großartig, an Land zu kommen und Freibier und Sandwiches gereicht zu bekommen. Es ist einfach ein tolles Event, mit vielen Menschen und vielen Rennen.“

Flying Dutchman: Nach dem verpassten Start in die Kieler Woche zeigt das FD-Team Kilian König/Johannes Brack (Hannover) der Konkurrenz nur noch das Heck. „Vor dem ersten Rennen ist uns das Schwert gebrochen und wir mussten reinfahren. Bis wir das getauscht hatten, war auch das zweite gestartet“, berichtete Vorschoter Johannes Brack. „Jetzt stimmt aber alles, und der starke Wind ist genau richtig für uns.“ Aber auch schwache Winde kann das Team. Das bewies es gerade bei der WM, die es auf dem Bronzerang abschloss. Daher dürften König/Brack für den Abschlusstag gut gewappnet sein.

505er: Den Weltmeister von 2008, Ian Pinnell mit Alex Davies (Großbritannien), hatte Rekord-Kieler-Woche-Sieger Wolfgang Hunger (Strande) am dritten Tag im Griff. Dafür musste der Lokalmatador mit Julien Kleiner an der Vorschot aber Andy Smith/Tim Needham (Großbritannien) ziehen lassen. „Die Engländer tragen die WM in diesem Jahr im eigenen Land aus. Daher nutzen sie die Kieler Woche als sehr gutes Training und sind schon gut in Form. Wir müssen sehen, wie wir taktisch in den letzten Tag gehen. Aber noch ist etwas drin“, so Hunger.

Albin Express: Viel Wind, aber gut segelbare Welle. So präsentierte sich die Bahn Foxtrott vor Wendtorf. Das war ganz nach dem Geschmack der Albin Express. „Tolles Segeln heute, auch wenn schon ganz ordentliche Böenfelder über den Kurs zogen“, berichtete Martin Görge (Strande). „Ich freue mich einfach, mit der Familie segeln zu können.“ Die Töchter Jule und Lotta sowie Sohn Rasmus hielten den Vater kräftig auf Trab. „Hast du seine Hände gesehen?“, schmunzelte Lotta mit Blick auf die Blasen. War der Tag für Familie Görgeauf Gesamtrang vier gut, so war er für die Flensburger um Jan Brink perfekt. Mit drei Siegen kletterten sie an der bisher führenden Crew von Andreas Pinnow (Kiel) vorbei auf Platze ein.

Folkeboot: Die Crew von Ulf Kipcke (Neumünster) bringt sich in Form für die Deutsche Meisterschaft, die im Rahmen der kommenden Warnemünder Woche ausgesegelt wird, und die Welttitelkämpfe im Juli vor Helsinki. Die Gold-Cup-Sieger und Deutschen Meister des Vorjahres bleiben nach konstant guten Ergebnissen an der Spitze des Folkeboot-Feldes vor dem dreimaligen weltbesten Folkeboot-Team, Sören Kästel aus Dänemark. „Heute hatten wir drehende und böige Winde, aber auf Foxtrott war es ideal. Wir haben gut in den Rhythmus gefunden – nur nicht im letzten Rennen, als uns ein Konkurrent beim Start in die Quere kam“, sagte Ulf Kipcke, der zufrieden feststellte, dass die Größe des Kieler-Woche-Feldes bei den Folkebooten ebenso zugenommen hat wie die Qualität. „Es ist schon ein enges Rennen mit Sören Kästel. Deshalb sind wir froh, am vorletzten Tag an der Spitze zu stehen. Man weiß ja nicht, was morgen kommt.“

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