Kieler Woche: Fünf Gold-Chancen – Nacra Nachwuchs siegt

Spannung vor dem Finale

Der Wind hat vorerst ausgespielt. Am vierten Tag der Kieler Woche wehte nach drei stürmischen Tagen nur eine schwache Brise über die Außenförde. Aber auch das spielte den Wettfahrtleitern und Seglern nicht in die Karten, denn nur im Schneckentempo schlichen die Crews über die Bahn – zu langsam, um ein volles Programm abzuspulen.

Für die deutschen Segler in den acht olympischen Klassen gab es trotz Schattenwurfs bei den 49ern viel Licht. Der Deutsche Segler-Verband geht mit drei Führenden in die Olympia-Finals, zwei Crews sind als Zweite auf dem Sprung, zudem bleiben die beiden paralympischen Klassen eine deutsche Domäne.

Buhl, Kieler Woche

Philipp Buhl hat bei den Lasern die Führung übernommen. © Richard Walch / Audi

Die 49er-Männer waren nach einem kurzen Ausflug auf die Bahn schon am Mittag wieder im Hafen – allerdings vor allem mit hängenden Köpfen bei den deutschen Crews. Die derzeit besten DSV-Athleten, Erik Heil/Thomas Plößel (Kiel), kommentierten ihren Auftritt nur mit einem Wort, das mit einem harten “Sch”-Laut beginnt. Der 21. Platz im siebten Rennen richtete allerdings noch keinen Schaden an, da er als Streicher rausgerechnet werden konnte. Somit bleiben sie an der Spitze des Feldes.

Mit Platz 19 im Leichtwindpoker hatten Julian Ramm/Oliver Lewin noch das beste deutsche Resultat des Dienstag. Obwohl das Team nur noch zum Spaß segelt, schaffte es den Sprung in die Goldflotte. Glücklich waren die Gesamt-22. nach der Rückkehr in den Hafen aber auch nicht. „Wir hatten noch Restschwell auf der Bahn und reichlich drehende Winde. Das war schwierig zu segeln”, berichtete Lewin, und Ramm ergänzte: „Man kam sich vor wie in der Badewanne. Es schwabbelte hin und her, und den Gennaker bekam man kaum zum Stehen.”

Gopro Moments:

Die 49erFX-Frauen hatten ein kleines Wechselspiel zwischen Aus- und Einlaufen. Erst im zweiten Anlauf gelang ein Rennen. Victoria Jurczok/Anika Lorenz (Kiel) verschafften sich dabei eine gute Ausgangsbasis für das Finale, das bei den Skiffs in drei Kurzrennen ausgesegelt wird. Die WM-Sechsten rückten durch einen zweiten Rang auch im Gesamt-Ranking auf Rang zwei hinter den Däninnen Jena Mai Hansen/Katja Salskov-Iversen vor.

Zur vollen Zufriedenheit von Paul Kohlhoff und Carolina Werner (Kiel) verlief das einzige Tagesrennen bei den Nacra17 auf der TV-Bahn. Das Duo sorgte für den ersten deutschen Tagessieg in dieser neuen olympischen Bootsklasse. „Wir hatten einen guten Start und wussten, dass wir schnell sind”, berichtete Kohlhoff, der am Tag zuvor noch seine letzte Abi-Prüfung (Durchschnitt: 1,9) abgelegt hatte. Das gab offenbar auch Aufschwung für die Regatta, denn nach zwei mäßigen Tagen war der Tagessieg eine echte Genugtuung.

„Am ersten Tag sind wir in Führung liegend gekentert, im zweiten Rennen haben wir das Schwert verloren und mussten aufgeben, und im dritten mussten wir nach einem Frühstart noch einmal umkehren”, so Kohlhoff. Danach kam die Crew aber in Fahrt und arbeitete sich mit einem zweiten Platz und nun mit dem Tagessieg auf den fünften Geamtrang vor. An der Spitze bleiben die Dänen Allan Nörregard/Line Just.

Nach neun Wettfahrten hat im Laser Titelverteidiger Philipp Buhl (Kiel) die Position erreicht, die er seit dem Beginn der Kieler Woche anstrebt: und zwar vor allen 81 Konkurrenten. Sein dritter Platz am vierten Tag genügte, um den bisher Führenden Esten Karl-Martin Rammo zu überflügeln, der sich mit dem 16. Platz einen Patzer erlaubte. Der Tagessieg ging indes an den Oldenburger Tobias Schadewaldt, der damit im Gesamt-Ranking einen Sprung von neun auf drei machte.

Auch bei den Laser Frauen gehen die Deutschen von der Spitzenposition aus in die Finals, die außer bei den Skiffs in allen anderen Klassen in einem doppelt gewerteten Lauf gesegelt wird. Für Lisa Fasselt (Essen) ist die Kieler Woche der Höhepunkt der Saison. „Ich habe im vergangenen Jahr meine Ausbildung abgeschlossen, habe im Winter gar nicht trainiert. Meine Saison ist daher national ausgerichtet. Auch zur WM fahre ich nicht, da ich bei den Qualifikations-Regatten gar nicht an den Start gegangen bin.” Die Spitzenposition zur Kieler Woche verteidigte sie am Dienstag problemlos, da den Laser Radial kein Rennen gelang.

Alles beim Alten blieb auch bei den 470ern – zumindest in der Spitze der Männer. Australiens Olympiasieger Mathew Belcher bleibt mit Will Ryan nur in der Verfolgerposition der Griechen Mantis Panagiotis/Pavlos Kagialis. Auf Rang drei folgen Ferdinand Gerz/Oliver Szymanski (München), die im nationalen Duell vor Jasper Wagner/Dustin Baldewein (Berlin) bleiben.

Einen Führungswechsel gab es dagegen bei den 470er-Frauen. Annina Wagner/Elisabeth Panuschka (Berlin) mussten die Spitze wieder an die Österreicherinnen Lara Vadan/Jolanta Opar abgeben.

Ohne deutsche Beteiligung geht das Finale der Finns über die Bühne. Phillip Kasüske verpasste als Elfter das Rennen der Top-Zehn allerdings nur knapp. Hier führt der Schwede Björn Allanson.

Unangefochten in den Top-Positionen bleiben die Deutschen in den Paralympics-Klassen. Heiko Kröger (2.4mR) und Jens Kroker erhöhten die Anzahl ihrer Sieg in fünf Wettfahrten auf fünf.

Am Mittwoch geht es in den olympischen Disziplinen auf kurzen Kursen und drei Bahnen in die Finals. Um 10 Uhr starten die 49er FX (Bahn TV), Laser Radial (India) und Nacra 17 (Juliett). Es folgen um 10.45 Uhr die Finns (India) und 470er-Frauen (Juliett). Um 11 Uhr gehen die 49er (TV) auf die Bahn, 11.30 Uhr die Laser (India) und 470er-Männer (Juliett).

Ergebnisliste Kieler Woche Tag 4

2.4mR: (5) 1. Heiko Kröger (Ammersbek,(1)1/1/1/1) Punkte 4; 2. Barend Kol (NED,2/2/2/3(12)) 9; 3. Helena Lucas (GBR,4/3/3(5)5) 15; 4. Lasse Klötzing (Berlin,3/7/4/2(11)) 16; 5. Henrik Johnsson (SWE,(26)6/6/4/3) 19; 6. Kevin Cantin (FRA,8/5/7(10)8) 28;

49er: (7) 1. Erik Heil / Thomas Ploessel (Kiel,8/4/1/1/1/1(21)) Punkte 16; 2. David Evans / Ed Powys (GBR,4/1/2/2/9/8(20)) 26; 3. Jacopo Plazzi / Umberto Molineris (ITA,2/7/1/4(11)3/9) 26; 4. Tomasz Januszewski / Jacek Nowak (POL,1/1(37)11/8/5/5) 31; 5. Federico Alonso / Arturo Alonso (ESP,9/2/4(36)3/15/1) 34; 6. David Gilmour / Rhys Mara (AUS,12/10(13)3/5/4/29 36;

49er FX: (5) 1. Jena Mai Hansen / Katja Salskov-Iversen (DEN,1/2(5)5/3) Punkte 11; 2. Victoria Jurczok / Anika Lorenz (Kiel,3/3(10)7/2) 15; 3. Tamara Echegayen / Berta Betanzos (ESP,4(7)3/3/5) 15; 4. Ida Marie Baad Nielsen / Marie Thusgaard Olsen (DEN,2(37)6/1/15) 24; 5. Giulia Conti / Francesca Clapcich (ITA,5/10/8(14)1) 24; 6. Annemiek Bekkering / Annette Duetz (NED,(9)5/4/9/7) 25;

Nacra 17: (6) 1. Allan Nørregaard / Line Just (DEN,3/4/2/1(7)5) Punkte 15; 2. Vittorio Bissaro / Silvia Sicouri (ITA,1/2(31)10/1/4) 18; 3. Lorenzo Bressani / Micol Giovanna (ITA,2/3/5/3(31)10) 23; 4. Thomas Zajac / Tanja Chiara Frank (AUT,(31)1/1/2/5/17) 26; 5. Paul Kohlhoff / Carolina Werner (Strande,8(31)11/5/2/1) 27; 6. Federica Salvà / Francesco Bianchi (ITA,9(31)8/4/6/2) 29;

Finn: (5) 1. Björn Allansson (SWE,6(8)5/1/4) Punkte 16; 2. Giorgio Poggi (ITA,7/5/2/2(8)) 16; 3. Tomas Vika (CZE,4/2/7/4.3 (12)) 17.3 4. Deniss Karpak (EST,1/10/6(11)1) 18; 5. Alican Kaynar (TUR,5(12)4/4/6) 19; 6. Mads Bendix (DEN,3/3(18)7/9) 22;

470 M: (6) 1. Panagiotis Mantis / Pavlos Kagialis (GRE,4/4/1/2/2(9)) Punkte 13; 2. Mathew Belcher / Will Ryan (AUS,1/1(5)5/5/5) 17; 3. Ferdinand Gerz / Oliver Szymanski (München,2/7/3/3(9)3) 18; 4. Jasper Wagner / Dustin Baldewein (Mannheim,3/2/7(10)8/2) 22; 5. Matthias Schmid / Florian Reichstädter (AUT,7/6/2/4/3(8)) 22; 6. Stuart Mcnay / David Hughes (USA,8(14)9/7/4/1) 29;

470 W: (6) 1. Lara Vadian / Jolanta Opar (AUT,1/3/2(13)1/3) Punkte 10; 2. Annina Wagner / Elisabeth Panuschka (Mannheim,2/2/1/1(6)6) 12; 3. Alisa Kirilyuk / Liudmila Dmitrieva (RUS,(8)1/3/5/7/2) 18; 4. Carrie Smith / Jaime Ryan (AUS,4(6)4/2/5/5) 20; 5. Nadine Böhm / Ann- Christin Goliaß (Buchloe,6(7)6/7/2/1) 22; 6. Annika Bochmann / Karoline Göltzer (Kiel,5/5/5/3(8)8) 26;

Laser Standard: (9) 1. Philipp Buhl (Sonthofen,3(45)5/3/7/1/2/5/3) Punkte 29; 2. Karl-Martin Rammo (EST,(45)1/1/1/3/3/6/2/16) 33; 3. Tobias Schadewaldt (Oldenburg,5/2/7/2/4/13/(25)6/1) 40; 4. Jack Wetherell (GBR,11/10/3/6/5/6/3/3/(12) 47; 5. Mike Bullot (NZL,4/12/4/10/1/(15)5/9/7) 52; 6. Mathias Mollatt (NOR,10/17/1/2/(18)2/1/10/13) 56;

Laser Radial: (4) 1. Lisa Fasselt (Elmenhorst,1/2/1/6) Punkte 10; 2. Tatiana Drozdovskaya (BLR,2/1/2/5) 10; 3. Pauline Liebig (Kiel,5/3/3/10) 21; 4. Ania Weinzieher (POL,6/4/12/2) 24; 5. Viktorija Andrulyte (LTU,3/6/15/1) 25; 6. Pia Kuhlmann (Wunstorf,4/10/4/13) 31;

 

Sonar: (5) 1. Jens Kroker / Robert Prem, Siggy Mainka (Mannheim,(1)1/1/1/1) Punkte 4; 2. Sören Werner / Christian Bauer, Lutz Rewa (Wismar,2/2/2/2(4)) 8; 3. Thomas Beer / Jörg Meierdiercks, Oliver Utrata (Traunwalchen,(3)3/3/3/2) 11; 4. Michael Kern / Claudia Wegner (Metzingen,4(5)4/4/3) 15;

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