Kieler Woche: Heil/Plößel und Buhl stark – Crew-Wechselspiel bei den 470ern

Felder arg geschrumpft

Bilder des Tages:

Der olympische Teil der Kieler Woche ist vorbei. Bei teilweise quälend wenig Wind gingen am Finaltag die Medalraces über die Bühne.

Die Kieler Woche ist nicht mehr das, was sie mal war. Die Felder sind im olympischen Teil arg geschrumpft. Die Surfer kommen schon gar nicht mehr, die 470er brachten mit 22 Booten bei den Männern und 11 bei den Frauen so wenige wie wohl noch nie an die Startlinie. Und nur 28 Laser Radial Damen zeugen ebenfalls davon, dass Kiel immer mehr von den internationalen Spitzenteams gemieden wird.

Heil Plößel

Erik Heil und Thomas Plößel segelten perfekt in der Kieler Woche Welle. © STG

Der Verlust des ISAF World Cup Status hat mit dem Abschwung zu tun. Aber in diesem Jahr machte Kiel auch seinem Ruf alle Ehre ein sehr instabiles Revier zu sein. Die gemischten Stark- und Schwachwindbedingungen werden zwar von vielen Seglern als Trainingsgrundlage geschätzt, aber wenn so viele Rennen ausfallen, wie bei der aktuellen Kieler Woche, dann leidet der Ruf der Veranstaltung weiter.

Heil Ploessel

Erik Heil und Thomas Plößel feiern ihren Sieg im stärksten Kieler Woche Feld bei den 49er. © Kieler Woche /OKpress

Nur in der 49er Klasse kamen qualitativ ansprechende Felder zustande. Und die haben damit zu tun, dass die Segler quasi auf der Durchreise nach Helsinki sind zur Europameisterschaft. Außerdem haben die Deutschen Klassenvertreter und Trainer intern sehr für Kiel geworben und sogar wie im Falle der 49er FX zuvor offizielle Trainings und Workshops angeboten.

So kann der 49er Sieg von Erik Heil und Thomas Plößel gegen gute internationale Konkurrenz schon sehr hoch bewertet werden. Und auch Platz drei von Jurczok/Lorenz im 30 Boote Feld sowie die beiden weiteren Medalrace Teilnahmen von deutschen Teams in dieser Disziplin sind aller Ehren wert. Schließlich siegte mit der Spanierin Tamara Echegoyen die Match Race Olympiasiegerin von 2012.

Tobi Schadewaldt gratuliert Philipp Buhl zum Kieler Woche Sieg im Laser. © Kieler Woche /OKpress

Tobi Schadewaldt gratuliert Philipp Buhl zum Kieler Woche Sieg im Laser. © Kieler Woche /OKpress

Auch Philipp Buhl im Laser beherrschte seine Konkurrenz schließlich doch noch souverän. Mit Karl-Martin Rammo aus Estland forderte ihn immerhin der 12. der Weltrangliste und Buhl behielt im Schwachwind-Finale die Nerven. Bemerkenswert war die Leistung von Tobias Schadewaldt als Dritter, der bisher im Laser nach seinem Umstieg aus dem 49er noch nicht in Schwung kam. Ob der Laser Oldie, der vor 14 Jahren die ersten internationalen Laserrennen bestritt  vielleicht doch noch Buhl die Olympiafahrkarte streitig machen kann?

Im schwachen 470er Frauenfeld gelang dem neu formierten Frauen Duo Annina Wagner Elisabeth Panuschka ein überraschender Last Minute Sieg über die hoch eingeschätzten Österreicherinnen, die nach einer Verletzungspause Wettkampfpraxis sammeln wollten.

Panuschka hatte sich Ende der vergangenen Saison von ihrer langjährigen Steuerfrau Annika Bochmann getrennt mit der sie 2012 Junioren Europameisterin geworden war. Daraufhin setzte ein munteres Wechselspiel unter den Top Teams der Klasse ein. Bochmann segelt inzwischen mit Karolin Göltzer, der ex Vorschoterin von Nadine Böhm und wurde sechste. Böhm tat sich nun wieder mit Ann- Christin Goliaß zusammen und landete auf Rang drei.

Wagner beteuert, dass die Zusammenarbeit der drei Topteams trotz der schwierigen Trennungen durchaus effektiv sei. Man benötigt schließlich die gesamte Mannschaft, um wieder in die Weltspitze vorzudringen. Aber die heiße Phase hat im Kampf um die Olympiafahrkarte auch noch nicht begonnen. Für Zündstoff ist gesorgt.

Besonders bemerkenswert war der zweite Platz im 470er von Jasper Wagner und Dustin Baldewein, denen es mit einem Sieg im Medalrace noch gelang, noch am Olympiasieger und neuen australischen America’s Cup Skipper Mathew Belcher vorbeizuziehen. Belcher nutzte die Kieler Woche allerdings wohl mehr als Familien Heimspiel mit seiner Hamburger Frau Frederike.

Der australische Superstar Mathew Belcher und seine Frau in Kiel:

Angesichts der teilweise schwachen Felder vor Kiel mag die Jubelmeldung “Fünfmal Gold für Deutschland” in eine falsche Richtung weisen. Zumal zwei Goldmedaillien von den paralympischen Klassen stammen.

Dabei Paralympic Silber Gewinner Jens Kroker bei seinem Sieg mit Robert Prem und Siggy Mainka sicher mehr als vier Boote auf der Bahn gewünscht. Aber Heiko Kröger hatte bei seinem überlegenen 2.4 Sieg im 22 Boote Feld mit der Britin Helena Lucas durchaus starke Konkurrenz.

Ergebnisse Kieler Woche

Ergebnisse Kieler Woche

470 M: (7) 1. Panagiotis Mantis / Pavlos Kagialis (GRE,4/4/1/2/2(9)6) Punkte 19; 2. Jasper Wagner / Dustin Baldewein (Mannheim,3/2/7(10)8/2/2) 24; 3. Mathew Belcher / Will Ryan (AUS,1/1(5)5/5/5/16) 33; 4. Matthias Schmid / Florian Reichstädter (AUT,7/6/2/4/3(8)14) 36; 5. Asenathi Jim / Alex Burger (RSA,(11)5/6/6/6/10/4) 37; 6. Ferdinand Gerz / Oliver Szymanski (München,2/7/3/3(9)3/20) 38;

470 W: (7) 1. Annina Wagner / Elisabeth Panuschka (Mannheim,2/2/1/1(6)6/2) Punkte 14; 2. Lara Vadlau / Jolanta Ogar (AUT,1/3/2(13)1/3/4) 14; 3. Nadine Böhm / Ann- Christin Goliaß (Buchloe,6(7)6/7/2/1/6) 28; 4. Alisa Kirilyuk / Liudmila Dmitrieva (RUS,(8)1/3/5/7/2/10) 28; 5. Marjaliisa Umb / Elise Umb (EST,7/8(10)6/4/4/8) 37; 6. Annika Bochmann / Karoline Göltzer (Kiel,5/5/5/3(8)8/14) 40;

49er: (10) 1. Erik Heil / Thomas Ploessel (Kiel,8/4/1/1/1/1(21)4/3/6) Punkte 29; 2. David Evans / Ed Powys (GBR,4/1/2/2/9/8(20)7/2/4) 39; 3. Tomasz Januszewski / Jacek Nowak (POL,1/1(37)11/8/5/5/3/6/5) 45; 4. Will Phillips / Fang Warren (AUS,5/9/4/4/7(23)7/2/8/1) 47; 5. Federico Alonso / Arturo Alonso (ESP,9/2/4(36)3/15/1/1/10/2) 47; 6. Jacopo Plazzi / Umberto Molineris (ITA,2/7/1/4(11)3/9/9/5/7) 47;

49er FX: (8) 1. Tamara Echegayen / Berta Betanzos (ESP,4(7)3/3/5/3/2/7) Punkte 27; 2. Jena Mai Hansen / Katja Salskov-Iversen (DEN,1/2(5)5/3/5/4/9) 29; 3. Victoria Jurczok / Anika Lorenz (Kiel,3/3(10)7/2/8/5/3) 31; 4. Annemiek Bekkering / Annette Duetz (NED,(9)5/4/9/7/7/3/1) 36; 5. Ida Marie Baad Nielsen / Marie Thusgaard Olsen (DEN,2(37)6/1/15/11/1/6) 42; 6. Leonie Meyer / Elena Stoffers (Hamburg,(19)12/2/4/18/1/8/2) 47;

Finn: (6) 1. Deniss Karpak (EST,1/10/6(11)1/2) Punkte 20; 2. Björn Allansson (SWE,6(8)5/1/4/4) 20; 3. Giorgio Poggi (ITA,7/5/2/2(8)10) 26; 4. Tomas Vika (CZE,4/2/7/4.3 (12)12) 29.35. Piotr Kula (POL,(11)11/1/6/11/6) 35; 6. Filippo Baldassari (ITA,2/4(19)12/13/8) 39;

Laser Standard: (10) 1. Philipp Buhl (Sonthofen,3(45)5/3/7/1/2/5/3/6) Punkte 35; 2. Karl-Martin Rammo (EST,(45)1/1/1/3/3/6/2/15/10) 42; 3. Tobias Schadewaldt (Oldenburg,5/2/7/2/4/13(25)6/1/4) 44; 4. Jack Wetherell (GBR,11/10/3/6/5/6/3/3(12)18) 65; 5. Lorenzo Brando Chiavarini (GBR,(45)6/3/1/5/10/13/12/8/8) 66; 6. Mike Bullot (NZL,4/12/4/10/1(15)5/9/7/14) 66;

Laser Radial: (5) 1. Tatiana Drozdovskaya (BLR,2/1/2/5/2) Punkte 12; 2. Lisa Fasselt (Elmenhorst,1/2/1/6/20) 30; 3. Pauline Liebig (Kiel,5/3/3/10/10) 31; 4. Viktorija Andrulyte (LTU,3/6/15/1/8) 33; 5. Svenja Weger (Kiel,12/5/7/14/4) 42; 6. Ania Weinzieher (POL,6/4/12/2/18) 42;

Nacra 17: (7) 1. Allan Nørregaard / Line Just (DEN,3/4/2/1(7)5) Punkte 15; 2. Vittorio Bissaro / Silvia Sicouri (ITA,1/2(31)10/1/4) 18; 3. Lorenzo Bressani / Micol Giovanna (ITA,2/3/5/3(31)10) 23; 4. Thomas Zajac / Tanja Chiara Frank (AUT,(31)1/1/2/5/17) 26; 5. Paul Kohlhoff / Carolina Werner (Strande,8(31)11/5/2/1) 27; 6. Federica Salvà / Francesco Bianchi (ITA,9(31)8/4/6/2) 29;

2.4mR: (7) 1. Heiko Kröger (Ammersbek,1/1/1/1/1(2)2) Punkte 7; 2. Helena Lucas (GBR,4/3/3(5)5/1/3) 19; 3. Henrik Johnsson (SWE,(26)6/6/4/3/3/1) 23; 4. Barend Kol (NED,2/2/2/3(12)4/10) 23; 5. Lasse Klötzing (Berlin,3/7/4/2/11(15)11) 38; 6. Kevin Cantin (FRA,8/5/7(10)8/5/6) 39;

Sonar: (7) 1. Jens Kroker / Robert Prem, Siggy Mainka (Mannheim,(1)1/1/1/1/1/1) Punkte 6; 2. Thomas Beer / Jörg Meierdiercks, Oliver Utrata (Traunwalchen,(3)3/3/3/2/2/2) 15; 3. Sören Werner / Christian Bauer, Lutz Rewa (Wismar,2/2/2/2(4)4/4) 16; 4. Michael Kern / Claudia Wegner (Metzingen,4(5)4/4/3/3/3) 21;

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Carsten Kemmling

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