Kieler Woche Olympische Klassen: Weltmeister Belcher segelt falschen Kurs

"Das ist mir noch nie passiert"

Höhepunkte des Tages:

Der Wind lässt nicht locker bei der Kieler Woche im 132. Jahr. Wie schon am Startwochenende musterten die Wettfahrtleiter die Wetterkarte auch am Montagmorgen mit skeptischen Blicken, um dann angesichts der weiter herrschenden Starkwinde ein vorläufiges Notprogramm auf der landnahen Bahn zu entwerfen. Über Mittag entspannte sich die Situation aber, so dass alle Klassen noch auf die Bahnen geschickt werden konnten.

Mit dem Wasserprogramm war Peter Ramcke, Organisationsleiter auf den Dreiecksbahnen, am Abend zufrieden. „Wir haben viel mit den Klassen und Bahnen geschoben und haben so viele Rennen geschafft. Damit sind in allen Klassen mindestens vier Wettfahrten gesegelt und wir können unbesorgt in die Rennen der Goldflotte und die Finals am Mittwoch gehen, auch wenn für Dienstag eher schwache Winde vorhergesagt sind.”

Gerade unter den deutschen Top-Seglern hätten einige Crews allerdings gern mehr und intensiver in dem Starkwind gesegelt. Dazu gehörten auch die Augsburger Brüder Julian und Philipp Autenrieth, die im 470er nach einem mäßigen Auftakt zu starker Form aufliefen. „Am ersten Tag hatten wir Probleme mit den Schwertlippen und konnten nicht unser Geschwindigkeitspotenzial ausnutzen.

Heute war aber alles okay und es lief sehr gut”, sagte Vorschoter Philipp. Mit den Rängen 4 und 1 ließen sie in beiden Wettfahrten auch Olympiasieger Mathew Belcher hinter sich, der lediglich zweimal Fünfter wurde. Im ersten Rennen war das aber einem fatalen Patzer des Australiers geschuldet. Deutlich in Führung liegend war er mit seinem Vorschoter Will Ryan auf der Zielkreuz, ging dann aber noch einmal auf den Vormwind-Kurs und ließ gleich vier Konkurrenten passieren, bevor er seinen Kurs-Fehler bemerkte und ins Ziel fuhr. „Das ist das erste Mal in 15 Jahren, dass mir so etwas passiert. Ich dachte, wir hätten ein Vormwind-Ziel”, sagte Belcher.

Damit verlor er auch die Gesamtführung an die Griechen Mantis Panagiotis/Pavlos Kagialis. Hinter Belcher/Ryan folgen Ferdinand Gerz/Oliver Szymanski (München) auf Platz drei. Jasper Wagner/Dustin Baldewein (Berlin) sind Fünfte und die Autenrieths kletterten auf Platz sieben. „Unser Ziel für die WM wäre jetzt ein Platz unter den Top-15″, sagte Julian Autenrieth.

Bei den 470er-Frauen nutzten Annina Wagner/Elisabeth Panuschka (Berlin/Uerdingen) ihre aktuell starke Verfassung und setzten sich mit zwei Tagessiegen an die Spitze des kleinen Feldes vor den Australierinnen Carrie Smit/Jaime Ryan.

Deutschlands Laser-Ass Philipp Buhl (Kiel) hätte sich gern früher am Morgen in die Wellen gestürzt: „Wo ist das Problem? Es sind nur Wellen!” So musste er sich zwar lange gedulden, lief aber auch dann zu starker Form auf und kletterte mit den Rängen 1, 2 und 5 auf Platz zwei. „Es war gut, aber ganz zufrieden bin ich nicht. Ich will jedes Rennen gewinnen. Und so habe ich den Abstand auf den Esten nur um drei Punkte verkürzen können.” Karl-Martin Rammo (Estland) bleibt weiter an der Spitze und nötigte Tobias Schadewaldt (Oldenburg), der mit Platz neun weiter auf Kurs Finale liegt, angesichts seiner Statur Respekt ab: „Guck dir den mal an: Der könnte Finn segeln.”

Wie bei den 470ern sorgt auch bei den Lasern das weibliche Geschlecht für eine deutsche Führung. Lisa Fasselt (Essen) liefert sich mit der Weißrussin Tatiana Drozdovskaya weiterhin ein Duell auf Augenhöhe. Beide sind nach wie vor punktgleich, nun aber liegt Fasselt aufgrund eines mehr gefahren Tagessieges an der Spitze. Pauline Liebig (Kiel) folgt im Respektsabstand auf Platz drei.

Dänisch wird dagegen an der Spitze des Feldes der Skiff-Frauen gesprochen. Jena Mai Hansen/Katja Salskov-Iversen verteidigten ihre Topposition trotz zweier fünfter Plätze gegen Tamara Echegayen/Berta Betanzos (Spanien).  Aktuell tragen hier Victoria Jurczok/Anika Lorenz als Dritte die deutschen Hoffnungen.

Den längsten Tag aller Segler hatten am Montag die 49er-Männer. Sie mussten bereits am Morgen raus, um im letzten Qualifikationsrennen die 25 Teams für die Goldflotte zu ermitteln. Und am Abend starteten sie dann in die ersten Läufe der entscheidenden Runde. Mit dabei auch drei deutsche Teams, von denen die Junioren Justus Schmidt/Max Boehme (Kiel) in der Vorrunde einen starken Eindruck hinterließen.

„Das lief alles sehr gut”, freute sich Justus Schmidt. Im Finale mussten sie allerdings mit zwei 18. Plätzen erst einmal Lehrgeld bezahlen und fielen auf Platz 13 zurück. Souverän agierten dagegen Erik Heil/Thomas Plößel (Kiel), die nach insgesamt vier Tagessiegen in der Führungsposition liegen.

Nur in der Zuschauerrolle sind die Gastgeber in den beiden weiteren olympischen Disziplinen vor Kiel. Im Finn führt der Italiener Girgio Poggi, Phillip Kasüske ist hier als Zwölfter bester Deutscher. Bei den Mixed-Katamaranen Nacra 17 haben sich immerhin zwei deutsche Crews unter die Top-Ten gearbeitet. Finn Heeg/Merle Baars (Flensburg) sind Sechste, die Lokalmatadoren Paul Kohlhoff/Carolina Werner Neunte. Ganz vorn weht auch hier der Dannebro. Das dänische Duo Allan Nörregaard/Line Just führt vor den punktgleichen Italienern Lorenzo Bressani/ Giovanna Micol.

Hauptdarsteller sind die deutschen Starter bei den paralympischen Klassen. Heiko Kröger (Hamburg) ist in der 2.4mR überhaupt nicht zu gefährden und hat trotz stärkster internationaler Konkurrenz mit Olympiasiegerin Helena Lucas in vier Rennen vier Siege eingefahren. “Es war klar, dass Heiko hier gut sein würde. Das ist ehemals sein Heimatrevier”, sagte Lasse Klötzing, der als Viertplatzierter dafür sorgt, dass die deutsche Paralympics-Flotte auch für die Zukunft ein heißes Eisen im Feuer hat.

Ebenfalls vier Siege hat Jens Kroker (Mannheim) mit seiner Crew in der Sonar auf dem Konto. Allerdings muss er sich im ersten Auftritt dieser paralympischen Disziplin vor Kiel auch nur mit drei konkurrierenden Teams auseinandersetzen.

Für sechs Yacht-Einheitsklassen endet am Dienstag bereits die Kieler Woche. Und hier könnte es deutsche Siege regnen. In der neuen J/70 liegt der Berliner Max Nickel mit seiner Crew an der Spitze. In der ein Meter längeren J/80 dominiert Martin Menzner (Stein) auf dem Revier vor seiner Haustür das Geschehen nach Belieben, und Gordon Nickel (Cuxhaven) scheint die Konkurrenz in der Platu25 bestens im Griff zu haben.

Auf der Seebahn Alpha gab es viel Arbeit für die Rettungskräfte. Die deutschen Meisterschaften, die am Mittwoch entschieden werden, traten damit zwischenzeitlich in den Hintergrund. Ohne Verletzte, aber auch ohne die obere Hälfte des Mastes kehrte die „Piranha” von Christian Rönsch (Kiel) in den Hafen zurück. Sie war im Rennen mit einer entgegen kommenden Yacht im Mastbereich kollidiert und musste mit ansehen, wie das teure Karbon zersplitterte.

Scheinbar dramatisch schien die Situation auf anderen Yachten. „Auf der „Immac One4All” erlitt eine Seglerin einen Kreislaufkollaps. Die Hintergründe sind völlig ungeklärt, da Skipper Kai Mares auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr bei seiner Crew achtet. Die Seglerin wurde abgeborgen und ins Krankenhaus gebracht. Ebenso medizinische Unterstützung benötigten zwei weitere Segler auf anderen Yachten, nachdem sie sich ohne Fremdeinwirkung eine Platzwunde und eine Hüftverletzung zugezogen hatten.

Ergebnisse Kieler Woche 2014

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