Meinung Kieler Woche: Sinkende Meldezahlen – Wo geht die Reise hin?

KiWo in der Krise

Die Kieler Woche ist nicht mehr das, was sie mal war. Diese Feststellung hörte man zum Abschluss der gerne als größtes Segelfest der Welt gefeierten Veranstaltung immer öfter. Die Normalos des Segelsports verlieren den Kontakt. Zu teuer, zu wenig Leistung, zu kommerziell.

Der Niedergang der sportlichen Qualität und Quantität des ersten olympischen Teils mag noch besonders unter dem verlorenen Weltcup Status und einer abenteuerlichen ISAF Politik mit leiden. Aber die Probleme für den zweiten internationalen Teil sind hausgemacht.

Die Kritik kommt von der Basis. Und sie wird umso lauter, je weniger Rennen die Segler für ihr Geld bekommen. Diesmal waren es für viele Klassen nur vier Läufe in vier Tagen. Da kommen potenzielle Teilnehmer schon mal ins Grübeln. Lohnt sich der Aufwand Kieler Woche noch? Sind die Meldegelder von 100 Euro (Einhandklasse) bis 140 Euro (Zweihandklasse) zu hoch?

Umfeld wird wichtiger

Für den Wind kann niemand etwas. Aber heutzutage dürfen sich Veranstalter nicht mehr alleine auf den Sport verlassen. Immer wichtiger wird auch das Umfeld an Land. Bei einer Klassenregatta hilft die Gemeinschaft der Segler. Man kennt sich, mag sich und sieht das Miteinander als wichtigsten Teil der attraktiven Freizeitgestaltung.

Bei einer Kieler Woche sieht man die Klassen-Kumpels aber kaum. Es gibt keinen gemeinsamen Anlaufpunkt. Man sieht sich nur beim Schlange stehen vor der Anmeldung, auf der Sliprampe und der Regattabahn. Wo früher zu Urzeiten abends noch gemeinsam in der Vaasahalle abgetanzt wurde werden jetzt Klamotten verkauft. Und nicht jeder mag die Fressmeile mit Backfisch, Pommes und Touristen.

Klar, die Übertragung ist Spitze. Nirgendwo sonst wird so viel Aufwand bei der Medialisierung getrieben. Audi und SAP zahlen und präsentieren. Der Segelsport wird perfekt inszeniert. Aber das hilft nur einer Handvoll Olympiaseglern. Zunehmend kommen auch die Medien in Erklärungsnot, weil der sportliche Wert eines Kieler Woche Sieges mangels adäquater Konkurrenz immer weiter absinkt.

KiWo mit EM aufgepeppt

Die Veranstalter haben in diesem Jahr mit einer Maßnahme auf die sinkenden Meldezahlen reagiert, die früher ein absolutes No Go. Sie integrierte eine hochkarätige Meisterschaft in die Woche. Die 29er brachten für ihre Europameisterschaft 183 Schiffe nach Kiel. Nur die Travemünder Woche hatte es bisher nötig, die Bedeutung auf diese Weise aufzupeppen.

Aber kann das der Weg der Zukunft sein? Ob OK-, Contender- oder FD-Segler noch länger Lust haben ihre Rolle im Rahmenprogramm zu spielen. Piraten und Kielzugvögel sind längst raus. Sind die FDs und Folkeboote die nächsten? Sie brachten nur knapp über 20 Boote nach Kiel.

Dagegen funktioniert die KiWo für die Jugend richtig gut. Nicht nur durch den Trick mit der 29er Euro wurde Schilksee zur Mitte der Woche von den Kids überschwemmt. Auch die 420er bringen traditionell fast 200 Schiffe an den Start. Dazu 55 Europes, 43 Laser Radial und 52 Laser 4.7. Keine Frage, die Youngster haben das Kommando bei der Kieler Woche übernommen. Wie schon beim Pfingstbusch, der heutzutage Young Europeans Sailing heißt. Eine tolle, frische Stimmung herrschte zum zweiten Teil der Regatta in Kiel. Aber manch ein Oldie in den klassischen Klassen fühlt sich immer mehr fehl am Platze.

Normalo Segler meckern

Irgendetwas stimmt nicht mehr mit der Kieler Woche. Die Normalo Segler fühlen sich nicht mehr genügend berücksichtigt, so tönt es auf dem Takelplatz. Selbst die 505er Segler, die zur KiWo die große WM Generalprobe ausgerufen hatten, brachten mit 61 Schiffen ein eher enttäuschendes Feld an den Start. Und auch die waren eher unzufrieden. Auf dem Wasser sei vieles schief gelaufen.

Dass man auch positive Impulse setzen kann, zeigten die Musto Skiffs. Die akrobatische Einheitsklasse bringt neuen Schwung auf die Förde. Immerhin 37 Schiffe aus sieben Nationen gingen im zweiten Jahr nach der Premiere in Kiel an den Start. Sie rührten die Werbetrommel und überzeugten sogar 15 Briten, an die Förde zu kommen. Unter anderem gab schließlich das Organisieren günstiger Unterkünfte den Ausschlag.

Eine schöne Erfolgsgeschichte schreibt auch die J/24 Klasse, die wieder 37 Schiffe an die Förde brachte. Gerade dieses Beispiel zeigt, was der Zusammenhalt von aktiven Klassenvereinigungen bewirken kann. Die Kieler Woche Organisatoren müssten vielleicht einfach besser hinhören, was den Seglern fehlt. Wenn der Wind ausbleibt und sich der Segelspaß reduziert, wird die aktuelle Unwucht zwischen Spitzensport und Attraktivität für die Basis immer deutlicher.

Es ist sicher noch Zeit, gegenzusteuern. Aber dafür müsste das Ruder auch mal in eine andere Richtung bewegt werden.

Gesichter von der Basis

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Bereits zum vierten Mal ist der Däne Ole Lahn Stangenberg hier. Für den Contender Segler funktioniert die Kieler Woche noch, weil seine Klasse es immer noch schafft,”daraus eine große Party zu machen”.

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„Ich bin tot, der Rückweg war echt der Hammer und ich habe blaue Flecken unter der Trapezhose“, sagt Fenja Maiwald. Mit ihrem Contender ist die junge Frau, die gerade Abi gemacht hat, von Steinhude nach Kiel gekommen, um auch einmal in einem großen Feld zu segeln. Gar nicht so leicht als einzige Frau!

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Der Renter Uli Borchers vom Segel-Club Stevertalsperre e.V. hat vor sechs Jahren wieder angefangen Jolle zu segeln. In diesem Jahr ist er zum ersten Mal mit seiner OK Jolle auf der offenen See. Dieses Erlebnis reicht dem 68-Jährigen für ein persönlich positives Fazit  “auch wenn Bahn Kilo schon ganz schön weit draußen ist”.

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Siegfried Busse von der Segler-Vereinigung Kiel, Uwe Pfuhl und Hendrik Scheidler mögen das internationale Flair in Kiel. “Folkeboot segeln ist unser Hobby und Kiel unser Heimatrevier, da müssen wir einfach teilnehmen.”  Die schwache Meldezahl von 21 Booten sieht er aber mit Sorgen.

 

 

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Carsten Kemmling

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28 Kommentare zu „Kieler Woche: Sinkende Meldezahlen – Wo geht die Reise hin?“

  1. avatar Ketzer sagt:

    Kritikpunkte:

    1) Preis/Leistung stimmt nicht. Preis ist generell okay für 4 Tage, aber bei jeder “kleinen” Vereinsregatta sind dafür Kost und Logis inklusiv. Sich auf der Exklusivität der KiWo auszuruhen reicht heutzutage halt nicht mehr.

    2) Die Entfernungen zu den Regattabahnen sind einfach zu weit. Nach einer Regatta bei Hackwetter noch schlimmstenfalls 1 h zurück kreuzen zu müssen ist nicht nur nervig sondern auch unsicher.

    3) Irgendwie ist die Jahreszeit definitiv schlecht gewählt. Ich kann mich an kaum eine KiWo erinnern, bei der das Wetter mal nicht unentspannt war. Gewitter und Schauerböen gehören für mich irgendwie zum festen Rahmenprogramm der KiWo. In Verbindung mit der weit draußen liegenden Bahn hat mich das beim Abwettern eines Unwetters schon oft über den Sinn des ganzen grübeln lassen.

    Den o.g. Punkt, dass man keinen gemeinsamen Anlaufpunkt hat, kann ich nicht bestätigen. Das ist eine Frage der Klassenvereinigungen und des Zusammenhalts, wir haben es eigentlich immer geschafft, ein gemeinsames Programm auf die Beine zu stellen (Grillen, Trailer/Zeltpark).

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  2. Die hier geäußerte Kritik ist mehr als berechtigt! Der allgegenwärtige kommerzielle Trubel hat mit den Werten der “Normalos” nix mehr zu tun – die Geselligkeit in der Gemeinschaft kommt zu kurz – nur selbst organisiertes Begleitprogramm macht es noch erträglich. Die Höhe des Meldegeldes hat damit nix zu tun – wenn der Gegenwert (das gemeinsame Erlebnis) stimmt, ist das einafch kein Problem. Mein persönlicher KW Höhepunkt: EM Finale 1992 Dänemark-Deutschland (2:0) in der Vasahalle. DIESEN “Spirit” gibt es schon lange nicht mehr. Einzige wirkliche Verbesserung seitdem: Umfang und Zustand der sanitären Anlagen 😉 Die offenkundig davon Lichtjahre entfernte und völlig abgehobene Haltung der Organisatoren lässt leider so gar nicht auf Besserung hoffen.

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  3. avatar Jibman sagt:

    Sehe ich auch so. War dieses Jahr zum ersten Mal dabei, dabei bleibt´s auch. Lange Wege, viel Rummel, viele Selbstdarsteller, bei Seglern und Besuchern.
    Aber dann sind wir doch konsequent: Ein hippes jugendorientieres mediales Großevent mit Musik, Show, Rummel,Hafenvorfeldwettfahrt auf Kurzbahnen, alles für die Show.
    Wenn das die Zukunft ist – nur zu, jeder ist frei, da (nicht) teilzunehmen.Ich geh dann einfach woanders hin, no problem.

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  4. avatar Seesegler sagt:

    Mmmh, zu geringe Meldezahlen in vielen Klassen sicherlich…
    Aber bei den 505er sind immerhin 61 Boote an den Start gegangen. Woher kommt die im Artikel genannte Zahl von 44 Booten (das wären immerhin 17 Boote weniger)?
    Siehe: http://www.manage2sail.de/de-DE/event/d30883d3-2876-4d7e-af49-891af6cbae1b/#!/results?classId=08fae234-aac6-4c93-9e45-9a9aa550ba80

    In 2013 brachte die Klasse nur rund 45 Boote an den Start, 2012 waren es 51 Boote. Sind also in diesem Jahr etwas mehr Boote geworden?! Schlechte Recherche?!

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    • avatar Jibman sagt:

      Die Fiven haben im Augst ihre WM in Kiel daher ist hohe Beteilgung nicht übrerraschend.
      Wie gesagt: Ich meine, wer sich auf hektischem Großevent wohlfühlt – nur zu,kein Problem. Für mich ist das nichts, und da sollten wr tolerant sein.

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      • avatar Seesegler sagt:

        Jibman, da hast du sicherlich Recht mit der “hohen Beteiligung” und die WM wird ein Grund sein.
        Allerdings stört mich, dass im Artikel eben von geringer Beteiligung dieser Klasse geschrieben wird (siehe 44 Boote)… passt irgendwie nicht zusammen?!

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  5. avatar Heiko Kröger sagt:

    Als Kieler Woche Veteran habe ich die “guten alten Zeiten” mit Vaasahallenparty und einem Rennen am Tag noch bestens in Erinnerung. War das wirklich so viel besser? 80 DM waren im Laser vor 25 Jahren auch eine Menge Geld. Auf der von Frank Schönfeld besungenen Bahn Delta in der Strander Bucht starteten wir mit mehr als 80 Lasern, 80 420ern, und etlichen OK-Jollen. Auch nicht gerade optimale Bedingungen für optimales Regattasegeln.
    Die Kieler Woche ist keine Deutsche Meisterschaft mit gemütlichem Beisammensein. Die Klassen sind nicht unter sich aber ist das nicht gerade der Reiz einer solchen internationalen Regatta?
    Weltweit werden die Weltcups und Eurosaf-Regatten nur für olympische Klassen ausgeschrieben. Dass Internationale Klassen dabei sind, ist nur in Kiel Travemünde und Warnemünde der Fall. Wer olympisch segelt, weiss, dass weltweit die Meldegelder oft erheblich teurer sind und an Land nichts! geboten wird – siehe Medemblik oder Weymouth. Kiel ist da eine absolute Ausnahme!
    Die Kieler Woche setzt seit den letzten Jahren den Maßstab für medien- und zuschauergerechte Präsentation des Segelsports. Die Live-Berichterstattung ist der Hammer und bringt unseren Sport aus der medialen Bedeutungslosigkeit heraus.
    Es gibt sicher viele Probleme, an denen dringend gearbeitet werden muss. Die Organisatoren der Kieler Woche haben sich lange – viel zu lange – auf ihrem Ruf aus vergangenen Tagen ausgeruht. Der Wettbewerb um den Weltcupstatus ging verloren. Der Eurosaf-Cup ist eine Farce.
    Ich glaube die Kieler Woche muss ihre Hausaufgaben erledigen aber sie ist nicht so schlecht, wie sie im Artikel beschrieben wird.

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    • avatar Backe sagt:

      Heiko, “medien- und zuschauergerechte Präsentation” trifft aber nur für einige wenige Klassen und Segler zu … und je spitzensportlicher der äussere Anschein der Veranstaltung, desto mehr Breitensportler fühlen sich abgetörnt, weil das eben komplett an denen vorbei läuft. (siehe unten, hat sich überschnitten)

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      • avatar stefan sagt:

        …zudem stellt sich die Frage was der einfache Klassensegler von einer “medien- und zuschauergerechte Präsentation” hat. Er muss trotzdem noch Startgeld zahlen und im ganzen drum herum hilft es ihm auch nicht. Das die semi-Profis mit ihren Olympiakampagnen davon profitieren, steht ja ausser Frage. An der großen Masse geht das aber vorbei. Und letztendlich machen es die Firmen wie SAP, Audi usw. auch nur aus Selbstzweck. Für den Einzelnen verbessert sich dadurch nichts.

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        • avatar Backe sagt:

          Njain … als “einfacher Segler” profitierst Du dann, wenn Deine Bootsklasse ausreichend Medienaufmerksamkeit abbekommt. Eine Klasse die ausreichend PR bekommt (oder macht, wie man so schön sagt), wirkt eben attraktiver für Umsteiger. Das sichert dann auch die Meldezahlen an der westfälischen Talsperre.

          Die Contender haben seinerzeit sehr von ihrem ersten KW-Auftritt und der damit verbundenen Medienaufmerksamkeit profitiert. In den Jahren danach gab es einen echten Run auf die Klasse, von der wir – gut gemanaged und sogar noch ausgebaut – heute noch zehren.

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  6. avatar Schnappi sagt:

    Gute Mediale Aufarbeitung? Ich habe eine 470er (Männer) Übertragung gesehen und nach 10 Minuten abgeschaltet. Da gingen die Kommentare mit den Bildern und den Seglern munter durcheinander, plötzlich wurden dann einfach Frauenboote für Männerteams verkauft und all sowas … entweder der Kommentator war besoffen oder völlig unqualifiziert.
    Was die Leistungssegler wirklich stört ist:
    – Probleme bei der Wettfahrtleitung auf dem Wasser, Tonnen werden ewig nicht verlegt, Startlinien auch eher selten. Leute werden von der Jury angepfiffen obwohl O oben ist etc. …
    – der Trubel an Land macht das ganze ohne Ende stressig, Zuschauer sind ja schön und gut, aber wenn der Weg zur Liste zum Kampf wird ist das unschön.
    – das wichtigste ist wohl das ausbleiben der Konkurenz, wenn die internationalen Topteam (vor allem aus erstem Grunde) ausbleiben, braucht man da nicht mehr hinfahren.

    ^^

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    • avatar thorsten sagt:

      “Leute werden von der Jury angepfiffen obwohl O oben ist” ??
      das habe ich allerdings nicht mitbekommen, ist auch mit ziemlicher sicherheit nicht passiert.

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  7. avatar Backe sagt:

    Ich war dieses Jahr nicht dabei und die (für die KW) schlimme Erkenntnis ist: Mir hat nichts gefehlt …

    Für die Contender-Klasse gesprochen gibt es zwei generelle Probleme:

    1. Startgelder: die sind definitiv zu hoch. (Wir haben viele junge Segler bzw. Kleinverdiener, die ihre Segelei selbst finanzieren müssen. Für die sind 100 € plus Camping plus Anreise einfach too much. Die fahren dann für ein 3-4 Tages-Event lieber zur TW, nach Holland oder Dänemark)

    2. Identifikation mit der Veranstaltung: Je spitzensportlicher bzw. sponsorenfreundlicher die KW sich präsentiert, desto mehr Breitensportler verliert sie. So einfach ist das. Ich wurde letztes Jahr bei einer PK gefragt, ob unsere Leute nicht das tolle mediale Angebot zu schätzen wüssten. Welches mediale Angebot?, musste ich da zurück fragen. Race-tracker, TV-Bahnen, Segler-Interviews im KW-TV, etc. – dieser ganze Bohei läuft ein vielen Klassen schlicht und einfach vorbei … Von den elitär sich abschließenden Audi-lounges und Konsorten ganz zu schweigen … Das wirkt auf Ludwig und Lieschen Müller einfach nur total arrogant und animiert zum Wegbleiben.

    Peter Ramcke hat zumindest Teile des “Identifikation-Problems” auf dem Schirm. Schon vor zwei Jahren hat er den KV’s angeboten, mehr für sie zu tun und gefragt, was denn gewünscht würde. Die Klassen-Grillabende im (ehemals ebenfalls als elitär wahrgenommenen) HSC/NRV – Zelt an der DGZRS-Station sind ein schöner Anfang, aber noch zu wenig.
    Wünschenswert wäre z.B. auch eine striktere Organisation, welche Klasse wo zu stehen hat – was dann auch von Seiten der Veranstalter besser kontrolliert werden müsste. Das käme nicht nur dem Zusammenhalt in der Klasse zu gute, sondern es würde auch eine Geste der Wertschätzung sein … Starboot- oder Achtfach-Laser-Trailer, die stumpf vor die Jollenareale geschoben werden, nerven umso mehr, wenn man sich nach 8 Stunden (2 Wettfahrten + Wartezeiten + 3 Stunden rein/raus segeln) kaum noch die Slippe hochschinden kann, und dann nicht mal ein Loch findet, um das Joll auf den Platz zu ziehen.
    Noch eine schöne Idee wäre soetwas wie ein Klassenzelt (so’n Gartendingsbums, 5 x 5 Meter groß), wo man sich umziehen und sein Tüddelüt drin verstauen kann. Das wäre dann auch gleich der designierte Treffpunkt für das (bei den Contendern übliche) Einlaufbier und die Klassengrillung. (Scheitert aber vermutlich schon daran, dass so ein Zelt auch in irgendeiner Form “bewacht” bzw. “gemanaged” werden müssten, wenn die Segler draussen sind …)

    Insgesamt finde ich die Entwicklung rund um die KW auch besorgniserregend, nicht nur für die Veranstaltung selber, sondern auch für den gesamten Segelsport in Deutschland.
    Es gibt da doch noch einige “Verwaltungspersonen” (auch beim DSV, den Vereinen oder auch der Stadt Kiel) rund um dieses Event, die den Schuss noch nicht gehört haben und dringend den Rücken ihrer allzu hohen Rösser verlassen müssen.

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    • avatar Backe sagt:

      Carsten, kleine Idee für Euch:
      Tickert doch mal die Vorsitzenden der Klassen im Internationalen Teil an und fragt, was sie sich “offiziell” für ihre Klassen wünschen. Ergänzungen und fruchtbare Diskussionen anderer Segler hier im Kommentar-Teil werden sicher folgen.
      Ist zwar vermutlich ziemlich viel Arbeit, aber es dürfte es wert sein, weil es nirgendwo sonst eine derartige Diskussions- und Vergleichsmeinungs-Plattform gibt wie bei Euch. (wer weiß … dann bist du bald Pressesprecher der KW, wenn Herrmann in Rente geht :.)

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  8. avatar Leser sagt:

    Es gibt zum Glück wunderbare Alternativen zu diesem ganzen Kirmes- und Kommerzgedöns in Kiel und Travemünde: Warnemünder Woche, Medemblick,…

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  9. avatar Fastnetwinner sagt:

    Vorweg: Backe hat in allen drei Kommentaren mehr als Recht. Genau so ist es.

    Meines Erachtens nach definiert sich Spitze nur über Breite, denn was ist ein Sieg wert, wenn es keine breiten Felder gibt? Ich bin mit Pausen seit 23 Jahren in Kiel. Mal weit oben, mal weiter hinten. Und man fühlt sich irgendwie schon nur noch als Beiwerk, damit wenige Berühmtheiten glänzen und Q7 fahren können. Tip an die Orga:

    – Weniger Klassen, aber hierbei im Schulterschluss mit den KV die richtigen auswählen.
    – Lieber einen arrivierten Knickspanter mit 80 Booten als eine Marketing-Hype-Bullshit-Künstlich-Klasse mit 28 Booten.
    – Kürzere Anreise zu den Bahnen
    – Zusammenlegung von Olympischen Klassen und anderen Klassen wie früher. Eine Woche für alle!
    – Weniger Pommesbude und mehr Vaasa-Halle
    – Weniger SAP und mehr Mount Gay
    – Keine Medal-Races

    Alles in allem hört sich meine Aufstellung an eine Reise in die Vergangenheit an. Macht aber nichts, denn da stimmten die Meldezahlen noch und die KiWo war ein Fest für alle Segler, nicht separiert nach Cracks und Beiwerk.

    PS: Dank an die tolle mediale Aufbereitung! Zu Hause am Bildschirm war das gut zu verfolgen. Für teilnehmende Segler ist der ganze Aufwand allerdings gänzlich irrelevant, weil ich nach Rückkehr von der Bahn bestimmt nicht im Netz die anderen Klassen verfolge, sondern mir das lieber live vorm Zapfhahn anhöre. Segeln ist und bleibt Nische, auch wenn das mancher nicht war haben will. Das wird sich durch mediale Aufbereitung auch nicht ändern.

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  10. avatar Mc sagt:

    Segeln unterliegt in den Klassen permanenter Veränderung. Die Berichterstattung ist hier auf SR leider gefärbt. Keine Worte über mehr als 20 j 80, kein Bericht über Albin express, die von einigen Clubs ( zb FSC als Jugendboot) gekauft wird…
    Die Kieler Woche war schon lange ein großes Monster ( kein Platz für Auto , Schiff mit weiten Wegen).
    ps In der Stadt unten würde gar nicht auffallen, wenn nicht gesegelt würde.

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  11. avatar Lars sagt:

    Es waren 65 505er gemeldet und 62 Boote waren auf dem Wasser Im Artikel war nur von 44 Booten die Rede.

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    • avatar Carsten Kemmling sagt:

      Jep, das war ein Fehler. Sry. Edit. Ändert aber nichts an der Aussage.

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  12. avatar schorsche sagt:

    Die Kieler Woche ist immer noch ein besonderes Erlebnis!

    Ich war ´75 das erste Mal dabei …. und danach mit Unterbrechungen immer mal wieder.
    Die z.T. langen Anfahrtswege lassen sich nun mal nicht ändern … das war schon immer so!
    Mit dem 420 auf die Bahn Charly (damals noch vor Wendorf) – da musste man früh los und kam spät wieder.
    Wenn ich mich recht erinnere war der 1. Start früher immer um 10:00Uhr und soviel Trainer und Schleppboote gab es auch nicht.

    Wer Bock hat auf der See zu segeln und Teil eines grossen Events zu sein – dieses unglaubliche Gefühl mit so vielen Booten gleichzeitig auf die Bahnen zu segeln geniessen kann – der wird wohl auch in Zukunft nach Kiel kommen.

    Und klar: bei so viel Kommerz-Rummel an Land könnte das Sponsoring doch schon auch uns, den Seglern und Hauptaktionären der ganzen Chose zugute kommen. Etwas moderatere Meldegelder (oder fast frei???!!!!) wären bestimmt auch ein Argument den Trend zu stoppen/kippen.

    Trotz enttäuschend weniger Wettfahrten in diesem Jahr (wäre bei uns mehr drin gewesen) hat es mir persönlich wieder Spaß gemacht. Die € 210,- (inkl. Nachmeldegebühr tun aber schon weh).

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  13. avatar schorsche sagt:

    P.S. Warum nur “scales” Du die Meldezahlen runter in Deiner “Meinung”, Carsten? Ich glaube es waren in diesem Jahr soviel Segler wie noch niemals zuvor auf dem Wasser. Dafür gibt es natürlich auch Gründe.

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  14. avatar Sailor sagt:

    Ich muss Carsten Keimling zustimmen… Natürlich kann keiner etwas für den Wind, aber 140€ finde ich persönlich zu viel und ich muss sagen, dass ich das Gefühl hatte das Klassen wie der 420er, wo sogar 170 Boote gemeldet hatten aufgrund der EM von den 29er zu kurz kamen. Bei der Bahn Echo entsteht halt keine Thermik mehr, während die 29er schön bei 3 bft. ihr Wettfahrten segeln durften mit der Begründung es sei ja ihre EM. Was bringt Klassen wie den 420er die ganze Medieneinsetzung, wenn sie, wie viele anderen Klassen, keine tracker bekommen und kein einziges Rennen übertragen wird…von den 29ern aber sehr viele…

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    • avatar Franz sagt:

      Zur Ergänzung: Die 420er haben vier Rennen in den einzelnen Gruppen gefahren, eins davon bei einem Gewitter, eins mit gefühltem Null Wind auf der Zielkreuz, nach Winddrehern keine Bahnänderungen, dadurch Aufzüge massenhaft, bei Wasserzeiten ( Segel/ Wartezeiten) bis zu 9 Stunden. Die Zusammensetzung des Startfeldes war international hochwertig, da aufgrund der kommenden WM in Travemünde schon viele Mannschaften in Deutschland sind.
      Frage: Warum wurden hier nicht auch zwei Bahnen angeboten?
      Die gleiche Situation war bei der Yes zu beobachten, alle Klassen wurden auf die Bahn geschickt, die nur drei oder weniger Wetfahrten hatten, laut Pressemitteilung, bei den 420 er konnten sie wohl nicht zählen, auch hier nach drei Segeltagen drei Wettfahrten bei endlos langen Wasserzeiten.
      Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

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      • avatar Sailor sagt:

        Ja bei der YES war ich auch und hatte das gleiche Gefühl…. Nur weil in Kiel kein 420er trainiert wird, bedeutet das ja nicht, dass man sie benachteiligen muss. Besonders wenn im 420er Teams aus Singapur, USA, Australien etc. am Start sind.

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    • avatar Andreas sagt:

      Wenn Sponsoring, dann wäre es eine gute Idee wenn die Sponsoren das Startgeld sponsern würden.

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  15. avatar Piet sagt:

    Die Kieler Woche stirbt aus.
    Ist leider so.

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  16. avatar Andreas sagt:

    Früher war ich bei jeder Kieler Woche dabei. Ein Großereignis, damals noch mit DDR und Sowjet-Sportlern am Start. Trostlosigkeit in der Beton-Wüste nach den Spitzen-Klasse-Rennen auf der Ostsee. Es waren gefühlte 90% Normalos und ein paar Kader-Segler. Abends wurde in der Nordseehalle noch gefeiert was das Zeug hielt. Völkerverständigung vom Feinsten. Ich glaube, wenn ich die Hochglanz-Kielerwochen von heute sehe,.. es liegt weniger an den Organisatoren, die wirklich ihr Bestes geben, als vielmehr an dem allgemeinen Trend zur Elitärissierung einer Sportart, bzw. vieler Sportarten. Es gibt keinen Schuldigen in dem Sinne. Ein Blick auf den Solent im Sommer, zur Cowes Week zeigt aber, dass es auch anders geht. Einfache Boote, z.T. in sehr großen Feldern. Alt (sehr alt) und Jung, alles dabei. Und daneben rasen die schnellsten Yachten der Welt um die Tonnen. Fazit: Nicht nur auf die Spitzenleistung schauen, sondern einfach rauf aufs Wasser und wieder SPASS am Segeln entdecken und weitergeben!!! ( Und bitte keine PINK-farbenen Crew-Pullis mehr, bitte bitte bitte…)

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