Kieler Woche: Starkwind bei der Rückregatta von Eckernförde

Total überpowert

"Tutima" vor dem Wind © Peter Neumann

“Tutima” vor dem Wind © Peter Neumann

Angespanntes Warten auf die offiziellen Ergebnislisten mischte sich am Sonntagabend mit der Erschöpfung vieler Teilnehmer nach einem mehrstündigen Starkwindeinsatz der Seesegler auf der Kieler Woche. „Ich brauche jetzt erstmal ein Bier“, meinte Kirsten Harmstorf von der „Tutima“, „für uns Mädels war das wirklich grenzwertig.“ Ihre 15-köpfige reine Frauencrew bringt zusammen nur 990 Kilogramm auf die Waage. „Da sind auch kleine Persönchen bei“, schmunzelte die Skipperin, „bei dem spitzen Kurs aus der Eckernförder Bucht raus haben wir den Spi lieber weggelassen, bevor der uns gleich um die Ohren fliegt.“ Ihr ORC-I-Team ist Gesamtsechster.

Mit großem Abstand war die „Platoon“ von Harm Müller-Spreer in beiden Rennen ins Ziel gekommen, obwohl auf der supermodernen Carkeek 47 von Botin ein Backstag brach und das Großsegel zwischendurch geborgen werden musste. Mit einer Profi-Crew um den Starnberger Markus Wieser blieb die Hightech-Yacht dennoch zweimal ungeschlagen.

ONE4ALL

Gesamtzweiter der Gruppe ORC I nach dem ersten Wochenende der Seesegel-IDM bei der Kieler Woche: die IMMAC One4All. © Hendrik Arendt

„Die sehen wir nach einer Weile gar nicht mehr, nicht mal mit dem Fernglas“, beschrieb Kai Mares aus Kiel die ungleiche Konkurrenz, „da können wir immer schwer abschätzen, ob die berechnet zu knacken sind“. Sonntag habe der Kurs aus raumen Schenkeln die neueren Boote mit asymmetrischen Gennakern bevorteilt, so der Skipper der 16 Jahre alten „IMMAC One4All“, die mit einem bauchigen Spinnaker gesegelt wird. Außer einem mittig durchgebrochenen Spibaum hatte die junge Nachwuchscrew keine Schäden zu verzeichnen, aber einen persönlichen Speedrekord aufgestellt. Gut 19 Knoten bedeuteten Herzklopfen und Juchzen bei den 18-, 19-jährigen, so Mares, der mit Leistung und Platzierung als Gesamtzweiter hochzufrieden war.

Silva Neo ORC I

Die GP 42 “Silva Neo” gab die Rückregatta von Eckernförde nach Kiel mit Materialschäden auf © Sven Jürgensen

Dagegen gab die Mitfavoritin „Silva Neo“ mit Dennis Gehrlein aus Heidelberg die Rückregatta auf. Hatten die Bootsbauer den 40-Zentimeter-Spalt im Karbondeck durch das herausgerissene Fockfall über Nacht noch geflickt, war gestern dann die kleine Genau 4 gleich viermal aus der Vorstagführung geflogen. „Die Lernkurve an Bord ist trotzdem steil“, so der Skipper, „und wir haben den deutschen Meistertitel auch noch nicht abgeschrieben.“

Auf dem Wasser ist die „LEU“ in der Gruppe ORC II eine Klasse für sich. Auch am Sonntag steuerte Albert Schweitzer den Einzelbau wieder acht Minuten vor der Corby 38 „Rockall IV“ von Christopher Opielok aus Hamburg über die Ziellinie. Allerdings muss der Titelverteidiger auch am meisten vergüten. Und dabei fehlte berechnet auf dem Rückweg 44 Sekunden zum Sieg. In der Gesamtwertung blieben nach dem gewonnenen Welcome Race zwei Zähler Vorsprung.

Die 'Solconia', das zweite Jugendboot des HSC. will den Deutschen Meistertitel in der Klasse ORC III. ©Alexander Grote

Die ‘Solconia’, das zweite Jugendboot des HSC. will den Deutschen Meistertitel in der Klasse ORC III. © Alexander Grote

Für die kleinen Schiffe der ORC III hatte Seebahnchef Ecky von der Mosel extra noch das Zeitlimit auf 20 Uhr verlängert, damit alle die 40,6 Seemeilen schafften. Sie führten über Damp bis nach Schleimünde ums Sperrgebiet zurück ins Ziel am Kiel-Leuchtturm. Einmal mehr unterstrich Max Gurgel vom Hamburger Segel-Club nach der „RubiX“-Überraschung als Vorjahressiegerin nun auf der „Solconia“ seine Klasse und geht als Spitzenreiter in die dreitätigen Kurzrennen ab Montag.

„Wir waren total überpowert und hätten eigentlich reffen müssen“, erzählte Gurgel vom Starkwindrennen, „aber das haben wir unterwegs einfach nicht mehr gemacht.“ Nach gelungenem Leestart hatte seine Mannschaft unter Spi zunächst freie Bahn, war dann aber am Wind mit dem Bootsspeed unzufrieden. In der Folge blieb im zweiten Teilstück nur Rang drei hinter Jürgen Klinghardts „Patent3“ und der „Sportsfreund“ von Axel Seehaver. Gurgel: „Da ist noch Luft nach oben.“

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4 Kommentare zu „Kieler Woche: Starkwind bei der Rückregatta von Eckernförde“

  1. avatar Jörg sagt:

    Gibt’s irgendwo die Ergebnisse der 2.Wettfahrt?
    Kennt jemand die Ergebnisse der Ballad Gruppe?

    Das vielgerühmte Livecenter von SAP weist seit heute vormittag die Ergebnisse von gestern aus…immerhin…

    Gruss
    Jörg

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  2. avatar Knipser sagt:

    Toll, 1:1 der Bericht aus der Kieler Nachrichten. Sehr kreativ.

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