Kieler Woche: Große ORC Flotte, 160 29er bei EM, keine Surfer

Barrierefrei, ausgebucht und abgesagt

Von Superlativen verwöhnt ist die Kieler Woche 2014 um eine weitere Attraktion reicher, die eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Zehn Jahre nach der ersten Bedarfsmeldung wurde im Olympiazentrum Kiel-Schilksee nun eine Rampe fertiggestellt, die einen barrierefreien Zugang mit Rollstühlen zum Steg gewährt.

Dadurch konnte erstmals auch die paralympische Sonar-Klasse ausgeschrieben werden, zu der sich sogleich die Silbermedaillengewinner von Weymouth 2012, Jens Kroker, Robert Prem und Siegmund Mainka angemeldet haben.

Bei wenig Wind musste das deutsche Sonar Team nach Renn-Abbrüchen lange auf seinen Einsatz warten. © IFDS

Mangels Rampe musste das deutsche Sonar-Team lange auf seinen ersten Einsatz bei der Kieler Woche warten. © IFDS

„Von den Sonaren geht die Signalwirkung aus, dass Kiel endlich logistisch noch besser auf die behinderten Seglerinnen und Segler eingestellt ist“, sagte der oberste Wettfahrtleiter Peter Ramcke auf der Vorab-Pressekonferenz in Hamburg, „die unterliegen im ersten Jahr auch keiner Mindestmeldezahl.“ Acht bis zehn Boote, darunter jedoch die internationale Spitze, werden erwartet. In der ebenfalls paralympischen 2.4mR-Klasse auf derselben Bahn sollen es mehr als 50 sein.

Mit rund 500 Meldungen aus 40 Nationen liegt die Kieler Woche dieses Jahr einen Monat vor dem Start am 21. Juni nach Auskunft der Veranstalter schon über dem Soll. Als Generalproben für die Weltmeisterschaften der 505er und ORC-Yachten im Anschluss trägt die international frühzeitigere Meldemoral Früchte.

Auch die mit 160 Booten bereits stark gebuchte 29er-EM im zweiten, internationalen Kieler Woche-Teil ab Donnerstag entpuppte sich als starkes Zugpferd. Allerdings gibt es auch wieder Wermutstropfen im Aufgebot. In der olympischen RS:X-Klasse hatte gerade einmal ein Inder zugesagt und bei den Frauen niemand. „Beide Disziplinen müssen wir abblasen“, so Ramcke.

Der Regattachef fährt nach dem Ausstieg aus dem Segelweltcup 2012 dieses Jahr keine neuen, eigenen Formate, sondern einen ISAF-konformen Kurs. „Wir wollen der Weltspitze den Rahmen bieten, den sie auch in Rio 2016 erwartet.“ Das heißt in allen olympischen Klassen – außer 49er (wir noch diskutiert) – zehn Rennen, aus denen die besten acht in ein finales Medal Race einziehen, das doppelt zählt.

Nacra 17

Katamaran Segeln am Limit auf dem Nacra 17. © Jean Marie Liot/DPPI/FFVoile

„Wir wollen uns zunächst in der oberen Hälfte etablieren und bei der Goldflotte mitsegeln“, erklärte Carolina Werner das Nahziel der gemeinsamen Nacra 17-Mannschaft mit Paul Kohlhoff. Die derzeit beste deutsche Mixed-Crew auf dem neuen Boot kämpft noch um den Anschluss an die Weltspitze, hat jedoch Brasilien fest im Auge. „Wir wollen nicht bis 2020 warten, um die erste Olympialuft zu schnuppern“, so Werner.

DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner lobte höflich die Entwicklung des jungen Teams, ließ aber vorsichtigen Zweifel an der von DOSB für einen Olympianominierung geforderten, so genannten Endlaufchance (Top acht) durchblicken.

Die 'Solconia', das zweite Jugendboot des HSC. will den Deutschen Meistertitel in der Klasse ORC III. ©Alexander Grote

Die ‘Solconia’, das zweite Jugendboot des HSC. will den Deutschen Meistertitel in der Klasse ORC III. ©Alexander Grote

Gegen den eigenen Nachwuchs muss sich Nachwuchsstar Max Gurgel durchsetzen. 2012 mit der „RubiX“, dem Jugendprojekt des Hamburger Segel-Clubs (HSC) gleich doppelter Deutscher Meister (In- und Offshore), übergab der Student das Ruder an den ehemaligen Großschottrimmer Hans-Christoph Burmeister.

Gurgel selbst gehört nun zur „Solconia“, dem zweiten HSC-Youngster-Boot. „Wir hatten 20 gute Leute. Zu viel für ein Schiff“, wiederholte er noch einmal den Hilferuf, der von Gerd Schneider, Eigner einer Salona 37, gehört wurde. Der ist nun Navigator und will mit der älteren, jungen HSC-Crew die Kieler Woche gewinnen. „WM-Favoriten wären wir damit aber noch lange nicht“, glaubt Max Gurgel, „da kommen noch starke Ausländer hinzu.“

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