Bootsbau: Nils Bunkenburg baut die derzeit schärfste A-Cat-„Waffe“

Aus Deutschen Landen frisch auf die See(n)

A-Cat, Bunkenburg, Europameister

“Nikita” in Aktion © paaskestaevnet

„Nikitas“ sind in der innovativen A-Cat-Szene längst legendär, kürzlich wurde Steve Brewin damit Europameister. Eine deutsche Erfolgsgeschichte auf zwei Rümpfen.

Erfolg ist bekanntlich relativ. Die einen messen ihn wirtschaftlich an Stückzahlen, Gewinn, Expansion und Perspektive – die anderen eher emotional an Spaß, Akzeptanz und Triumph… der Kunden.

Nils Bunkenburg (rechts) mit dem äußerst “dankbaren” Stevie Brewin, Europameister 2013 auf dem Nikita-A-Cat © bunkenburg

Nils Bunkenburg zählt zur letztgenannten Kategorie und würde sich aus einer gewissen Bescheidenheit heraus wohl nie als Erfolgsmenschen bezeichnen, kann aber eine klammheimliche Freude nicht verbergen, wenn seine Kunden Erfolge feiern. Was wiederum in der Natur der Sache liegt, denn Nils baut Bootsrümpfe, mit denen Segler Welt- und Europameister werden. Übrigens nicht nur andere, sondern auch er selbst. Aber davon später mehr.

Die Welt der Tüftler und Innovatoren hält für Außenstehende ja immer wieder Überraschungen parat, Vorstellung und Realität liegen da mitunter weit auseinander. Nehmen wir etwa die Rümpfe eines A-Division-Katamarans, vulgo: A-Cat. Diese fließenden Formen, das smarte Design, die glänzende Außenhaut wirken wie ein Paradebeispiel für elitäre Bootsbaukunst. Da stellt man sich gleich riesige, klinisch reine Produktionshallen vor, in denen glänzende Roboter und weißbekittelte Konstrukteure bei softer Lounge-Musik eben genau diese Wunderwerke der Bootsbaukunst fabrizieren.

Wirft man nun aber einen Blick in die Produktionsstätten des Nils Bunkenburg, macht sich Ernüchterung breit: In einer Lagerhalle, die zum größten Teil von Schiffen ausgefüllt ist, die rein gar nichts mit High-Performance-Katamaransegeln zu tun haben, sind vorne in der Ecke ein paar Katamaran-Rümpfe übereinander gestapelt, Negativformen liegen aufgeklappt auf Böcken, überall Werkzeug, Kanister, Klebeband… alles, aber nicht mal ein Hauch vom vermeintlichen HighTech.

„Brauch’ ich nich’“ sagt Bunkenburg im nordischen Slang. „Und will ich nich’ !“ Wodurch mit ein wenig Interpretationsfantasie gleich schon klargestellt wäre, um was des dem Bootsbauer geht: Konzentration auf das Wesentliche, ohne jeglichen Schnickschnack.

Bunkenburg. A-Cat, Bootsbau

“Nikitas”? Dahinten in der Ecke …© bunkenburg

Die schärfsten „Waffen“ der Segler

A-Class-Katamarane gelten derzeit als die schnellsten Einhand-Katamarane. Die Konstruktionsklasse gibt es bereits seit 1956, doch vor allem in den letzten 15 Jahren haben sich die Klasse und ihre Boote revolutionär entwickelt. Dank minimaler Vorgaben wie Länge, Breite und Segelfläche standen den Konstrukteuren eine Menge Möglichkeiten offen – die sie voll und ganz nutzten. Heute sind Regattafelder mit 80-100 Booten zu großen Meisterschaften keine Seltenheit, bei denen jedoch erstaunlicherweise 80-90 % Boot aus Serienproduktionen gesegelt werden. Der Umgang mit Hightechmaterialien wie Karbon, Kevlar und Glasfasern erfordert eben ein professionelles „Händchen“  – nur sehr wenige wagen sich für Einzelbauten an die aufwändige Materie.

Hier setzt Nils Bunkenburg an. Von Jugend an überzeugter Katamaran-Segler (etwa auf dem Tornado) begeisterte er sich in den Neunzigern für den vorschoterfreien A-Cat, „weil man darauf unabhängig ist und eigentlich machen kann, was man will,“ erinnert er sich. Eine Freiheit, die ihm eine Menge Erfolg bescherte: 1998 zieht er von Hamburg (Heimatrevier Außenalster) an die Ostsee nach Schwedeneck, weil er sich dort mehr Trainingsmöglichkeiten erhoffte, 1999 und 2000 kämpfte er sich bis zum Weltmeistertitel und dominierte über Jahre hinweg die Szene auf deutschen und internationalen Gewässern. Eigentlich eine Erfolgsstory, die man an sich schon so stehen lassen könnte, wäre das nicht Bunkenburgs gewisser Drang, auch technisch das Beste aus den A-Cats heraus zu holen.

Bunkenburg bricht sein Schiffsbaustudium ab und baut 2001, logisch, seinen ersten „Nikita“-Prototypen aus Karbon. Mehr oder weniger zuhause, in der Werkstatt, als familiäres Gemeinschaftsprojekt mit Bruder, Eltern, Freundin und Freunden…

Nikita, Bunkenburg, A-Cat

Läuft bestens © a-cat

Das Boot lief bestens, und was noch wichtiger war: Es gefiel in der Szene. „Dennoch hat es vier Jahre gedauert, bis wir eine anständige Negativform für eine Art Serienproduktion fertig gestellt hatten,“ sagt Bunkenburg. Ein Zeitraum, der ziemlich viel darüber aussagt, wie der ehemalige Weltmeister seine zukünftige Rolle als A-Cat-Konstrukteur sah. „Vielleicht hätte ich damals wirtschaftlich ein wenig mutiger sein sollen,“ fragt sich Bunkenburg heute. „Aber andrerseits ist genau dies oft genug der Scheidepunkt zwischen höchster Bauqualität und einer Massenproduktion, für die man sich Kapital leihen muss, alles größer und vermeintlich professioneller wird und unweigerlich die Qualität darunter leiden muss!“

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Michael Kunst

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14 Kommentare zu „Bootsbau: Nils Bunkenburg baut die derzeit schärfste A-Cat-„Waffe““

  1. avatar abcdcat sagt:

    Wie, es gibt keinen Kommentar zur schönsten Bootsklasse der Welt?

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  2. avatar Super-Spät-Segler sagt:

    Rein technisch sind A-Cats natürlich absolute Leckerbissen und jedesmal, wenn sich kein Segelpartner zum Wochenende findet, überlege ich, mir einen anzuschaffen. Allerdings macht mir das Segeln zu zweit einfach wesentlich mehr Spaß! Die Redewendung Geteilte Freude ist doppelte Freude ist schon wahr.

    Außerdem fehlt dem A-Cat eindeutig der Gennaker. Er erhöht den Leistungsbereich, den Spaß und in meinen Augen auch die Sicherheit, so daß ich nicht mehr drauf verzichten mag.

    Es gibt zwar Versuche mit Gennaker:

    https://www.youtube.com/watch?v=61Tk4JciFuc

    Aber durchsetzen konnte sich das (noch?) nicht.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 3 Daumen runter 7

  3. avatar Manfred sagt:

    Toller Bericht. Danke
    Wer downwind trapezt und den scheinbaren Wind dabei so spitz von vorne einfängt, braucht keine Pocke. Allerdings muss man das wohl erstmal heftig trainieren. Ist ähnlich wie auf der Motte. Da gibt es neuerdings auch Leute, für die 27kn “down” normal ist.

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    • avatar Super-Spät-Segler sagt:

      Ich glaube nicht, daß ein A-Cat bei 6-12 Knoten Wind 18 Knoten downwind fährt.
      Schau Dir einfach mal das Video an.
      Bei 1:40 begegnet man einem A-Cat ohne Gennaker. Der treibt bei diesen Bedingungen nur müde herum. Da nützt auch das Trapez nichts, denn um dafür überhaupt genug Druck ins Rig zu bekommen, muss man viel zu weit anluven.

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      • avatar Slapstick sagt:

        Find ich immer wieder toll, wie manche Leute so über A-Cat-Segeln reden und aus Videos Rückschlüsse ziehen. Meine Empfehlung: einfach mal so ein Boot segeln (12 Knoten reichen völlig) und sich dann überlegen, ob man wirklich noch glaubt, einen Spi zu brauchen. Und sich mal dann vorstellen, dass unser Windlimit für Regatten 22 Knoten beträgt.

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        • avatar Super-Spät-Segler sagt:

          Bist Du einen A-Cat (oder einen anderen Cat) bei 8, 12 oder 20 Knoten Wind mal mit und mal ohne Gennaker gesegelt?

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          • avatar A-Cat Segler sagt:

            Der A-Cat kann die F18 mit Gennacker auf der Bahn schlagen. Das zum Thema wer schneller ist…

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          • avatar Super-Spät-Segler sagt:

            Die überlegene Amwind-Performance der A-Cats habe ich doch gar nicht infrage gestellt.

            Downwind sind sie (zumindest, solange sie noch nicht zuverlässig foilen) noch langsamer.

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  4. avatar Slapstick sagt:

    Ich finde die Diskussion um Spi oder nicht ungefähr so relevant wie die Frage, ob wir den A-Cat künftig mit Fock oder mit zwei Personen segeln wollen. Das kann man sicher machen, ist dann eben ein anderes Boot (heißt dann Topcat oder was weiß ich). Es ist doch das spezielle jeder Klasse, dass man eben im Rahmen der Festlegungen bleibt. Beim A-Cat sind das (im Prinzip) gerade mal vier Stück und das macht auch die Schönheit und Einfachkeit aus. Das Gedankenspiel, ob man mit irgendwelchen Veränderungen, die das Boot ausserhalb seiner Klassenzugehörigkeit stellen würden, schneller als dieses oder jenes Boot sein könnte, interessiert eigentlich nur Leute, die gern Yardstick oder ähnliche Regatten segeln oder sonntags einfach mal der schnellste sein wollen.

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    • avatar Super-Spät-Segler sagt:

      Du hast natürlich recht, ich hatte mich etwas ungenau ausgedrückt.

      Das mit dem Gennaker ist meine ganz persönliche Meinung als “Nur-Zum-Spaß-und-ganz-ganz-wenige-Regatten-Segler”.

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      • avatar dubblebubble sagt:

        …oft wissen sich die F-Catler nicht anders gegen die A’s zu helfen als den ganz tiefen Kurs mit Genaker zu wählen um das kleine Schnellboot irgendwie loszuwerden. *g*

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