Klassiker: Z-Jolle “Quixie” – Segelgeschoss der 20er Jahre

Jollenseglers Nirwana

Z-Jollen, das sind diese waffenscheinpflichtig schlanken Geschosse aus den 1920er Jahren, die bereits auf der Klubwiese herumstehend, spätestens aber am Kran hängend fahren. So eine Flunder lässt sich vom Anfänger durchaus schadlos betreten – solange er nahe der Mittschiffslinie bleibt.

Z-Jolle, Segeln

Faszinierende Form, schönes Holz. Die Z-Jolle Quixie beim Start in ihr neues Leben © Sammy Smits

Das Auftakeln ist auch kein Problem, soweit von beidseitig neben dem Schwertkasten austariert hockenden Crewmitgliedern synchron am Klau- und Piekfall der Gaffel gezogen wird.

Segler-Nirwana

Wer es bis dahin Havarie-frei geschafft hat, den erwartet das seglerische Nirwana. Es stellt sich idealerweise ab 2 ½ bis 3 Windstärken mit zwei Vorschotern im Trapez ein und wird von Insidern wie einem Ratzeburger Segelfreund als eine Art süchtig machender Tiefflug geschildert. Dieser Genuss verlangt übrigens ebenso wie die sichere bis lässige Beherrschung einer Z-Jolle nach endloser Wiederholung, die man daheim („Was! Gehst Du schon wieder segeln?“) glaubhaft als Trainingseinheiten verkaufen kann.

Zur routinierten Beherrschung dieser Tropenholzwaffe trägt bei wenn alle drei Segler flink im Oberstübchen verdrahtet sind, und zwar idealerweise gleich flink, möglichst das gleiche Denken und dieses auch synchron umsetzen. Deshalb gibt es die „Quixie“, eine Z-Jolle Baujahr 1936, in mittlerweile dritter Generation in ein und derselben Seglerfamilie – mit gravierenden bis einschneidenden Zugeständnissen freilich. So war es im Lauf der Jahrzehnte leider zu Maßnahmen gekommen, um „Quixie“ einhandtauglich und kentersicher zu machen. Es stand während der sieben Jahrzehnte halt nicht durchgängig die perfekte Z-Jollen Besatzung zur Verfügung. Der Schwertkasten war einem Kiel gewichen, der Mast samt Püttingen nach achtern gerutscht und ein Bootsbauer hatte es mit einem frevelhaft schweren, zwei statt einem Zentimeter starken Deck besonders gut gemeint. „Quixie“ war ein exotisches offenes Kielboot, aber halt keine Z-Jolle mehr.

Der Rückbau

Zwecks Beseitigung dieses für Puristen maladen wie unhaltbaren Zustands wurden Jollendoktor Sammy Smits und seine Bootsbauer im schweizerischen Arbon um Zurückverwandlung in jenen Zustand gebeten, wie „Quixie“ einst am schönen Wolfgangsee aus der Werft geschoben worden war. Die Tatsache, das vom Boot keine Zeichnungen mehr existierten, machte die Maßnahme nicht einfacher. Erfahrung mit der berühmten Z-Jolle „Hex 3“, Anno 28 für Manfred Curry gebaut, historische Fotos von „Quixie“ aus jungen Jahren, Augenmaß und die glückliche Fügung, das Smits eigenen Worten zufolge auf eine amphibische Biografie zurückblickt, er gleichermaßen am wie auf dem See groß wurde, half.

1.300 Stunden Zuwendung

Vor allem aber halfen 1.300 dem neuen Kielschwein, den an die „Kielsau“ (O-Ton Smits) angeschmiegten Plankengängen, dem rekonstruierten Schwertkasten, den Bodenwrangen, dem Schwert, der Ruderanlage, dem ersetzten Spiegel, dem nach heutigen Erkenntnissen modifizierten Gaffelrigg gewidmete Stunden.

Z-Jolle Quixie

Einen so apart angebrachten Bootsnamen hat nicht jeder. Am Spiegel gabs halt keinen Platz © Sammy Smits

2.500 leider nur gespachtelte Nieten waren freizulegen, zu prüfen, gegebenenfalls zu ersetzen und abschließend mit Querholzdübeln zu verzapfen. Jeder Hobbybootsbauer, der sich mal mit dieser an sich schönen Arbeit mit Blick für die Maserung, Ruhe, gefühlvollen Hammerschlägen, richtig angesetztem Stechbeitel und Beischleifen beschäftigt hat, der weiß: Das dauert. Das kostet. Vor allem wenn man es machen lässt. Es war aber unvermeidlich, weil sich heu

tige Lacke nicht mit ölhaltigem Spachtel vertragen, schon gar nicht auf einer glänzend lackierten Bordwand im Finish von Omas Mahagonikommode. Doch reden wir an dieser Stelle nicht vom Geld und lassen es bei folgendem Hinweis: Wer so eine Flunder wieder in alter Schönheit am Kran hängend haben möchte, braucht halt die nötigen Franken.

Z-Jolle, Segeln

Der Lohn der Fron mit Doppeltrapez und durchgelatteten Steilgaffelgroß von Wäsche Meier © Sammy Smits

Freuen wir uns am Anblick von „Quixie“, ihrer hinreißenden Form. Ein Boot, das bereits am Haken hängend fährt. An der neuen Garderobe von Wäsche Meier, wie die ortsansässige Segelmacherei von Eidgenossen genannt wird. Sehenswert ist auch der apart hinter den Ruderkoker aufs Achterdeck geschraubte Bootsname. So eine Ausführung hat nicht jeder!

Jetzt muss bloß das Einsteigen in das wieder kiellose Tropenholztorpedo geübt werden, das Segelsetzen und die havariefreie Ansteuerung der freien Wasserfläche, wo dann drei glückliche Quixoten ihr seglerisches Nirwana genießen. Was kann man diesem schönen Boot und seiner Besatzung jetzt noch wünschen, außer viele zunehmend synchronisierte Trainingseinheiten? Erfreulich ist übrigens auch, daß das Hausrevier wunderbar sauber ist, man nachher daheim nicht nochmal duschen muss.

Die Z-Jolle “Quixie” in Zahlen

Z-Jolle Quixie

Historische Fotos von der “Quixie” wie dieses von den frühen Jahren des Bootes orientierten bei der Rekonstruktion auch des Riggs. Schön zu sehen die deutlich überlappende (umvermessende) Genuafläche © Archiv Sammy Smits

1936 in St. Gilgen am Wolfgangsee gebaut, Länge 8,50 m, Breite 1,80 m, Tiefgang 1,20 m, vermessene Segelfläche 20 qm, effektive Segelfläche 25,9 qm, Spinnaker 40 qm, segelfertiges Gewicht 390 kg, weitere Infos

Informatives zur Z-Jolle

Die Zwanziger-Rennjolle – auch als Z-Jolle, 20er-Rennjolle, Z-Boot, 20qm Altersklasse, 20qm Z-Klasse bekannt –  ist ähnlich wie der klassische Schärenkreuzer eine Konstruktionsklasse, bei der mit limitierter Segelfläche ein möglichst schnelles Boot geschaffen werden sollte. Die nominelle, also vermessene Segelfläche besteht aus dem Groß und 85 Prozent des Vorsegeldreiecks, was das überlappende Tuch der Genua beispielsweise unberücksichtigt ließ.

Die Z-Jolle kam erstmals anlässlich des 25. Seglertags des DSV im Jahr 1921 ins Gespräch. Der eigentliche Start der Klasse verzögerte sich jedoch durch interne Querelen. Eine typische Zwanziger Rennjolle ist etwas über 8 m lang bei circa 1,70 m Breite und niedrigem Freibord. Die Abmessungen variieren stark. Es gibt Exemplare mit 7 m oder über 9 m Länge. Die Takelage, obwohl von den Klassenvorschriften freigestellt, war traditionell Steilgaffel und Großsegel mit durchgehenden Spreizlatten.

1924 gab es 108 Neubauten, im Jahr darauf 43. 1926 entstanden 42 neue Boote und im Jahr 1938 existierte eine Flotte von 248 Z-Jollen. 1925 hatte der Deutsche Segler-Verband die Entwicklung verschiedener Jollenklassen mit einer Einteilung in 10, 15 und 20 qm Jollen mit den Segelzeichen N, M und Z geordnet, daher die Bezeichnung.

Die Konstrukteure nutzten die Möglichkeiten zur Entwicklung schnellstmöglicher, entsprechend langer und leicht gebauter Boote. Der Preis der avantgardistischen Z-Jolle waren daher wenig haltbare Leichtbauten. Manfred Curry entwickelte sogar eine Bremsklappe am Heck für alle, die es beim Starten zu eilig haben.

Z-Jolle bei der Segel-Regatta

Regattierende Z-Jollen auf einem der Alpenseen

Die Z-Jolle wurde zunächst in Berliner Gewässern, dann auf dem Steinhuder Meer, Ammersee, Starnberger See, Wörther See gesegelt. Im Salzkammergut war sie eine ebenso beliebte Klasse wie auf dem ungarischen Plattensee und dem Züricher See.

In den 50er Jahren bremsten moderne Boote wie der FD die Z-Jolle aus, die gelegentlich noch bei Langstreckenregatten wie der Centomigia auf dem Gardasee Aufsehen erregte. Seit den 70er Jahren belebt sich die Z-Jolle dank eigens gegründeter Klassenvereinigung und modifizierten Bauvorschriften. Die Kombination von eleganter Form, faszinierenden Segeleigenschaften und ansehnlichem Holz fasziniert nach wie vor

Heutige Reviere sind in Österreich der Mondsee, Grundlsee und Wolfgangsee, in Deutschland der Ratzeburger See, das Steinhuder Meer, Hamburger Gewässer, Bodensee und Chiemsee, auch der Gardasee.

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.

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8 Kommentare zu „Klassiker: Z-Jolle “Quixie” – Segelgeschoss der 20er Jahre“

  1. avatar Chris sagt:

    Falls jemand an der Restauration solcher Geschosse interessiert ist: geradezu ein Spezialist auf diesem Gebiet findet sich in der Nähe von Wien, in Korneuburg (hatte selbst dort ein Boot in Komplettrestauration – jedoch einen Korsar): http://www.woodenboat.at (hoffe es ist erlaubt hier diesen Link zu posten)

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  2. avatar o nass is sagt:

    OMG. Sabber…

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  3. avatar Uwe sagt:

    Die legendäre AERO II Dr. Manfred Curry’s (mit dem aerodynamisch optimierten Deck und der Bremse am Heck) ist übrigens ebenfalls restauriert worden.
    Hier gibt’s ein paar Bilder, die während der Ammersee Traditionsregatta 2009 entstanden: http://www.finn-dinghy.de/currys-aero-ii-gewinnt-ammersee-traditionsregatta/

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  4. avatar Breithaupt sagt:

    wuerde mich interessieren mal ein video davon zu sehn, sieht sehr schnell aus.

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