Knarrblog: Das erste Mal Formula 18 Katamaran auf Gran Canaria

SegelReporter am Draht

Raumschots unter Gennaker. SegelReporter gibt Gas. © C. Kemmling

Ich hatte es nicht vermisst dieses Hineinquetschen in den Neo. Der Schweiß läuft in Strömen, die Finger pellen ungelenk das Fußbündchen über den Knöchel, das Gummi kneift in den Kniekehlen und inzwischen auch über dem Wanst.

1996 endete meine intensive Jollenkarriere auf dem Laser und die Notwendigkeit, diesen Bewegungsablauf zu beherrschen. Was war es fortan schön, das neumodische, luftige, atmungsaktive Offshore Ölzeug überzustreifen und als Match Race Skipper an der Pinne den Wichtigen zu machen.

Entspannt sieht anders aus. Der Speed ist gewöhnungsbedürftig. © C. Kemmling

Nun hat mich Kollege Andreas John zu seinem Formula 18 Kat nach Gran Canaria gelotst. Sein Vorschoter ist für das geplante Training ausgefallen, und er meint, es macht Sinn mich ins Trapez zu stellen.

Nun ja, ich wusste noch ungefähr wo der alte Neo im Keller gammelte. Aber die Gummischuhe waren verwest. 15 Euro im Sport-Supermarkt Decathlon. Die Trapezhose ist im Keller aber dann doch nicht mehr aufzufinden. Meine Karriere als FD-Vorschoter endete immerhin schon 1992. Aber Andreas besorgte eine Leihweste.

Blick ins Segel. Andreas fährt das SR-Logo seit einer Saison im Formula 18 Profil spazieren. © C. Kemmling

Die Erinnerung an den verdammten Eierquetscher ist dann schnell wieder präsent, als die Haken-Hose mit Gewalt über die Hüften muss. Man sollte einmal untersuchen, ob Vorschoter generell mehr Probleme mit dem Nachwuchs haben als Steuerleute. Immerhin hat mein damaliger FD-Steuermann drei Söhne und ich nur zwei zustande gebracht.

Nun also aufs Wasser. Das erste Mal Sport-Katamaran. Formula 18 ist die angesagte Zweirumpf-Klasse und Andreas einer der besten Steuerleute. Auf Gran Canaria hat sich eine stattliche deutsche Trainingsflotte eingefunden, die angeführt von den Sach-Brüdern den optimalen Saisoneinstieg vorbereitet.

Vor dem Wind steht man normalerweise nicht im Trapez. Aber für mich zeigt Andreas, was in seinem Nacra 18 steckt. © C. Kemmling

Wo wäre das besser möglich als in Las Palmas auf den Kanaren. Im Real Club Nautico de Gran Canaria trainiert seit Jahren die spanische Nationalmannschaft und holte zahlreiche olympische Goldmedaillen. Allein Louis Dorest gewann zweimal Gold (47er, FD). 20 Grad Luft- und Wassertemperatur sprechen helfen als Sprungbrett für eine europäische Regatta-Saison.

Helge und Christian Sach hatten für die Olympia-Ausscheidung 1996 mit dem späteren Gold-Gewinner Fernando León im königlichen Club trainiert und pflegen seitdem ausgezeichnete Kontakte zum Verein, die das Traininslager bei Traumbedingungen ermöglicht.

Der erste Tag am Draht hinterlässt Spuren. Die Arbeit am Gennakerfall und an der Schot bewegt längst vergessene Muskelpartien. Der Körper schmerzt und die Flecken am Körper vermehren sich schlagartig mit jedem Manöver, bei dem ich die Fliehkraft nicht mitberechne.

Aber der kurze Ausflug am ersten Tag, die höllische Geschwindigkeit bei herrlichen Bedingungen auf dem Wasser lassen noch einigen Genuss erwarten.

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Carsten Kemmling

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8 Kommentare zu „Knarrblog: Das erste Mal Formula 18 Katamaran auf Gran Canaria“

  1. avatar Matti sagt:

    SR am Draht – herrlich!
    Na denn man schoin Wedder und gode Faaht Jungs!

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  2. avatar Marina sagt:

    Na, das klingt ja wie much fun! Johni, scheuch den Kemmling mal ordentlich raus und rein! 😉
    Und grüßt mir die Säche… Deren Kalender für AB und KR sind schon auf dem Postweg! Gruß an beide,
    und Euch noch recht viiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiel Spaß!!!
    Big hug, Marina

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  3. avatar Felix sagt:

    Mensch Carsten: So wie Du jeden Dienstag beim Fußball in deine Radlerhose passt, kann ich mir gar nicht vorstellen, dass du Probleme beim Einstieg in deinen mindestens 15 Jahre alten Neo hast…

    Ansonsten wünsche ich Euch noch viel Spaß!

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  4. avatar Fabian sagt:

    also der kommentar unter dem 4. bild stimmt so nicht ganz, aufm raumwind steht man bei mehr wind immer im trapez 😉

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    • avatar Wilfried sagt:

      Ich schätze, dass Carsten meinte, dass man bei Regatten nur up and downs fährt und dann auf dem Leerumpf sitzend möglichst tief nach Lee fliegt.

      Gruß Wilfried

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      • avatar Sönke sagt:

        Nee, die Zeiten sind vorbei. Spätestens ab 4 Bft ist für den Vorschoter auch Raumschots trapezsegeln angesagt.

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  5. Sehr nett geschrieben! Macht wirklich Lust auf Formula 18 Segeln! Dann aber doch lieber als Steuermann,… wegen der Zwischen-den-Beinen-Freiheit….

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    • avatar Carsten sagt:

      blöderweise muss der steuermann auch so eine strampelhose anziehen und sich an den draht hängen. also nichts für weicheier…im wahrsten sinne 🙂

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