Knarrblog: Verzögerter Start in die Drachen-Saison. Dann eben Waschmaschine kaufen

Flaues treiben, hochwertige Gespräche...

Treiben auf der Alster. Dirk im Entspannungsmodus. © Segelreporter.com

Die Ansage vom Wettfahrtleiter ist nicht schlecht. “Startverschiebung. Vielleicht kommt ja noch Thermik. Aber Vorsicht! Nicht so viel saufen.” Am ersten Segelwochenende auf der Alster habe es „Backpfeifen“ gegeben.

Nach einer längeren Wartezeit an Land seien Segler aufeinander losgegangen. Auf der Ziellinie kamen sich die Crews eines Starbootes und eines Laser SB3 näher. Offenbar unter Alkoholeinfluss.

Also bitte! Aber doch nicht unter Drachenseglern. Verschämt verschwinden einzelne Plastik-Becher bei der Ansage aus dem Blickfeld des Wettfahrtleiters. Der Mann sieht streng aus. Man weiß ja nie.

Die Alster liegt still und starr, der Mittschiffsmann freut sich dennoch über die gehaltvollen Gespräche unter Männern. © N. Ahrberg

50 Crews haben sich für den Saisonauftakt auf der Alster gemeldet. Rekord! Dabei geht es weniger um eine großartige Meisterschaft. Der Event heißt Frühjahrs-Verbandsregatta III und wird am folgenden Wochenende um die Frühjahrs-Verbandsregatta IV erweitert.

Weniger sexy kann es nicht klingen. Hanseatisches Understatement. Das haben selbst die Dänen gecheckt. Sie sind aus dem hohen Norden angereist, um die Zipfel ihrer Danebrogs durch die Alster schleifen zu lassen.

Aber an Rennsegeln ist nicht zu denken, meint der Wettfahrtleiter. Fünf Knoten müssen es mindestens sein. Gestern fegte noch ein Orkan über die Alster, nun säuselt nur noch ein Hauch.

Ein militanter Paddler und zahlreiche Tretboote umkreisen den Drachen. © Segelreporter.com

Dabei sind wir heiß. Die Truppe der alten „Dragonheart“ ist bereit, alles zu geben. Auf einen Tipp von North-Sails-Mann Arnd Howar haben wir den Tuning Guide von der North-Seite geladen und sind schon am Freitag im Schiff herumgekrochen, um den Mast in die Nähe der angegebenen Daten zu rücken und zu biegen.

Die Europes in der anderen Ecke der Alster zirkeln Rennen um Rennen auf den Parcours. Aber für die Drachen soll der Wind nicht reichen? Geht es doch um eine Meisterschaft?

Der Rest der Crew testet die optimalen Sitzpositionen bei Flaute aus und hält die wichtigen Szenen für die Nachwelt fest. © N. Ahrberg

Am Steg erzählt man sich, dass nach einem Mehrheitsentscheid schon einmal ein Rennen wegen Regens nicht gestartet wurde. Andere vermuten, die Meinungsführer hätten Karten für das St. Pauli Spiel. Jedenfalls ist schon gegen 14 Uhr Schluss.

Eine klare Ansage, zustimmendes Murmeln und Kopfnicken in der Skipper-Runde. Hmm… Das geht ja entspannt zu bei den Drachen.

Was tun mit dem angebrochenen Tag? Bloß nicht zu früh zuhause melden. Häusliche Pflichten drohen. Einbindung in den täglichen Wahnsinn. Kinder-Fahrdienst, Bude aufräumen… Wir entschließen uns zu einem Trainingsschlag. Inzwischen hat der Wind auch deutlich zugenommen. Wie immer nach einem Abbruch.

Aber wir segeln nicht lange genug, als dass ich mich vor dem Kauf einer Waschmaschine hätte drücken können. Das stand auf dem Zettel. Ein schöner Kontrast. Eben noch relaxt über den See cruisen und Quatsch reden, nun im Einkaufstrubel um Preise feilschen. Der Entspannungs-Effekt eines schönen Regattawochenendes ist dahin.

Treten statt segeln. Am Sonntag ist an eine Regatta nicht zu denken. © segelreporter.com

Und es wird nicht besser. Am nächsten Tag folgt zwar beim Skippersmeeting die Entschuldigung des Wettfahrtleiters über die möglicherweise zu frühe Absage. Er beteuert seinen Willen. Denn es muss durchaus segelwillige Segler gegeben haben, die am Vortag Kritik äußerten. Besonders die auswärtigen Segler können nicht mal eben in ihren Alltag eintauchen und die verlorene Zeit sinnvoll nutzen.

Aber es sieht mau aus. Diesmal ist die Absage keine Frage. Das Startschiff legt sich zwar auf dem spiegelglatten See in Position. Aber es lockt keine konstante Brise auf den Parcours. Die Europes regattieren zwar wieder in einer Ecke. Dann brechen selbst sie ihr Rennen ab.

Die Ansage für das nächste Wochenende ist sportlich. „Dann holen wir eben die Rennen nach.“ Das würde dann acht Läufe bedeuten.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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