Optimist WM Napier/NZ: Titel für Kimberly Lim aus Singapur, fünfter Mädchensieg in 48 Jahren; Marvin Frisch mit Tagessieg

Mädchen vorneweg

Zum zweiten Mal in Folge hat bei der Optimist-Weltmeisterschaft ein Mädchen den Jungs den Titel weggeschnappt. Nach der Thailänderin Noppakao Poonpat 2010 ließ nun Kimberly Lim aus Singapur die gesamte Flotte der 210 Optis hinter sich. In den letzten beiden Rennen im neuseeländischen Napier überholte sie den lange Zeit führenden holländischen Überflieger der Saison Bart Lambriex.

Eine der drei Optigruppen an der Startlinie bei der Optimist WM in Napier. © Matías Capizzano

Die überwiegend weibliche Mannschaft aus Singapur hatte schon den WM-Titel im Teamrace gewonnen. Ihr männlicher Landsmann rutschte nur um einen Punkt an der Bronzemedaille vorbei, die an den Peruaner Javier Arribas ging.

Kimberly Lim konnte sich dann freuen, dass die letzten WM-Rennen wegen Flaute und drehendem Wind nicht stattfanden. Damit fiel bei elf Rennen auch das zweite Streichresultat aus.

Die Weltmeisterin Kimberly Lim aus Singapur beim Balance-Akt. © Matías Capizzano

Lim half eine unglaublich konstante Serie ohne Tagessieg zum Titel, die ihr ohne Streichresultat einen Vorsprung von 20 Punkten eingebracht hätte. Ihre Allroundfähigkeiten zeigte sie besonders bei den letzten beiden Starkwindrennen, die sie mit den Plätzen 4/2 abschloss.

Mädchen gelang bei 48 Weltmeisterschaften zuvor erst viermal der Sieg über alles. Die Italienerin Sabrina Landi schaffte es 1987, dann folgte 1996 die inzwischen zweimalige 470er Weltmeisterin Lisa Westerhof aus Holland, sowie 2005 Tina Lutz.

Zum Abschluss der Optimist WM brachte auch Marvin Frisch das insgesamt enttäuschende Abschneiden der deutschen Mannschaft zu einem versöhnlichen Ende. Er landete bei überaus schwierigen Starkwindbedingungen mit chaotischer Welle einen Tagessieg.

Nach der Team-WM holte Singapur im Optimisten mit Kimberly Lim auch den Flotten-Titel. Genau wie Thailand im Vorjahr. © Matías Capizzano

Teamchef Günter Nülle schreibt zum Geschehen am letzten Renntag:
“Endlich ein Tagessieg! Lange musste das Team auf den ersten Tagessieg dieser WM warten. Geschafft hat ihn Marvin in der 11. Wettfahrt, der dritten Tageswettfahrt heute. Dafür bekam er den Tagespreis, eine Gewehr-Patrone zum Trap Schießen(!!!)

Nachdem das Auslaufen wegen Sturms bis 35 Knoten und sehr schlechter Sicht mehrere Stunden verschoben wurde, ging es dann um 14 Uhr aufs Wasser.

Die Bedingungen draußen waren nach Aussage von Thomas Läufer schwierig. Erstens wehte es zu Beginn immer noch mit 26 Knoten. Zweitens stand trotz Flut durch den Ablandigen Wind ein Strom mit der Geschwindigkeit von 30m pro Minute.

Allerdings schräg von vorne, was die Starts sehr schwierig machte. Und drittens trafen in der Bucht zwei Wellensysteme aufeinander. Die Pazifik-Welle gegen den Wind traf auf die Windwelle, die ca. 2,5 Meter hoch war.

Kurze Starlinie für 70 Boote und viel Hektik. © Matías Capizzano

Das wurde dann im ersten Lauf auch Marvin zum Verhängnis, der in Führung liegend eine Welle ins Boot bekam, sodass er um viele Plätze zurückfiel. Auch im 2. Lauf des Tages erwischte es Marvin, als er aus dem Boot fiel und die verlorenen Plätze leider nicht mehr gutmachen konnte.

Daniel hatte das Missgeschick bereits im 1. Tageslauf bereits hinter sich. Ingmar hingegen kenterte auf der Achterlichen, als er beim Wellesurfen kein Druck mehr im Segel spürte.”

Die Ergebnisse der deutschen Segler:
34. Marvin Frisch, 63. Gwendal Lamay, 64. Daniel Hamann, 84. Henry Peters, 92. Ingmar Vieregge

Gesamtergebnisse

Zum Thema: Optimist-Weltmeister. Ein Fluch?

 

Der letzte Renntag brachte noch einmal starken Wind und eine hohe Welle. © Matías Capizzano

Dunkle Wolken, starke Strömung. Das Revier vor Napier war für die besten Nachwuchssegler der Welt schwierig zu lesen. © Matías Capizzano

Video vom siebten Renntag: 

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Carsten Kemmling

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13 Kommentare zu „Optimist WM Napier/NZ: Titel für Kimberly Lim aus Singapur, fünfter Mädchensieg in 48 Jahren; Marvin Frisch mit Tagessieg“

  1. avatar Wilfried sagt:

    soviel zum Thema Leichtgewichte aus Singapur.

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    • avatar Christian sagt:

      Wilfried, entweder Zahlen auf den Tisch (Gewichtsangaben) oder lieber keine Gerüchte schüren… Wäre die Siegerin ein echtes Leichtgewicht, hätte sie bei den Starkwindrennen nicht so gut ausgesehen.

      Meine Einschätzung: Sie ist einfach besser gesegelt als alle anderen. Vermutlich, weil sie mehr Erfahrung auf schwierigen (Strom-)Revieren hat.

      Die Deutschen können Segeln im Strom ja nur einmal im Jahr bei der Optiregatta vor Helgoland üben 😉

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 4

      • avatar Wilfried sagt:

        Christian, wenn du die anderen Optiberichte gelesen hättest wüsstest Du, dass sich meine Äußerung auf diese Bezog. Ich hatte schon damals nach dem Teamwettbewerb gesagt, dass dieser Erfolg nichts mit dem Gewicht zu tun hat, falls es überhaupt niedriger ist was ich nicht weiß und auch nicht spekulieren will, sondern schlicht und ergreifend mit der Leistung. Deshalb mein ironischer Kommentar oben an diejenigen die damals sofort gesagt haben, dass die 3 Mädchen aus Singapur aufgrund ihres Gewichts im Vorteil waren.
        Zur Strömung auch eine Anmerkung. Erstens segeln die Spitzenoptisegeler auch die Deutschen überall im Ausland auch auf Stromrevieren. 30 m/Minute sind übrigens gerade mal 1 Knoten und kommen als Oberflächenströmung auf vielen scheinbar tidefreien Gewässern vor. Da zählt die Kreuzwelle sicherlich mehr.

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        • avatar Christian sagt:

          Wilfried, dann sind wir uns ja einig in Sachen Gewicht. Deine Ironie war für mich nicht erkennbar und was du unter anderen Beiträgen geschrieben hattest, hatte ich nicht auswendig parat 😉

          Dass deutsche Optisegler viel auf echten Stromrevieren segeln, bezweifle ich. Es sei denn, du zählst die Ostsee dazu.

          In Napier war es sicherlich die Mischung aus (teils unberechenbarem) Strom, hoher(Kreuz)Welle und sehr wechselhaften Windbedingungen, die das Revier so schwierig gemacht haben. Darauf waren die Segler /innen aus Singapur und Peru besser vorbereitet, auch weil sie das von zuhause kennen.

          Bei einem so langsamen Boot wie dem Opti spielt ja bereits relativ geringer Strom eine wichtige Rolle. Auf den Videos sah es übrigens nicht nach wenig Strom aus, eher nach mittlerem.

          Wie auch immer: Die deutschen Optikids haben sich toll geschlagen. Die Trauben hingen halt diesmal wirklich verdammt hoch.

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          • avatar Wilfried sagt:

            @christian .das enttäuscht mich natürlich schon ein bisschen ;-).

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        • avatar regattafan sagt:

          Aber hallo,

          bei 35 kg Rumpfgewicht und einem Durchschnittsgewicht von 46 kg haben die leichteren Segler selbstverständlich bei Leichtwindbedingungen einen Vorteil.
          Die StarkwindErgebnisse zeigen uns eigentlich nur, dass die schweren Optsegler bei Starkwind nur einen geringen Vorteil haben, der von den leichteren Seglern durch besseres Segeln wettgemacht werden kann.

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      • avatar Marc sagt:

        Oder aber beim BSC in Hamburg. Ich freue mich auch jedes Jahr auf die letzten Helden, das einzige echte Strömungsrevier 😉

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  2. avatar Ballbreaker sagt:

    Für mich verkörpert der OPTIMIST all das, was die ISAF seit Jahren verzweifelt für Olympia sucht:

    One-Design, Jungs und Mädels chancengleich in einer Klasse, höchstes Leistungsniveau, weltweite Verbreitung, Riesenfelder, erschwinglich (teurer als mein damaliger Holzopti aber immer noch im Rahmen), etc.

    Da braucht man kein Light/heavy-weight, one/two-person, Dinghy/keelboat/surfboard/Multihull, Männlein/Weiblein/Mixed, Fleetrace/Matchrace was sich eh im 4-jährigen Turnus ändert!

    Vote OPTI for Olympia ;-)))

    P.S.:
    Jaja, ich weiss was jetzt kommt: Wasserübernehmen, Gummiwurstoptieltern, VIEL zu teuer geworden, miserable Kreuzeigenschaften etc.; war trotzdem damals ne geile Zeit^^

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    • avatar Christian sagt:

      @Ballbreaker: das mit One Design beim Opti ist Wunschdenken… dort findet eine muntere Materialschlacht statt zwischen Rümpfen, Segeln, Foils verschiedener Hersteller. Das ist ja Teil des Problems mit der Optiklasse.

      Dass sehr vielen Kindern das Segeln lernen mit dem Opti Spaß gemacht hat, steht außer Frage. Allerdings würde es das auch mit einem besser bedienbaren und einfacheren Design. Allein das Aufbauen des Optis ist alles andere als kinderfreundlich, angesichts des extrem umständlichen Sprietsegels.

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      • avatar regattafan sagt:

        Ballbreaker hat schon recht. Die schönen Bilder der letzten WM, d.h. “weltweite Verbreitung, Riesenfelder”, etc , ergaben sich tatsächlich nur, weil der Opti auch in ärmeren Ländern erschwinglich ist und zwar im Gegensatz zu Tornado, Star und anderen hochentwickelten, teuren Konstruktionen.

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        • avatar Christian sagt:

          na ja, eine Kinderklasse mit Olympiaklassen vergleichen zu wollen, hat aber auch etwas von Äpfeln mit Birnen…

          Ein O’pen Bic wäre übrigens noch günster als ein Regatta-Opti.

          Und übrigens dürften bei der Opti-WM in Napier, wo Charterboote gestellt wurden, die Reise- und und Unterbringskosten der weitaus größte Posten gewesen sein.

          Und übrigens segeln in Peru auch nicht gerade die Straßenkinder Opti, sondern die Angehörigen der durchaus vorhandenen oberen Mittelschicht bzw. Oberschicht. Und Singapur z.B. ist alles andere als ein armes Land.

          Also: Tolle WMs mit globaler Beteiligung und Chancengleichheit unbedingt ja. Aber es muss nicht der Opti sein.

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          • avatar Pete sagt:

            Stimmt, muss nicht der Opti sein, aber jede Einheitsklasse wäre sofort teurer wenn sie so eine Monopolstellung bekommen würde. Wenn der Opti einer Werft zu teuer wird, springt eine andere Werft ein, das geht bei Bic, Laser, 29er etc. leider nicht.
            Der Opti hat sich nunmal durchgesetzt, und man hat beim Opti wenigstens die Wahl des Materials, im Gegensatz zu Laser, 29er / 49er etc. wo alles vorgeschrieben ist und man nicht mal ein Segel selbst entwickeln kann.
            Die Diskussion ist also müssig, im Gegensatz zu Olympischen Klassen, die von der ISAF definiert werden, ist der Opti einfach von der Mehrheit gewählt weil von der Mehrheit gesegelt.

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  3. avatar Christian sagt:

    @pete: Sorry, aber ein Opti ist für das Gebotene teuer, zumindest wenn er regattatauglich sein soll… Ein Monopolisten-Bic kommt deutlich günstiger. (wobei ich auch kein Riesenfreund des Bic bin, aber er hat viele Vorteile gegenüber dem Opti. Allein weil er sicherer ist).

    Das man z.B. beim 49er keine Wahl beim Material hat, habe ich während meiner Zeit in der Klasse als sehr angenehm empfunden. Das ganze Gedöns, welches Segel nun angeblich besser ist, entfällt (ok, ok, Olympiafreaks testen schon Material. Aber für Amateure ist das komplett irrelevant). Klar, Monopolisten neigen zu überhöhte Preisen. Beim 49er waren Segel aber nicht teurer als z.B. bei vergleichbaren freien Klassen wie 14-Footer. Laser ist ein ärgerlicher Sonderfall, was Segel etc. angeht. Warum da die Segler nicht massiv protestieren gegen miese Qualität bei überhöhten Preisen, verstehe ich nicht.

    Ob der Opti von heutigen Seglern wirklich ganz freiwillig gewählt ist, sei dahingestellt. Er hat halt eine Monopolstellung 😉

    Wenn eine technisch und preislich überzeugende Alternative sich auch quantitativ durchsetzt, ist der Opti ganz schnell weg vom Fenster, denke ich.

    Natürlich hängen viele älteren Segler aus alter Verbundenheit am Opti, ist ja auch auch ok.

    Aber soll der Opti auf immer und ewig DAS KInderboot bleiben bleiben? Ist es nicht endlich Zeit, den Oldtimer Opti mit seinen vielen spezifischen Nachteilen in den verdienen Ruhestand zu schicken?

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