Knarrblog: 90 Boote zur J/70 EM bei der Kieler Woche – Wachstum gegen den Trend

Es kribbelt

Das ist aufregend! Heute beim offiziellen Meldeschluss zur J/70 Europameisterschaft im Rahmen der Kieler Woche sind 90 Boote aus 15 Nationen gemeldet.

J/70 EM

Großes Gedränge an der Startlinie bei der ersten EM in Monaco 2015. © Borlenghi

Ehrlich gesagt, ich hätte nicht für möglich gehalten, dass so etwas noch in Deutschland möglich ist. Aus dem Nichts hat sich in unglaublich kurzer Zeit mit der J/70 hierzulande eine neue Klasse entwickelt, die alles andere in den Schatten stellt.

47 deutsche Boote sind bei der zweiten J/70 EM überhaupt gemeldet. Sie kommen aus dem Süden, Osten, Westen und Norden. Ich kann mich an nichts Vergleichbares erinnern. Wann konnte sich in Deutschland je eine Klasse in so kurzer Zeit durchsetzen.

Natürlich hat die Segel-Bundesliga zum Erfolg beigetragen. Nicht nur einzelne Eigner entscheiden sich für den Kauf, sondern Vereine betreiben damit ihre Nachwuchs-Förderung. Und sie sprechen damit besonders Junioren an, die intensiv in den Jugendklassen gesegelt sind und danach dem Sport verloren gehen.

Phänomen gegen den Trend

Aber auch ältere Eigner finden mit dem Boot das passende Sportgerät. Bei einem Training in der Schweiz traf ich ein Ü-70-Ehepaar, das mit weiteren Ü-70-Freunden Regatten auf dem Sportboot segelt.

J/70 EM

Lange Linie für 60 Boote bei der EM 2015 in Monaco. © Sven Jürgensen/Mittelmannswerft

Das Wachstum der J/70 ist eigentlich ein Phänomen gegen den Trend. Die Regatten mit vielen Masters-Teilnehmern erleben großen Zulauf wie bei den Finn Dinghies, OK-Jollen, Lasern oder gerade gesehen bei den FDs. Da bringen die Ü-50-Segler wieder annähernd die großen Felder von damals zusammen. Und dann gibt es auch große Aktivitäten in den Jugendklassen Opti, 420er, 29er der Laser haben noch starken Zulauf. Dazwischen sieht es mau aus.

Die J/70 scheint da perfekt in die Zeit zu passen. Jedenfalls hat sie nun offenbar die kritische Masse erreicht, die notwendig ist, um viele Segler bei der Stange zu halten. Da kommt diese Mammut EM genau zur richtigen Zeit.

Alle an einer Linie

90 Boote! Wann hat es das schon einmal in dieser Größenordnung gegeben? Bei dieser Zahl fängt es jedenfalls mächtig an zu kribbeln. Meine Güte, wie war das denn noch mal mit Starts in so einem Feld? Es wird gemunkelt, dass am Stollerngrund tatsächlich auf einer einzigen Linie gestartet werden soll.

J/70 EM

GER 470 das beste deutsche Team vom Touring Yacht Club auf Rang 10. © Sven Jürgensen/Mittelmannswerft

Es wäre wirklich Klasse! Heute glauben zwar wenige, dass so etwas noch möglich ist, aber früher war das ja auch kein Problem. Ich erinnere mich noch an eine legendäre Eurocup-Laser-Regatta annodazumal vor der Mittelmeer-Insel Les Embiez wo mit 240 Booten gestartet wurde. Dieser Blick zurück, als ich das Glück hatte, weiter vorne zu segeln, hat sich tief eingebrannt. Vielleicht ist so etwas ja noch mal möglich.

Wie ging das noch? Wie startet man in so einem Feld? Im Zeitalter der Kurz- und Gruppen-Rennen halten heutzutage wenige so etwas noch für möglich. Bekommt man die Leute zur Startdiszipin gezwungen?

Und können wir überhaupt den Speed der Klassen-Spezies mithalten? Wir sind ja eigentlich im Bundesliga-Modus gewohnt, nicht an den Wanten schrauben zu dürfen. Nun muss man sich damit beschäftigen.

Die beste Crew der Welt

Werden einem die italienischen Crews um die Ohren fahren, die schon eine Rennserie gespickt mit Profis etabliert haben? Die zurzeit beste Crew der Welt um den Steuermann und Unternehmer Carlo Alberini ist jedenfalls am Start. Die Italiener sind schon im Frühjahr nach Key West gereist, und haben dort die US-Elite in Grund und Boden gesegelt.

J/70 Kieler Woche

Unsere NRV-“Helga” bei der MAIOR. © segel-bilder.de

Dazu kommen die Monegassen, die eine starke Flotte haben, Russen, Schweden, Briten und Dänen, die gute Qualität zeigen sollten. Selbst ein Chilene ist dabei. Als gut Promi segelt selbst Karol Jablonski mit. Er sorgt bei dem Düsseldorfer Pit Finis für die Taktik . Die deutschen Bundesliga-Vereine schicken gleich 20 Crews.

Auch wir vom NRV sind mit “Helga” und “Eberhard” am Start. Das wird wahrlich ein echtes Spektakel im zweiten Teil der Kieler Woche. Ja wirklich, es kribbelt ganz mächtig.

Meldeliste J/70 EM Kieler Woche

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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