Knarrblog: Alster Bundesliga Training – Bei Ballermann am Limit mit den J/70

Auf der Backe

Allerorten wird für den Bundesliga Auftakt am 1. Mai in Starnberg trainiert. Die Süd-Vereine treffen sich am Gardasee und starten am Wochenende ihr erstes Lake Constance Battle, die Berliner üben mit großer Flotte auf ihrem Wannsee, die Westvereine treffen sich in Holland und wir Nordlichter hacken über die Alster.

Ein intensives Wochenende war das mal wieder. Ein Kurzrennen nach dem anderen. Bis zu acht Teams am Start, und es weht so stark geweht, dass die Limits der J/70 schnell ausgelotet sind.

Einmal nach der Halse den Schulterblick vergessen, die Böe nicht kommen sehen, zu starkes Rollen und zack, liegt die Karre auf der Backe. Die Bremer zerreißen sich den Spi, die Duisburger hängen mit flatterndem Vorsegel fast auf Land, Klaus scheidet mit “Rücken” aus.  aber über alles  ging es doch recht kontrolliert ab.

Große Entschuldigung

Auch wenn es eng ist auf der Alster. Parallel finden zeitweise noch ein Drachen-, Laser- Opti-Training statt sowie und eine Jollenregatta für Europes, Contender und Seggelring. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass einige J/70 den Europes zu nahe gekommen sind und es Ärger gab.

Das ist natürlich sehr ärgerlich. Wie auch immer das passiert ist, wer auch immer behindert hat – unser Kurs sollte eigentlich weit genug entfernt gewesen sein – so etwas sollte nicht passieren. Eine große Entschuldigung fällig! Jeder Regattasegler ärgert sich, wenn ihm ein unbeteiligtes Boot in die Quere kommt.

Umschalten auf den Gleit-Modus

Für mich ist es das erste Mal, die J/70 bei einem solchen Hack erleben zu dürfen. Ab einem bestimmten Punkt macht es vor dem Wind Sinn, nicht mehr den tiefen Kurs mit Luvkrängung zu drücken, sondern die Fock auszurollen, die Gleitphase einzuleiten und mit dem erhöhten Fahrtwind die Tiefe zu erreichen.

Ein starkes Gefühl, wenn die J/70 mit Druck richtig beschleunigt. Dann heißt es möglichst schnell nach hinten rücken. Gwendal Lamay, der mit 17 gerade zu den hoffnungsvollsten 29er Piloten avanciert (Platz vier beim ersten Euro Cup 2015 in Frankreich), muss aus der vordersten Position schnell nach hinten sprinten.

Und dann ist der kurze Kurs auch schon beendet. Wieder schnell nach vorne, um den Gennaker einzupacken. Bei der Hektik geht die Anliegelinie zum Leetor schon mal verloren. Ein um das andere Mal rauschen wir vorbei.

Schnappatmung

Aber diese Kisten machen richtig Spaß bei den kurzen Rennen. Kalt wird niemandem. Besonders der Gennaker-Fahrer hat viel zu tun. Flo Weser hat im Winter viel Zeit im Kraftraum verbracht, aber auch er weist schon mal Symptome akuter Schnappatmung auf. Von meinen wunden Fingern an dieser fiesen Großschot will gar niemand etwas wissen.

Ob das nun aber für das erste Bundesliga-Event in Starnberg das richtige Training ist, darf bezweifelt werden. Die Chance auf starken Wind mag dann doch eher gering sein. Aber wer weiß das schon?

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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