Knarrblog: Das war die 12mR WM auf “Trivia” – Männertörn auf hohem Niveau

Gepflegtes Gelaber

Eine erfolgreiche und spannende Woche auf “Trivia” bei der 12mR WM vor Barcelona fand ihren Höhepunkt am Flautentag. Erstaunlich, was manchmal so an Bord gequatscht wird.

“Arrgh, mich hat was gebissen!!!” Ein Schrei gellt über das Schiff. Sven ist sichtlich aufgeregt. Ein Stachel steckt im Daumen. Nun tragen Männer solche Vorfälle bekanntlich wie Männer. Sie geben sich keine Blöße. Besonders im Beisein 15 weiterer Männer.
Aber wir dümpeln seit zwei Stunden auf dem Zwölfer “Trivia” vor Barcelona. Startverschiebung.

[ds_preview] (Ab hier Text und Bilder und Video für SR Clubmitglieder)

Barcelona Klassiker

Perfekte Momentaufnahme am letzten Tag der Puig Vela Classica. © Martinez Studio

Längst ist vom Racing auf den Cruising Mode umgeschaltet. Die Sonne brennt mit 30 Grad das Hirn aus der Birne. In Verbindung mit dem Gewackel mag da die Reizübertragung einiger Synapsen nicht mehr funktionieren. Jedenfalls passen die Voraussetzungen, damit sich eine dieser typischen Unterhaltungen entwickelt, die es wohl nur auf Regattayachten gibt.

Am Anfang ist da also dieser Biss, Stich oder was auch immer. Sven trägt es überhaupt nicht wie ein Mann. Er jammert, porkelt irgendetwas aus seinem Finger, legt es auf das Holz neben dem Steuerrad und wartet auf kollektives Mitleid.

Aber dieses Teil ist etwa so klein wie ein Popel. Die Crew döst auf dem heißen Holzdeck und mag gar nicht so richtig Anteil nehmen. Sven glaubt aber ein gefährliches Tier mit Stachel erkannt zu haben. Es wird eingehend studiert und seziert, auch wenn es wohl nicht mehr als ein gewöhnliches Sandkorn ist.

Running Gag mit dem Mondfisch

Trivia Barcelona

Die Trivia Crew bei der Arbeit. © Martinez Studio

Aber prompt ist für einen Großteil des Teams klar, dass es irgendetwas mit diesem Mondfisch zu tun haben muss, den wir jüngst haben vorbeitreiben sehen. Längst ist das bestimmt giftige und unförmige Viech zum Running Gag dieser Woche geworden. Ein Phänomen übrigens, das sich an Bord vieler Yachten dieser Welt ergibt. Irgendeinen Running Gag gibt es immer.

Also nach einer Stunde Rumgelaber ist klar, dass Sven nicht mehr lange zu leben haben kann. Aber er nimmt es locker, will noch die letzten Stunden seines Daseins genießen. – Herrlich wieviel Dünnschiss im Hirn produziert werden kann, wenn so viele Typen beieinander sind.

Dabei  dürfte es kaum ein Schiff mit höherem Akademiker Anteil geben. Ärzte, Juristen, Aufsichtsräte, Spiegel Chefs, Unternehmer und promovierende Studenten drehen hier an den Kurbeln und reißen gepflegt an Fallen und Schoten. Aber wenn die Zeit lang wird an Bord und die Sonne brennt, sind sie doch alle gleich.

Fehlt nur noch, dass das typische Frauenthema ausgepackt wird. Schließlich könnte der eine Kamerad mal erzählen, wo er in der vergangenen Nacht abgeblieben ist.  Aber das Thema kommt nicht richtig in Gang. Eine Frau ist an Bord. Das hilft, damit die Gesprächsqualität nicht in die unterste Schublade rutscht. Die gute Kinderstube ist dann doch zu tief verwurzelt.

Das große Finale

Gesegelt wird schließlich auch noch. Nicht mehr an diesem Tag. Aber es kommt noch zum großen Finale. Vor dem letzten Tag liegt die direkte Konkurrenz um den Silberplatz nur einen und zwei Punkte achteraus. Und bei wenig Wind lief es überhaupt nicht gut.

Aber die Luna Rossa Freunde von “Nyala” lassen uns inzwischen in Ruhe, seit sie komfortabel in Front liegen. Wir können aber stolz sein, dass wir sie zweimal schlagen konnten. Die Profis waren plötzlich so nahe, dass sich Kollege Bruni uns schließlich beim Start vorknöpfte und mal eben die Lichter ausblies. Man muss das wohl als große Ehre werten. Zack, wurde daraus Platz fünf.

Aber damit waren die Fronten geklärt und wir sind wieder unter uns. Das letzte Rennen segelt “Nyala” schon nicht mehr mit. Mission erfüllt, auch wenn Patrizio Bertelli himself dann doch nicht wie geplant an Bord erscheint. Der besagte Flautentag wäre vorgesehen gewesen. Er wollte sich dann wohl doch dieses unsägliche Gelaber an Bord ersparen.

Nun sind also “Vanity” und “Wings” die Gegner. Die Welle ist von einem Gewitter in der Nacht ungewöhnlich hoch aufgetürmt. Brachial knallt der Langkieler in die Brecher. Besonders bei den alten Ladies nebenan auf dem Klassiker-Kurs nebenan setzen sich bestens in Szene.

Zappelei unter Spinnaker

Aber der Wind wird immer schwächer und das Segeln immer anstrengender. Während die Zwölfer sonst über acht Knoten am Wind erreichen sind es bald nur noch 2,5. Besonders schrecklich ist die Zappelei unter Spinnaker. Das Tuch kollabiert ständig. Wir bauen einen Bullenstander am Großbaum an, der die Funktion des fehlenden Niederholers übernimmt. So wird das Profil einigermaßen in Form gehalten.

Alles in allem kein schöner Segeltag. Aber dafür ist er erfolgreich. Nach zwei gewonnenen Start-Duellen mit “Wings” läuft “Trivia” beschwingt über den Kurs und sichert Silber. Eine spannende Woche geht zuende.

Die alte Dame hat sich gut gemacht. Sie wird noch ein paar Veranstaltungen im Mittelmeer mitmachen und vor Cannes wohl wieder auf die gleichen Gegner treffen. Aber dann geht’s wieder per Tieflader zurück nach Kiel. Im Norden wächst die Flotte immer weiter. In der nächsten Saison könnten gleich sieben gleichwertige Schiffe zum Beispiel vor Flensburg regattieren.

“Trivia” beim Practice Race:

Ergebnisse PUIG 12mR WORLD CHAMPIONSHIP

Eventseite Puig Vela Classica

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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