Knarrblog: Historische Prozession mit “Trivia” beim Dyvig Spektakel – Schuh verloren

Zwölfer Polonaise

Was für eine Show, was für ein Erlebnis. Zwölf Zwölfer reihen sich vor der Sonderborg Brücke auf. Segel schlagen ohrenbetäubend im Ostwind. Die 26 Tonner sind schwer in Reihe und Glied zu bringen. Zumal drei der 21 Meter Yachten ohne Maschine ausgerüstet sind. Im schmalen Fahrwasser wird wild gekreuzt.

Es ist eine sportliche Idee, die Schiffe im Entenmarsch unter der geöffneten Brücke durchschicken zu wollen. Man muss die Boote schon eng zusammen treiben, um den Autoverkehr nicht zu lange warten zu lassen.

Aber der Vorgang ist minutiös geplant. Als die schäumenden Bleitransporter die schmalste Stelle des Kanals von Sonderborg erreichen, wird auf dem Gummiboot die gelbe Flagge gehisst. Einreihen und abstoppen, analog zur Safety-Car-Phase bei der Formel eins. Überholen verboten. Zwölfer Polonaise bis zur Brücke.

12mR

Zwölfer Parade von Sonderborg nach Glücksburg zur Europameisterschaft. © SegelReporter

Das Spektakel ist mehr als eine attraktive Sternfahrt. Es beginnt als Wettkampf. Die Skipper der klassischen Schönheiten mögen zwar ihr Holz ziemlich gerne, aber noch lieber stemmen sie Pokale in die Höhe.

Und am nächsten Tag beginnt vor Glücksburg die 12mR Europameisterschaft. Dann ist Schluss mit lustig. Mit 14 Yachten ist die Flotte größer als je zu vor. Und immerhin acht Boote der mit 16 Mann gesegelten ex America’s Cup Klasse segeln ohne Vergütung und auf Augenhöhe gegeneinander.

Tune Up Race vor Dyvig

Am Montag hat schon ein Tune-Up-Race stattgefunden vor der Dyvig Enge auf der dänischen Insel Als. Einem der Zwölfer-Eigner gehört das Hotel in der Bucht die sich hinter der kaum zehn Meter schmalen Nadelöhr Passage befindet. Er hat die Klasse eingeladen, auf dem Weg nach Glücksburg einen Abstecher in den atemberaubenden Naturhafen zu unternehmen. Für eine solche Flotte sahen sich sogar die Behörden motiviert, die Fahrrinne weiter auszubaggern.

Uns gelingt auf “Trivia” mit der Serie 1/4/1 ein Überraschungserfolg. Immerhin hat auf “Vanity” Doppelolympiasieger Jesper Bank  das Steuer übernommen. Und Patrick Howaldt setzt seine erfolgsverwöhnte Vanity Crew mit Taktiker Stig Westergaard auf die noch schneller eingeschätzte “Vim”.

Auch “Blue Marlin” aus Finnland, der neueste Zuwachs für die Ostsee-Flotte, ist sehr flott unterwegs. Und “Sphinx” wird von der erfahrenen FSC- Truppe seit Jahren bestens gesegelt. So ist sie gerade beim Rennen in den heimatliche Stall mit vollem Eifer dabei, quetscht sich mit Vollgas über die Startlinie und überholt nach der Safety-Car-Phase noch die führende “Vim” im Sund nach Flensburg.

Vor Glücksburg wird ein großes Spektakel erwartet. Wenn ab Donnerstag erstmalig die große Zwölfer-Flotte mit Schaum vor dem Mund aufeinander trifft, sind enge Situationen vorprogrammiert. Bis zu 23 Knoten Wind werden prophezeit, und da kann es schon mal laut und unübersichtlich werden auf den Truppentransportern.

Schaum vor dem Mund

Dabei sollte zum Beispiel nicht passieren, was ich beim ersten Trainingsschlag erlebte. Bei der Halse ziehe ich jeweils auf dem Achterschiff den Baum mit den drei Großschot-Blöcken herum. Dabei verwandelt sich das Deck im Moment des Überholens  kurzfristig ein großes ungeordnetes Gewühl aus daumendicken, pulsierenden Schotenden. Hübsche Fußfallen, die sich zuziehen, wenn sich das Segel auf dem neuen Bug mit Luft füllt.

Zack, tappe ich hinein, versuche hektisch die Fessel zu lösen, werde schon auf dem Hosenboden über das Deck gezogen und sehe mich, am Fuß aufgehängt mit dem Kopf im Wasser pendeln. Erst im letzten Moment begnügt sich der Menschenfänger mit dem Schuh. Reißt ihn vom Fuß, zerrt ihn ins Wasser.

Auf nimmer Wiedersehen, denke ich. Bis ihn gut eine Stunde später ein Mobofahrer vorbei bringt. Die Freude überwiegt. Aber nicht auszudenken, was in einer solchen Situtaion bei Starkwind passiert. Fuck Ups solcher Art bleiben beim Zwölfer-Segeln nicht ohne Folgen. Klopf, klopf auf Holz. Davon ist auf diesen Teilen Gott sei Dank genug vorhanden.

Meldeliste zur 12mR EM in Glücksburg

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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