Knarrblog: Jede Menge Aufregung beim ersten Drachen-Donnerstag auf der Alster

Mist, Schot gerissen

Die erste Drachen-Donnerstag-Regatta auf der Alster. Wie herrlich. Es geht wieder los! Dieses Geräusch von raschelnden Segeln, schwappenden Wellen und  “Platsch” war das ein Handy? – nein, ein Wantenspannungsmessgerät für schlappe 160 Tacken auf einem Nachbarschiff. Die Finger sind wohl noch etwas klamm so früh im Jahr.

Drachen, Alster

Die Drachen sind wieder los. Immer Donnerstags auf der Alster. © Peter Kaehl

Die Freunde daneben lassen es etwas lockerer angehen. Sie platzieren erst einmal die Sandemann-Pinneken in die dafür vorgesehenen Löcher am Traveller. “Ist für Rasmus”, heißt es. Aber man ist sich noch nicht klar darüber, ob es dem obersten Wind-Wächter missfallen mag, dass er nur aus kleinen Fläschchen bedient wird statt der üblichen großen Pulle.

Das Frozzeln mit den Nachbarn am Steg ist erfrischend. Einige sitzen in der Sonne beim Feierabend-Bierchen. Sie haben ihr Schiff schon in Schuss. Am Wochenende lief schließlich der erste Teil der Frühjars Verbandswettfahrten. Ex Hanse Chef Michael Schmidt hat das Feld bei Starkwind dominiert mit sechs ersten und einem zweiten Platz bei sieben Wettfahrten.

Flotte alte Lady

Wir waren nicht dabei und müssen noch unsere Sachen zusammensuchen. Immerhin hat die alte Lady im Winterlager neue Fallentaschen und Leinen gestiftet bekommen. Das fühlt sich flott an. Bis zu den ersten Metern nach dem Raumschots-Start vor dem Steg.

Drachen Regatta

Mit der Pinne zwischen den Beinen bei der Luvtonnen-Rundung. © Peter Kaehl

Es ist ja nicht ohne, die ersten Meter nach langem Winterschlaf mit einem spitzen Raumschotskurs bei starkem Wind beginnen zu müssen. Und prompt rutschen wir in die Abgase von Philipp Dohse und Gemahlin, der mit seinem Drachen leichtfüßig entschwindet, und bei diesem Rennen nicht mehr gesehen wird.

Wir reihen uns dahinter ein…bis der Spi ohrenbetäubend flattert. Wie eine Fahne weht er seitlich aus. Dabei haben wir ihn in letzter Minute vor dem Start mehrfach hoch und runter geholt, um ihn richtig anzubauen. Mann wie war das noch mit dem Spibaum-Niederholer? Wo wird noch der Barber geführt und wieso ist der Kicker-Tampen unter Deck wieder von der Rolle gesprungen?

Rechtzeitig funktionierte alles, und was ist nun mit dem Spi? Schot gerissen. Ganz banal. Diesen Tampen haben wir beim Austausch vergessen. Nun ist er im Winter offenbar wirklich morsch geworden.

Basteln und kämpfen

Dirk bastelt und kämpft, um die Enden mit einem ordentlichen Seemannsknoten zu verbinden. Ich denke eigentlich, dass da nichts mehr zu machen ist. An der ersten Tonne liegen nicht mehr viele der gut 30 Boote achteraus, und nun geht es ohne Spi vorwind runter.

Aber schließlich läuft die zusammengeknispelte Schot doch noch durch die große Rolle, die Blase steigt hoch, und die Aufholjagd kann beginnen. Es passt viel zusammen auf den kurzen drei Runden. Und Jörg, der gut drei Jahre beruflich in Afrika verschollen war, hat immer noch die alten Handgriffe drauf.

Nach einer halben Stunde rauschen wir tatsächlich noch als Zweite ins Ziel, denken wir zumindest. Aber blöderweise ist die Nachbarbox schon belegt. Ist uns Ralf etwa irgendwo ungesehen durchgerutscht? Nein, er musste früher an Land. Vorschiffer Robert ist zwischenzeitlich über Bord gegangen. Herrlich, das birgt jede Menge Spruch-Potenzial. Puh.

Schöne Geschichten hat dieser Auftakt wieder produziert. Überall fröhliche Gesichter, die Abendsonne glitzert in den Biergläsern, und die NRV-Terasse ist ordentlich gefüllt. Die Segel-Familie ist wieder beisammen und hat sich viel zu erzählen. Ein ziemlich perfekter Start. Die Saison kann wieder beginnen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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