Knarrblog: Letztens bei der Drachenregatta – Heftiger Crash beim Saison-Abschluss

Drachen vor der Birne

Die Drachen-Saison auf der Alster ist längst vorbei. Aber immer noch geht mir eine Situation im Kopf herum, die sich beim letzten Rennen während des Erhard-Brinckman-Gedächtnis-Preises ereignete.

Drachen Regatta

Das SR Team mit Clown Sails nahe am Ufer unterwegs. © Peter Kaehl

Es passierte an der Luvtonne. Nach einer Startkreuz mit guten Winddrehern auf beiden Seiten scheinen die 30 Boote fast gleichzeitig oben anzukommen. Es gibt sogar ein Luv-Tor, um die Situation zu entspannen, aber es wird extrem eng.

Und dann komme ich auch noch in mittelmäßiger Position von links. Das ist selten schlau und immer gefährlich, weil man sich ohne Vorfahrt in die Backbordbug-Fahrer einreihen muss. Da die Blei-Transporter schwerfällig wenden, steht man gerne viel zu lange im Weg herum, bis das Manöver abgeschlossen ist.

Drachen Regatta

Mit der Pinne zwischen den Beinen bei der Luvtonnen-Rundung. © Peter Kaehl

Der Wind weht ordentlich und ist mega instabil nahe dem Ufer. Es steht eine ziemlich hohe chaotische Welle auf dem Parcours. Die 1,7 Tonner graben sie selber in die Alster. Bug- und Heckwellen erzeugen heftiges Schwappen und Platschen, wenn die Flotte eng beisammen segelt.

Ich zucke zusammen…

Also irgendwie einreihen. Ich ducke mich unter den Baum und spähe nach Lee, um eine Lücke zu erkennen. Das sollte doch klappen. Pinne herumreißen, das alte Backstag öffenen und ein wenig die Schot, den Traveller nach Luv ziehen, und die Tonne anpeilen…

Ein kurzer Blick zurück, ob alles passt…ich zucke zusammen. Es kracht. Ein weißer Bug schiebt sich am Heck hoch. Die scharfe Spitze nähert sich meinem Kopf. Ich schrecke zurück, falle rücklings aus dem Boot, hänge mit den Beinen noch an der Kante und klammere mich an der Großschot fest.

Drachen Regatta

Klaus Libor mit den Heitzig Brüdern segelt regelmäßig weit vorne. © Peter Kaehl

Dirk streckt mir die Hand entgegen. Irgendwie rapple ich mich auf und klettere zurück ins Schiff. Die Pumpe geht. Mann war das knapp. So einen Drachen möchte man nicht gegen die Birne bekommen.

Völlig daneben

Was ist passiert? Die Alster-Legende Klaus Libor, Bruder von Gold-Gewinner Ulli, ist aufgefahren. Er und die Heitzig Brüder, mit denen er regelmäßig im Vorderfeld segelt (Video Interview), haben uns nicht gesehen. Ich dachte, er käme mit Überhöhe an, und wir könnten uns drunter legen. Aber das ging offenbar völlig daneben.

Wir scheren erst einmal aus, drehen einen Strafkreis, reihen uns als letztes Boot ins Feld ein, und ich atme erst einmal kräftig durch. Was für ein Schock. Das hätte im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge gehen können.

Drachen Regatta

Es ist immer eng bei den Drachen. Hans Werner Zachariassen im Start-Zweikampf mit Jan Woortmann. © Peter Kaehl

Das Rennen ist irgendwie durch. Nur zwei Boote holen wir noch ein. Eine vordere Gesamt-Platzierung scheint verpasst, auch wenn wir uns in den sieben Rennen davor ganz gut geschlagen haben.

Ein Blick auf die Ergebnisliste weist dann auch noch den zweiten Platz im siebten Rennen als Frühstart aus, und so steht statt Gesamtrang drei eine Neun auf dem Zettel. Ein gebrauchter Tag. Aber der hätte wahrlich auch noch schlimmer ausgehen können.

Drachen Regatta

Zachariassen mit Ferdi Ziegelmayer und Peter Eckhardt auf dem Weg zum Sieg. © Peter Kaehl

Vorne zog überlegen einmal mehr Altmeister Hans-Werner Zachariassen seine Kreise, der sich zum Stammvorschoter Peter Eckhardt Laser Händler Ferdinand Ziegelmayer ins Boot geholt hatte. Dazu hatte der Kieler Yacht Club Bundesliga Steuermann Sönke Boy einen überragenden Rookie Auftritt auf Platz zwei.

Da sage noch jemand, man müsse erst Jahre lang den Bleitransporter studieren, um vorne mitzusegeln. Aber manche lernen es eben nie, die Trägheit der Kiste richtig einzuschätzen 🙂

Ergebnisse Erhard-Brinckman-Gedächtnis-Preis Drachen

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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2 Kommentare zu „Knarrblog: Letztens bei der Drachenregatta – Heftiger Crash beim Saison-Abschluss“

  1. avatar Marc sagt:

    Ein Blick auf die Ergebnisliste: Bei so vielen Doktoren im Feld war bestimmt auch ein Arzt nicht weit 🙂

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

  2. avatar Bruhns sagt:

    Wenn man als Steuermann auch den Spi hochziehen muss, kann man tatsächlich mal den Überblick verlieren – wozu hast du eine Crew?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

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