Knarrblog: Match Race Germany – Tag 1 Training – Flautenpech

Vorwind Vollgas - zurück

Abenteuer Match Race Germany. Das Segelreporter Team startet in Langenargen. Es muss eben auch Opfer geben. Der Trainingstag geht schon mal gründlich daneben.

Bavaria 40

Flautentraining vor Langenargen mit den Bavaria 40. © MRG

Segeln ist eigentlich eine hübsche Sache. Wer geschickt plant, die angemessene Klasse wählt, sich das passende Spielfeld aussucht, der kann sich selbst und andere in dem Glauben lassen, noch mit einer gewissen Leistungsfähigkeit ausgestattet zu sein.

Deshalb war eigentlich vor vier Jahren Schluss mit der Matchracerei. Der Aufwand wurde zu groß, um neben dem Alltagswahnsinn ein adäquates Niveau halten zu können. Die Drachen-Donnerstag-Regatten sind ein hübscher Ersatz.

Dann hat da im vergangenen Jahr jemand die Schnapsidee, mit der alten Sturmtruppe noch mal bei der Duell-Meisterschaft anzutreten. Mit den Streamline Schiffe können wir gut, ein paar Reflexe funktionieren auch noch, dazu etwas Glück und zack sind wir plötzlich Meister.

Ist ja eigentlich eine schöne Geschichte. Aber erst später wird mir bewusst, was da wieder einmal dranhängt. Die Quali für das Match Race Germany in Langenargen am Bodensee. Duellsegeln gegen die Besten der Welt.

Das gibt wieder Haue

Toll. Da gibt es wieder Haue. Wie schon 2010. 0:11. Aber absagen? Sich drücken? Macht man nicht. Ist doch Ehrensache. Klasse, was Ebse Magg und seine Mannschaft da seit 17 Jahren auf die Beine stellen. Im ersten Jahr waren wir schon dabei. Da segelte er im Hafen von Kressbronn mit Windmaschinen. Seitdem ist es die beständigste und hochwertigste internationale Segelregatta in Deutschland. Ein echtes Fest für den Sport.

Da muss es auch Opfer geben. Hunde, die geprügelt werden können. Okay, kann man ja auch mal spielen die Rolle. Man wird nicht zu übermütig und ordentlich geerdet. Und mit Glück sichere ich das Damage Deposit von 2000 Euro. Bloß keine Kollisionen verschulden.

Aber wer weiß. Es gibt auch ein paar Variablen, die für uns spielen könnten. Diese Bavaria 40 Yachten mit den zwei Steuerrädern – samt Radpersenning – deutlich anders als die anderen Schiffen auf der Alpari Match Race Tour. Die Champs haben ähnlich geringe Erfahrungen damit wie wir.

Platz für Überraschungen?

Dazu kommt der Bodensee. Lassen seine Tücken Platz für Überraschungen? Außerdem spielt die Qualität der Crew. Das NRV Match Race Team um Skipper Felix Oehme hat mein Flehen um Unterstützung erhört. Der Nachteil: Keine Ausrede ist geblieben. Jeglichen Mist kann ich nur selber verzapfen.

Wir sind gespannt. Das Training ist schon mal echt Klasse. Erst neun Stunden im Auto durch die Nacht, dann kurz zum Bäcker und zack raus aufs Wasser. Der Slot von 9 bis 13h ist vorgesehen. Passt super. Vier Stunden absolute Flaute. Einmal ein Trainingsstart mit dem jungen David Gilmour versucht, dann ist auch dieser Hauch wieder entschwunden.

Ha, aber es gelingen Spinnaker-Halsen bei maximalem Druck. Der Trick: Einfach mit der Maschine Vollgas achteraus und den Spi hochreißen. Der Fahrtwind füllt die Tücher.

Der blöde Schraubeneffekt

Dann der Anleger im engen Hafen von Langenargen. Die Jungs sehen etwas betreten zu Boden, als ich zweimal rückwärts die Box nicht treffe. Dieser blöde Schraubeneffekt. Zack, die Leinen festgemacht und zack setzt der Wind ein. Die Kollegen in der zweiten Trainingsgruppe können vier Stunden bei schönstem Wind üben.

Na ja. Das wird nicht den Unterschied ausmachen. Da könnte eher die Regel-Kenntnis eine Rolle spielen. Bei der Steuermannsbesprechung drückt mir Chief Umpire Craig Mitchell ein Heft in die Hand mit dem schönen Titel „2014 Alpari World Match Racing Tour Standard Tour Rules“.

34 Seiten über Regeln, Interpretationen und Verfahren. Zu lesen über Nacht. Wichtigste Änderung: Es gibt keine Regel 17. Man darf zum Beispiel vor dem Wind von hinten ins Lee des Gegners segeln und erhält Luvrecht. Genauso wie vor dem Start. Mal sehen, wie sich das alles so auswirkt…auf das Damage Deposit.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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2 Kommentare zu „Knarrblog: Match Race Germany – Tag 1 Training – Flautenpech“

  1. avatar Ole H. sagt:

    Na denn mal viel Spaß, die Windprognosen sprechen derzeit von 0-4 Knoten (in Boen 🙂 ) . Eigentlich hatten wir vor, das Wochenende segelnd auf dem See zu verbringen, aber ich glaube, es wird eher ein Grillen der Crew.

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  2. avatar Manfred sagt:

    Drücke euch die Daumen und wünsche viel Spass.

    Finde ich gut, dass ihr mal das aktuelle Niveau checkt und hoffentlich auch darüber berichtet.

    Smooth sailing!

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