Knarrblog Meisterschaft der Meister: Wieser souverän – Wir können nur etwas kitzeln

Stürmisches Finale

Mit etwas Verspätung der Erlebnisbericht zur Meisterschaft der Meister. Im Finale segelte Markus Wieser souverän. Unsere Fehlerquote war zu hoch. Aber so haben wir die B/one mal in Aktion erlebt.

Meisterschaft der Meister

Kai versucht die Großschot für die Halse zu greifen, Max Gurgel voraus hat Probleme am Ruder. Kurz danach kreiseln wir beide im Strafmodus und Wieser fährt vorbei. © Pepe Hartmann

Wettfahrtleiter Peter Ramcke schreit irgendetwas vom Startschiff herüber. Man sieht nur die Mundbewegungen. Der Wind reißt die Worte in Fetzen. Wird schon nicht so wichtig gewesen sein.

Das Finale der Meisterschaft der Meister steht an. Nach insgesamt 25 Rennen mit je sechs Booten sind 3 von 31 Teams übrig geblieben: Markus Wieser, Titelverteidiger, Drachen Gold Cup Sieger und 5,5er Weltmeister 2013 und das HSC-Heim-Team um Skipper Max Gurgel, 2012 Deutscher Seesegel Meister in ORC 3 und wir als Match Meister.

Es orgelt zu heftig

Ein Motorboot kommt längsseits. “Ist euer Spi klar?” Wie jetzt? Im Ernst? Bisher wurde am Sonntag ohne Gennaker gesegelt. Es orgelt einfach zu heftig. Und ein Großteil der Tücher war in den Vorrunden zerrissen. Sie waren über Nacht beim Segelmacher.

Auch jetzt hackt es so dermaßen, dass wir uns kaum auf der B/one halten können. Immer wieder hauen die Böen ins Rigg und legen das Teil auf die Seite. Fürs Finale soll die Blase jetzt hoch? Die Zuschauer warten? Au weia, das wird ein Spaß.

Vielleicht wäre es sogar ein Vorteil für uns. Knapp 40 Kilo dürften wir mehr auf der hohen Kante haben als Markus Wieser, der sich neben dem besten deutschen Trimmer Matti Paschen mit Ulrike Schümann zwar eine der besten deutschen Seglerinnen aber eher ein Leichtgewicht an Bord geholt hat. Konnte ja keiner wissen, dass Tief Christian die Alster aufmischt.

Grinder “Tiger” an Bord

Ich segele mit Bruder Kai und Henning “Tiger” Sohn. Der Mann gehörte wie Paschen 2007 zum ersten deutschen America’s Cup Team in Valencia. Er war der Chef vom Winschen-Team, gehörte zu den starken Männern an den Grindern und kümmert sich jetzt als BWLer für REA Power Windmühlen. Wenn er die Schoten nicht dicht und die Kiste  gerade zieht, dann schafft es wohl keiner.

Aber Gewicht ist nicht alles. Mit dem Genni wird es auf dem kurzen Kurs ein Schlachtfest. Ohne die Blase würde es vielleicht sogar schneller gehen, wenn man nicht auf der Nase läge. Wir diskutieren schon die Strategie, das Teil unten zu lassen. Es wäre wenig ehrenhaft aber wohl schlauer und schneller, als waagerecht vom flatterndem Tuch über die Alster gezerrt zu werden.

Flagge Whiskey geht auf dem Startschiff hoch. Spi-Verbot. Ramcke nimmt uns die Entscheidung ab. Gott sei Dank. Überlebensmodus aus, Taktik-Überlegungen an. Wie geht man so ein Triple Race an? Nur mit Siegen ist zu punkten. Was setzen wir dem bayerischen Wieser-Fuchs entgegen? Dem Profi, der den Drachen Gold Cup in diesem Jahr mit 36 Punkten Vorsprung gewonnen hat.

Druck ablassen ist schwer

Reicht es, auf den Gewichtsvorteil zu setzen? Der Wind dreht zu stark und der Kurs ist zu kurz, als dass reiner Speed entscheiden könnte. So richtig sicher sind wir auch nicht, wie man diese Boote schnell trimmt. Man kann einfach ganz schwer Druck ablassen. Reinluven funktioniert auch kaum. Der Ruderdruck ist ziemlich hoch und das Schiff reagiert behäbig.

Wenn in einer Böe die Großschot gefiert werden muss, sackt gleichzeitig das Fockvorstag durch, da das Achterstag fehlt. Dadurch wird die Fock voller, das Achterliek schließt, der Druck im Vorsegel nimmt zu. Soll ja eigentlich nicht. So schieben wir die Fock-Holepunkte weit zurück. Aber wie weit? In den Böenpausen muss ja auch wieder Power in die Segel.

Puh. Wir basteln, knobeln, probieren und testen. Und schielen immer wieder zum Startschiff. Jeden Moment kann die Startsequenz beginnen. Schließlich bauen wir das Handling um. Die Jungs drehen sich um und hängen nun beide mit dem Bauch zur Reling.

Das Gewicht kommt weiter raus. Ich merke den Unterschied. Wir treiben am Wind nicht mehr so stark zur Seite. Das Problem: Die Wenden werden etwas komplizierter. Es dauert länger, bis die Jungs die Seite wechseln können.

Große Abdrift mit schmaler Finne

Egal. Es wird wohl ohnehin eher auf den Start ankommen. In der Qualifikationsrunde hab ich den schon ein paar Mal verpatzt. Das Positionieren und Timing zur Linie ist schwierig. Kaum haut eine der Hammer-Böen ins Rigg, treibt die Kiste quer. Ohne Fahrt hat die schmale Kielfinne des Farr-Designs der Abdrift kaum etwas entgegenzusetzen. Schwupps rutsche ich unter die angepeilte Anliegelinie zum Startschiff, mache die Lücke in Luv für den Gegner auf und bin auch noch zu spät dran. Ärgerlich. Das soll nicht wieder passieren.

Beim ersten Finalrennen lege ich mich weit nach Luv über die Anliegelinie zum Startschiff. Hoffentlich machen die Gegner diesmal die Türe auf. Es hängt von den Böen ab. Zack, Markus wird von einem fetten Wind-Paket getroffen. Er krängt und treibt auf Max herunter, der in Lee seine Position hält. Penalty für ihn, freie Fahrt für uns. Mann das läuft ja.

Die erste Runde liegen wir in Führung. Aber Max ist dran. Auf der zweiten Kreuz kommt er achteraus mit einem Linksdreher um die Leetonne, kann höher ziehen. Nerven bewahren. Die Rechtskippe wird schon noch kommen. Zack da ist sie. Gleich mit gut 20 Grad. Shit, das ist zu viel des Guten.

Wir liegen plötzlich weit über der Anliegelinie zur Luvtonne. Oh Mann, wie blind. Auch Max kann sich nach der Wende noch in Lee von uns innen um die Luvtonne quetschen. Es ist die Höchststrafe.

Penalties an der Luvtonne

Er luvt auch noch beim Passieren der Tonne vor dem Abfallen auf den Vorwindkurs, wir berühren ihn wohl, erhalten einen Penalty von den Schiris und checken es nicht im Eifer des Gefechts. Max hat Probleme mit der Großschot, wir erwischen ihn mit Backbord und Wegerecht, er erhält einen Penalty. Was für eine Hektik.

Aber nun kommt auch der Pfiff und eine Strafe für uns. Ich kann es gar nicht begreifen, rege mich auf und weiß nicht, dass die Situation zuvor gemeint ist. Wir kringeln beide,  Markus fährt vorbei. Ohne zu grüßen.

Meine Güte! Wie schnell man so ein Rennen aus der Hand geben kann. Der starke Wind macht alles etwas unübersichtlich. Aber den Zuschauern auf dem HSC Steg gefällt es. Wir hören die Anfeuerungsrufe. Überholmanöver, Spin Outs, Schiri-Aktionen, so muss es sein.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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5 Kommentare zu „Knarrblog Meisterschaft der Meister: Wieser souverän – Wir können nur etwas kitzeln“

  1. avatar bagatell sagt:

    Schön geschrieben. Danke!

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  2. avatar Ballbreaker sagt:

    Naja, es gibt Schlimmeres als gegen Wieser zu verlieren 😉

    Danke für den coolen Insider-Bericht!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 15 Daumen runter 0

  3. avatar Christian sagt:

    was ist denn das für ein super Boot, bei dem sich die Großschot im Ruder vertörnen kann? Und man laut Max Gurgel mehr mit dem Boot als mit dem Gegner zu kämpfen hat? Tsstsss
    Und irgendwie fällt es auf, dass Carsten kein einziges gutes Wort über das Boot verliert.

    Holgi, was sagst du dazu?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 1

    • avatar Henk sagt:

      Der Name sagt doch schon alles 😉 Wie gut kann ein Knochen denn schon segeln?

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  4. avatar Markus sagt:

    wir waren auch mehr mit dem Boot als mit den Gegnern beschäftigt…

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