Knarrblog: Ordentlicher Anfang – ärgerliches, teures Missgeschick

Schreien, pöbeln

Shit, Shit, Shit! Ein Gefühl wie wenn das Fahrrad geklaut ist, der Laptop auf den Boden knallt oder das Handy beim Segeln aus der Hosentasche ins Wasser rutscht. Ein kurzer Schlag aufs Deck. Kurz Dampf ablassen. Der Velocitek ist über Bord. Shit!!

Zweikampf um Platz 5 und sechs. Bei der nächsten Halse schnappen wir uns die Dänen. © Sven Jürgensen

Zweikampf um Platz 5 und sechs. Bei der nächsten Halse schnappen wir uns die Dänen. © Sven Jürgensen

500 Tacken versenkt. Einfach so irgendwo zwischen Luv- und Leetonne beim Stollergrund. Hing wohl der Gennaker irgendwie dran. Schwupps mitsamt seiner Halterung vom Schott gerissen.

Dabei habe ich dieses Wunderteil langsam richtig lieb gewonnen. Es misst die Zeit, den Speed, den gesteuerten Kurs zum Wind und das Wichtigste: Die Entfernung zur Startlinie.

Es ist schon lustig, wie sie sich alle an der Starttonne versammeln, um ihren Bug neben der Tonne zu platzieren, auf den Velocitek-Knopf drücken und dann zur anderen Seite der Linie hetzen für dasselbe Procedere. Da wird es eng. Man muss sich geduldig hinten anstellen.

Italienische Owner Driver

Als Lohn winkt die Information zum Abstand zur Linie. Auch  in der Mitte weiß man, wo man dran ist. Erstaunlich, dass solch ein Hilfsmittel in der Einheitsklasse J/70 erlaubt ist. Ob es besonders den vermögenden Eigner-Steuerleuten mit ihren Profis beim Starten helfen soll?

Mit den Deutschen Meistern vom Touring Yacht Club um die Luvtonne. © Sven Jürgensen

Mit den Deutschen Meistern vom Touring Yacht Club um die Luvtonne. © Sven Jürgensen

Sie bekommen es jedenfalls ganz gut hin. Der erste Tag der J/70 EM gehört wie erwartet den Italienern und Monegassen, die in Europa schon länger den qualitativ hochwertigsten Circuit der Klasse unterhalten.

Ich bekomme zwar einen kleinen Schock als ich den Superstar Alberini beim Einchecken neben mir sehe. Ziemlich stattlich der Schnauzbart – um es vorsichtig zu sagen. Als Fitness-Vorbild taugt er nicht. Dafür kann er flott geradeaus steuern. Beeindruckend!

Frau Rossi gibt Gas

Wir können beim ersten Start ordentlich mithalten. Kämpfen mit der Italienerin Rossi um den Pin-End-Start. Es sieht nach genug Platz aus. Aber dann macht die auflaufende Strömung das Timing doch etwas kritisch. Wir müssen etwas pressen, kommen aber frei nach links und holen einen soliden Fünften.

Aus dem Hafen kreuzen mit Heiko Kröger. © SegelReporter

Aus dem Hafen kreuzen mit Heiko Kröger. © SegelReporter

Frau Rossi können wir vor dem Wind etwas ärgern. Sie halst vor uns, wir etwas schneller und besser und zack rauschen wir vorbei. Dieses Manöver beherrschen wohl alle deutschen Bundesliga-Teams. So ein Überholvorgang macht Spaß und bringt mal ein Pünktchen. Aber eine große Rolle spielt er in Bezug auf die Gesamtdauer des einstündigen Rennens nicht. Auf der nächsten Kreuz segelt sie wieder davon.

Das zweite Rennen wird richtig fies. Es sind jetzt schon einige Teams auf den Trichter gekommen, dass ein Start links Erfolg verspricht. Und wir wollen die Strategie vom ersten Rennen kopieren. Aber es wird eng, sehr eng. Die Strömung drückt noch weiter, wir drehen ab und suchen eine (nicht vorhandene Lücke) für die Befreiung nach rechts.

Schreien, pöbeln

Ein Großteil des Feldes kommt nicht über die Linie. Es wird geschrien, gepöbelt, gecrasht. Wir versacken im Verkehr der Nachstartphase. Permanent kommt irgendjemand mit Vorfahrt. Wende um Wende kämpfen wir uns durch den Verkehr, liegen laut Tracker irgendwo in den hinteren 30ern. Aber es wird noch ein ordentlicher 15.

Eröffnungsparade. So ähnlich wie bei Olympia. © Marina Könitzer

Eröffnungsparade. So ähnlich wie bei Olympia. © Marina Könitzer

Schadensbegrenzung. Wenn nur nicht der Velocitek hätte dran glauben müssen. Komisch das letzte Rennen ohne dieses Taktik-Tool. Wie im Blindflug. Kein Gefühl für den Speed und große Vorsicht an der Linie. Aber irgendwie klappt es auch so. Schöner Start am Startschiff. Hier hilft das Bundesliga-Klein-Klein im Kampf um die Position in Luv.

Platz 12 zum Auftakt ist ganz ordentlich. Aber es nervt schon, dass man sich von den Italienern so abbügeln lassen muss. Es wird offenbar sehr schwierig, ihnen Paroli zu bieten. Aber wer weiß. Vielleicht kommen da noch Chancen für die deutsche Flotte. Einige Boote wie unsere Clubkameraden mit „Eberhard“ mit Sven Erik Horsch an der Pinne oder auch der Düsseldorfer Pit Finis mit Taktik-Profi Karol Jablonski liegen in Lauerstellung.

Immerhin haben wir noch einen Ersatz-Velocitek organisiert bekommen. Hoffentlich hält der länger durch. Shit!!!!

Ergebnisse J/70 EM

Die Klub-Kollegen vom "Eberhard" im Hafenrace-Modus. © SegelReporter

Die Klub-Kollegen vom “Eberhard” im Hafenrace-Modus. © SegelReporter

Mitja hat den Torqueedo montiert. © SegelReporter

Mitja hat den Torqeedo montiert. © SegelReporter

 

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Carsten Kemmling

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3 Kommentare zu „Knarrblog: Ordentlicher Anfang – ärgerliches, teures Missgeschick“

  1. avatar wolfgangreith@gmx.de sagt:

    Top ten bei einer Europameisterschaft, das ist ein Klasseergebnis! Herzlichen Glückwunsch Carsten.

    Wolfgang Reith

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  2. avatar Lyr sagt:

    Ja stimmt Carsten, Herzlichen Glückwunsch!!
    Die Nationale Wertung hättest Du sogar gewonnen, super!

    grüße Jan

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  3. avatar Till sagt:

    Wenn auch nur knapp bester Deutscher 😉
    Super Leistung!

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