Knarrblog Rolex Baltic Week: Der zweite Trainingstag auf “Trivia” auf der Flensburger Förde

Der Zwölferhimmel wäre gewiss ...

Schräg und nass. Zwölfer Segeln bei 20 Knoten. © SegelReporter.com

Der Gedanke schießt durch den Kopf. Was wenn? Wenn diese Großbaumnock jetzt nicht frei auf die neue Seite schleudert? Wenn der Kopf dazwischen ist. Wenn irgendein Körperteil getroffen wird? Der Zwölferhimmel wäre gewiss.

Okay, es gibt banalere Optionen des Dahinscheidens als aufrecht stehend vom Achterdeck der Trivia gewischt zu werden. Wenn es darum ginge, die Art des persönlichen Garaus festlegen zu dürfen, dann gerne bei 20 Knoten Wind, Sonne, Traumwetter, Genusssegeln.

Flatternde Genua, schleudernde Schoten. Der Gast hatte sie kurz um den Hals. © SegelReporter.com

Aber das hat eigentlich Zeit. Deshalb flößt diese Vorwind-Halse Respekt ein. Ich versuche mit Thoralf das Groß hereinzureißen. Hoffnungslos. Der Druck ist zu groß. Viel größer als sonst. Drei, vier Knoten mehr und unsere bisherige Technik funktioniert nicht mehr. Der Baum steigt. Kein Niederholer hindert ihn. Wilfried muss stark abfallen, bevor das Achterliek umklappt. Der Baum schleudert herum.

Teufel, was für eine Urgewalt, was für ein Speed. Je länger man auf diesem Zwölfer segelt, umso mehr wird das edle Teil zu einem Rennboot wie jedes andere.

Zwei Meter und mächtig Bums. Klaus bringt neue Power an die Fockschot. © SegelReporter.com

Je länger man auf diesem Zwölfer segelt, umso mehr wird das edle Teil zu einem Rennboot wie jedes andere. Man vergisst diese Kräfte. Es geht darum, ohne lange flatternde Segel durch die Manöver zu kommen, die Drehungen am richtigen Punkt zu machen, zu beschleunigen, sich sauber zu positionieren. Wie beim Laser, wie beim Opti, wie bei jedem anderen Segelboot.

Wir üben und üben. Es geht um das Starttiming. Kreis um Kreis zirkeln wir um eine Tonne, die als Startmarke dient. Aufstoppen, beschleunigen, mit Fullspeed starten. Eine scheinbar banale Übung und doch ist sie so schwer. Einen Zwölfer stellt man nicht mal eben nahe an die Linie, wartet bis die Zeit runtertickt und segelt bei Null los. Die Beschleunigung muss schon gut eine Minute vor der Linie erfolgen.

Nach dem fünften Anlauf wird es besser, nach dem zehnten passt es. Aber nun fehlen noch die Boote bei einem echten Start. Das macht die Spannung aus.

Hübscher Tender. Das Trivia-Team hat für die WM aufgerüstet. © SegelReporter.com

Selbst der Gast an Bord hat seinen Spaß. Ein Kollege von der Welt am Sonntag wohnt uns bei den Kreiselübungen bei. Viel Action bieten wir ihm eigentlich nicht. Der Spi geht nur zweimal hoch und runter. Aber er hat dennoch sein persönliches Grenzerlebnis. In einer Wende schleudert die Fockschot unkontrolliert über das Deck. Mittschiffs sieht er eine Schlinge auf sich zukommen, sie legt sich sauber um den Hals, der Zug erhöht sich …  man will die Geschichte nicht weiterhören.

Aber mit einem Reflex löst er die Schot und – darauf legt er beim Erzählen wert – fischt mit einer Hand auch noch die durch die Luft fliegende Mütze wieder auf.

Zugegeben. Es hört sich nach einer typischen Journalistengeschichte an. Aber es gibt Zeugen, die den Vorfall bestätigen. Schaurig eigentlich. Man muss sich einfach zwingen, den Respekt vor diesen Urgewalten zu behalten

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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5 Kommentare zu „Knarrblog Rolex Baltic Week: Der zweite Trainingstag auf “Trivia” auf der Flensburger Förde“

  1. avatar John sagt:

    Sehr schöner Artikel, allerdings im oberen Teil komplette Absätze doppelt.

    Grüße nach Flensburg!

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    • avatar Andreas sagt:

      Danke ! Korrigiert und hoffentlich so, wie der Chefredakteur sich das auch gedacht hat.

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  2. avatar Jörg sagt:

    Wohl etwas zuviel STRG+V genommen 🙂

    oder irgendwas anderes…..

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  3. avatar Christian sagt:

    das Repetitive ist ein Merkmal großer Literatur, ihr Banausen! 😉

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