Knarrblog Segel-Bundesliga: Erster Tag am Starnberger See

Klassentreffen

Okay, das war schon ziemlich blöd. Erster Start. Vielleicht etwas übermotiviert. Schöner Zweikampf mit Philipp Kadelbach. Wie in alten Match Race Zeiten. Leeposition verteidigt. Leider etwas zu früh los. Einzelrückruf. Er dreht um. Blöderweise bleibt diese fiese weiße Flagge mit dem blauen Kreuz am Startschiff oben. War bestimmt noch jemand anders drüber. Wir? Mit einem Neustart auf Nummer sicher gehen? Die Reaktionszeit dauert zu lange, als dass es einen Sinn machen würde.

 Bundesliga Premiere.

Das NRV Team bei der Bundesliga Premiere. © N. Bergmann/Konzeptwerft

Im Ziel die Gewissheit. Kein Signal. Erster zwar nach einem schönen Lauf, aber ist ja auch kein großes Kunststück, wenn man zu früh startet. Gleich eine halbe Länge sollen wir drüber gewesen sein, sagt Wolfi Stückl auf dem Startschiff. Zack sieben Punkte eingeschenkt. Das tut weh. Kein Streicher. Und ich bin der einzige Depp, dem das passiert.

Dabei haben wir schon viel Spaß gehabt. Nach nur einer halben Stunde Training bei Totenflaute sind ein paar starke Manöver gelungen. Unsere Truppe ist so noch nie zusammen gesegelt. Und den anderen Teams der anderen 17 Vereine geht es genauso. Es ist der erste Spieltag der Segelbundesliga und es geht um ein Auswärtsspiel tief im Süden. Der ehrwürdige Deutsche Touring Yacht Club am Starnberger See ist Gastgeber. Sechs J/70 Yachten werden im Wechsel gesegelt.

Gwendal Lamay (15) zweimaliger Opti-WM Teilnehmer ist für unser NRV Team an Bord, der alte Laser Kumpel und NRV Sportchef Klaus Lahme (45) an der Taktik und 49er Held Thomas Plössel (23) beschäftigt sich mit dem gewohnten Gennaker. Wahrlich ein Generationen-Mix. Aber genau das ist der Reiz.

Auch andere Vereine haben Mannschaften aus den unterschiedlichsten Disziplinen und Altersklassen zusammengestellt. Jochen Schümann, der heute seinen 59. Geburtstag feiert, hat für den Yacht Club Berlin Grünau einen 14-Jährigen mit dabei. Und der Segelklub Bayer Uerdingen stellt den 73-Jährigen Laser Master René Bright auf.

Darum geht es bei der Bundesliga. Es ist ein große Klassentreffen. Alte Weggefährten treffen sich nach Jahren wieder. Allesamt gute Segler, denen nach Olympiakarrieren oder intensiver nationaler Segelei die Waffen fehlen um sie noch einmal kreuzen zu können. Allerorten herzliche Umarmungen zu Beginn der Veranstaltung. Auf der Rennstrecke wird dann wieder gebrüllt, geluvt, gekämpft.

Die alten Recken der deutschen Match Race Szene sind auf den Booten verteilt. Stefan Schneider und Timo Ellegast für Konstanz, der deutsche Meister Thomas Stemmer für den Württembergischen Yacht Club mit Olympionikin Stefanie Rothweiler und Philipp Kadelbach für den VSaW.

Aber auch Starbootsegler Philipp Rotermund sorgt für den Flensburger Segel Club für Qualität an der Linie wie auch Christian Schäfer mit Walter Rothlauf für den Bayerischen Yacht Club.

Es macht richtig Spaß, gegen solche Typen zu segeln. Besonders natürlich gegen Jochen. Schön Lücke am Start erarbeitet, viel Platz zum Beschleunigen, zack wendet der große Meister in Lee rein, luvt hoch und stellt uns ab, zwingt uns in eine ungeplante Wende. Mist, nicht aufgepasst. Nicht gesehen. Mit ach und Krach reicht es gerade noch zu Platz drei in dem Rennen. In 15 Minuten ist nicht viel aufzuholen.

Aber es gelingen uns noch ein paar schöne Rennen. Das Adrenalin kribbelt in den Adern, die Sonne scheint, die Thermik säuselt relativ stabil und diese J/70 macht immer mehr Spaß. Wenn da nur nicht dieses blöde DSQ auf der Liste stände.

Aber weiter geht’s. Gerade setzt die Themik wieder ein. Raus aufs Wasser.

Bilder vom ersten Tag

Ergebnisse vom ersten Tag

Die Teams

Eventseite Segelbundesliga

Die PM vom ersten Tag:

Einen besseren Auftakt hätten sich die Organisatoren der Deutschen Segel-Bundesliga  für den ersten Wettfahrttag kaum wünschen können. Bei strahlendem Sonnenschein starteten die 18 Vereine in ihre erste Bundesligasaison. Jeder Verein beendete vier Rennen. In Führung liegt der Verein Seglerhaus am Wannsee. Den zweiten Platz teilen sich der Yachtclub Berlin-Grünau und der Bayerische Yacht-Club.

Fast alle Clubs sind ohne Vorbereitung nach Tutzing an den Starnberger See gereist, um bei der Premieren-Regatta der Segel-Bundesliga an den Start zu gehen. Für die Führenden vom Verein Seglerhaus am Wannsee mit Skipper Philipp Kadelbach, Jens Steinborn, Demian Schaffert und Ulli Blumeyer lief der “Kaltstart” ohne Training optimal. “Wir segeln das erste Mal in dieser Konstellation und haben solide angefangen. Wir sind mit Spaß dabei und wollen für die kommenden VSaW-Teams vorlegen”, erklärte Teammanager Ulli Blumeyer.

Dem VSaW dicht auf den Fersen ist der “Yacht-Club des Jahres”, der Yachtclub Berlin-Grünau, mit Steuermann Jochen Schümann. Gemeinsam mit seinem ehemaligen Trainer Reinhard Hübner, Oliver Freiheit und Youngster Philipp Löwe überzeugte das Team – wie der VSaW – mit zwei Rennsiegen. “Erst wenn jeder gegen jeden gesegelt ist, zeigt sich, wer wirklich vorne mitsegelt. Einige Teams sind schon eingespielt, aber es ist trotzdem noch sehr eng und spannend. Alles kann passieren”, resümiert Reinhard Hübner nach dem ersten Tag.

Wie eng es zugeht, zeigt sich beim Blick auf die Plätze nach den Top Drei: auf den Plätzen vier bis sechs liegen der Württembergische Yacht-Club mit Steuerfrau Stefanie Rothweiler, Thomas Stemmer, Felix Diesch und Klaus Diesch, der Konstanzer Yacht-Club mit Stefan Schneider, Timo Elgast, Zeno Danner und David Segbers sowie der Berliner Yacht-Club mit Philipp Bruhns, Maximilian Nickel, Philip Raabe und Max Wohlfeil punktgleich auf den Verfolgerplätzen.

Nach den guten Bedingungen mit bis zu elf Knoten Wind, sieht die Vorhersage für morgen eher mau aus. Wettfahrtleiter Wolfgang Stückl startete für eine Gruppe mit zwei weiteren Wettfahrten. Die restlichen zwölf Teams können erst morgen ihre Rennen Nr. 5 und 6 beenden, damit die Vergleichbarkeit in der Wertung wieder hergestellt ist.

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Carsten Kemmling

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5 Kommentare zu „Knarrblog Segel-Bundesliga: Erster Tag am Starnberger See“

  1. avatar Stefan sagt:

    …wird in der “Bundesliga” eigentlich nach den J70 Klassenvorschriften gesegelt?

    …die Handhabung des Gennakerbaums lässt nicht darauf schließen.

    “The bowsprit shall be fully retracted at all times except when the gennaker is being set, is set, or is being retrieved, and shall be retracted at the first reasonable opportunity after the retrieval.”

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  2. avatar Stefan sagt:

    …die Segelanweisungen sehen den selben Passus wie die Klassenvorschriften in Bezug auf den Bugspriet vor:

    “Bugspriet
    (a) Das Bugspriet muss gänzlich eingezogen sein, außer wenn der Gennaker gesetzt wird,
    gesetzt ist oder geborgen wird und muss bei der ersten vernünftigerweise möglichen
    Gelegenheit nach dem Bergen des Gennakers eingeholt werden.”

    http://segelbundesliga.de/wp-content/uploads/sites/4/2013/05/Bl_Segelanweisung_Regatta1_DTYC_22052013.pdf

    ….scheinbar habe das einige Crews nicht gelesen, da an der Luv-Tonne der Bugspriet schon z.T. vor der Wende ausgezogen gefahren wurde.

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  3. avatar kritiker sagt:

    Wenn da nur nicht dieses blöde DSQ auf der Liste stände.

    Beim frühstart hat man aber eigentlich einen OCS oder BFD

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 3

  4. avatar Wilfried sagt:

    ich hoffe alle hatten viel Spaß, aber eine Bundesliga mit Mannschaften die vorher noch nie zusammen gesegelt sind?????? Haben die Clubs keine Dreimannboote zum trainieren. Die Bundesliga sollte doch die Spitze des Vereinssports sein oder? Aber es kann ja noch werden.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

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