Knarrblog: SegelReporter beim “mare” Segeln in Newport

Segeln auf "mare"


Zusammenfassung des Verlaufs der zweiten Etappe beim Atlantic Cup

“Lust, ein wenig “mare” zu segeln, etwas beim Starten helfen?” Der Anruf von Jörg Riechers erwischt mich kalt. Die neue “mare”, eine der heißesten deutschen Yachten überhaupt und die vielleicht schnellste Class40 der Welt? Wo? Im US-Segel-Mekka Newport. Kann mich mal jemand kneifen?

Jörg Riechers mit seiner "mare" kurz vor dem Liegeplatz vor dem America's Cup Sieger "Columbia" von1958. © SegelReporter.com

Wir sind ein paar Mal gegeneinander Match Race gesegelt. Es lief damals ganz gut für uns. Irgendwie meint er, die Erfahrung könnte bei der Startperformance helfen. Ich bin gespannt.

Es geht um den Atlantic-Cup. Nach den ersten beiden Doublehanded-Etappen von Charleston über New York nach Newport steht eine Serie von Inshore Rennen mit sechsköpfiger Crew an, die in die Gesamtwertung eingehen. Riechers liegt nach den Plätzen eins und zwei in Führung und will nach dem Gewinn der Solidaire du Chocolat den zweiten Gesamtsieg mit der neuen “mare” holen.

SegelReporter am Ruder der "mare". Fühlen, was das Boot will. © SegelReporter.com

Wow, ich bekomme den Mund kaum zu beim Auslaufen aus dem Newport Hafen. Vor 21 Jarhen bin ich hier eine Flying Dutchman WM gesegelt. Da war es noch nicht so voll und edel in der Bucht.

Links und rechts Edel-Yachten, eine schöner als die andere. Nicht so protzig und abgehoben, wie Monaco, oder spielerisch mediterran wie San Tropez, einfach  sehr natürlich, nahe dran am Wesen des Segelns.

Es geht vorbei an zahlreichen Zwölfern. Einem haben sie das Heck abgeschnitten. Warum auch immer. Sieht hässlich aus. Daneben liegt die “Columbia”, die 1958 den America’s Cup verteidigte. Bleitransporter der alten Generation, die einmal genau so innovativ und schnell im Vergleich zur Konkurrenz waren wie “mare”.

Aber die Class40 fühlt sich spritziger an als ein alter Zwölfer. Extrem leicht und jollig liegt er auf dem Ruder, auch wenn die Großssegel-Schwinge mit enormen Ausmaßen in den Himmel ragt.

Das breite Heck gurgelt bei weniger Wind. Man will automatisch weiter nach vorne rutschen, um das Heck zu entlasten. “Aber das ist eben so”, sagt Charles, der Pojekt Manager, Riechers Trainer, Preparateur und Co-Pilot bei der New York – Newport Etappe. “Kann man nichts machen. Die Schiffe sind eben zum Gleiten gebaut.” Ohne Wind kleben sie am Wasser fest.

Jörg Riechers beim Tampen-Aufrämen. In Lee liegt ein Holz-Zwölfer mit abgeschnittenem Heck. © SegelReporter.com

Aber sie bewegen sich dennoch erstaunlich gut. Drehen, bremsen, beschleunigen, das erste  Training verläuft vielversprechend. Die drei Amerikaner, die der verhinderte Ryan Breymaier besorgt hat, können ihren Hob.

Tony hat beeindruckende Oberarme, viel Erfahrung und ein angenehmes Auftreten. Er bildet mit dem jungen Nathan eine Einheit und Phil der Vize-Präsident von Hall-Spars, soll für das Revierwissen, Strategie und Navigation sorgen. Sie alle wurden durch die Möglichkeit gelockt, auf der neuen, coolen, schnellen “mare” zu segeln.

Ein toller Trainingstag unter der Newport Brücke. Die Jungs auf dem Vorschiff bekommen alle Manöver exakt ausgeführt. Ich gewöhne mich langsam an die Bewegungen der Rennyacht und versuche die Rückmeldung zu verinnerlichen. Jörg und Charles wirbeln im Cockpit, wo alle Leinen zusammenlaufen. Beeindruckend, wie sie das Gewirr überblicken. Die Tampen variieren farblich von einem frischen Mausgrau zum strengen Steingrau, so dass sie garantiert niemand anders auseinanderhalten kann.

Ich bekomme die Halsen immer besser hin und der Radius der Wenden wird exakter. Beim Starttiming fehlt noch eine ganze Menge, aber ein Tag Training bleibt noch. Aufregend!

Ergebnisse Atlantic Cup

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Carsten Kemmling

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6 Kommentare zu „Knarrblog: SegelReporter beim “mare” Segeln in Newport“

  1. avatar Marc sagt:

    Dann viel Glück und Erfolg und ohne Druck aufbauen zu wollen, nicht verschätzen beim Start Carsten, oder willst du als der Crasher der Mare in die Geschichtsbücher eingehen? 😉

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  2. avatar Stefan Z sagt:

    Steven senkrecht. Macht hässliche Löcher. 😉

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  3. avatar hanseatic sagt:

    Additional Inshore Series Atlantic Cup Competitors include: Carsten Kemmling – from Hamburg, Germany, three–time German National Match Racing Champion. Au Backe, Carsten – grosser Rucksack würde ich mal meinen 😉 Bisher der einzige “Spezialist” soweit zu sehen. Also immer schön “ommmmm” und Rücken gerade halten (wegen des Rucksacks), dann wird das mit den Starts schon schief gehen 😀

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  4. avatar stefan sagt:

    “Holz-Zwölfer mit abgeschnittenem Heck.”?

    …sollte es sich dabei um Heritage handeln, so ist das Heck original. Die segelte schon 1970 in den US-AC-Qualifikation so.

    http://www.12mrclass.com/data/Image/YachtsDB/Heritage.jpg

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  5. avatar Manfred sagt:

    Nice Job auf MARE. Nach 3 Inshore Rennen (2,1,1,) in der Gesamtwertung mit 8 Punkten erster. Der zweite hat 18 Pkt. Da wird nicht mehr viel anbrennen.

    Smooth sailing!

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  6. avatar hanseatic sagt:

    MARE gewinnt den Atlantic Cup over all! Saubere Leistung – auch bei den inshore races. Das ging ja ab wie die Feuerwehr in Newport- passendes outfit hatte Carsten ja auch gleich mitgebracht 😀 Glückwunsch! Schade, dass Ryan den (mit)verdienten award nicht mit entgegen nehmen konnte. Wäre schön, wenn sich das event dauerhaft einrichten liesse – war spannend, gut aufbereitet und eine Bereicherung des Offshore Zirkus.

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