Knarrblog: Varianta-Highscore in den Kanälen. Workum – Langweer

"Wenn möglich, bitte Wenden..."

Die Varianta macht sich gut in den engen Kanälen mit selten genutzten Clown-Segeln, die einmal für den Regattaeinsatz gedacht waren. © SegelReporter.com

Frieslands Kanäle sind eigentlich etwas für einen Muschi-Törn, nix für harte Männer. Mehr durch Wiesen und Felder statt über offenes Wasser. Es ist die Alternative zum brutalen Kreuzschlag über das IJsselmeer. Wir wollen uns und der betagten Dame den Kampf gegen die gute sechs und den Sprühregen aus West ersparen.

Außerdem liegen die Spuren vergangener Familien-Törns eher im friesischen Hinterland. Kein Wunder, dass unsere Eltern das damals bevorzugt haben. Mit Kindern an Bord ist es der optimale Törn. Keine langen Schläge über holpriges Wasser. Eher eine beschauliche Butterfahrt durch holländische Vorgärten.

In Workum beginnt der Trip mit einer Stadtrundfahrt. Wir navigieren per TomTom Auto Navi. „Wenn möglich, bitte Wenden…“ „Jetzt rechts einordnen.“ Es funktioniert super. Vermutlich auch, weil Kai eine Männerstimme einprogrammiert hat.

Eine Schleuse und drei Brücken und Wind von hinten. Wir entwickeln den sportlichen Ehrgeiz, die Hindernisse ohne Heck-Quirl zu passieren.

Die Wärter nehmen es gelassen. An der ersten Brücke schwenkt der Aufpasser den obligatorischen Holzschuh an der Angel herüber. Ich weiß erst nicht, was das soll. Will er spielen? Kai erinnert mich. Es ist die dezente Aufforderung, Kohle zu spenden. 2,50 Eur0 für drei Brücken. Niedlich!

Langehoekspoelle ist das Ziel. Eine Insel im Heeger Meer, an der wir als Kinder gespielt haben. Wir lagen in einem Urlaub mit mehreren Yachten vom heimatlichen Duisburger Segel Club (DSC) an dem Eiland. Die Wäldchen luden zu aufregenden Indianerspielchen ein. Die Adrenalin geschwängerten Abenteuer haben sich in das Gehirn gebrannt.

Die Realität nach 30 Jahren sieht anders aus. Anschleichen würde wohl früh von intensivem Geruch verraten. Denn die Wäldchen sind inzwischen zu einem großen Klo verkommen. Pfui Teufel.

So rauschen wir mit steifem Rückenwind weiter über das Heeger Meer und quetschen 6,5 Knoten aus dem orangen Oldtimer-Rumpf. Per Schmetterling schäumt die „LeLiLa“ („Leben Lieben Lachen“ – nun ist es raus. Aber über den Geschmack von Bootsnamen lässt sich treffend streiten) durch das trübe Wasser.

Per SMS werden wir von Revierkenner Markus durch die verschlungenen Kanäle geführt. Die Freunde vom Duisburger Heimatverein kennen das Revier exakt.

Die uralt Karte zeigt eine feste, unpassierbare Brücke an. Aber sie ist nicht zu erkennen. Erst brausender Autolärm löst das Rätsel. Die Holländer haben den Verkehr inzwischen unter dem Kanal durchgeführt.

Markus schlägt Langweer als Geheimtip vor. Da soll es eine hübsche, nette Hafenmeisterin geben, die für die Gäste Musik macht. – Na ja, nicht in der Vorsaison. Wir rauschen als einzige „Yacht“ in den Nieuwe Haven. Aber es ist ein exzellentes Plätzchen für die Nacht.

Das Dorf wirkt ausgestorben. Aber die vielen Restaurants deuten auf eine hohe Besucherdichte im Sommer hin. So aber werden wir sogar von der Straße in ein Restaurant gezerrt. Wir interessieren uns für original holländischen Panekoken, das einzige Gericht, dass uns auf der einheimischen Speisekarte schwach werden lassen würde. Aber das wird nur für Kinder serviert.

Für uns macht die nette Holländerin aber eine Ausnahme. Wenn wir es nicht weitersagen. Der Koch darf es nicht hören. Wer weiß, was dann passiert. Klar doch, wir sagen nix.

Varianta Törn Teil zwei

Variante Törn Teil eins

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Carsten Kemmling

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4 Kommentare zu „Knarrblog: Varianta-Highscore in den Kanälen. Workum – Langweer“

  1. avatar Andreas Ju sagt:

    Poffertjes kriegen auch Erwachsene. Versucht es mal damit.

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  2. avatar Frank sagt:

    Langehoekspoelle forever! Super Bericht!!

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  3. avatar MAUERSEGLER sagt:

    …LeLiLa – meine erste Nacht auf einer “Segelyacht”: Unvergessen! Ebenso der Varianta-Stadtmeistertitel mit einer Runde Vorsprung (Ihr hättet die Ausreitgurte von damals wieder einbauen sollen, dann hättet Ihr ordentlich hängen können bei der Kanalkreuzerei 😉

    Sehr schön, das!

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