Laser EM: Annelise Murphy und Tonci Stipanovic sind Europameister im Laser

Die Revanche der Blech-Medaillen

Das ist Laser-Segeln! © Laser EM

Das ist Laser-Segeln! © Laser EM

Wer bei den Olympischen Spielen „nur“ Vierter wird, hat erfahrungsgemäß lange daran zu knabbern. Mit ihrem Sieg im stark besetzten Laser-EM-Feld setzten die Irin und der Kroate jedoch eindrucksvolle Akzente auf dem Weg nach Rio!

Für die 23jährige Irin Annelise Murphy war die diesjährige Europameisterschaft im Laser Radial auf den ausgesprochen bewegten Wassern von Dan Laoghaire vor Dublin/Irland zwar ein Heimspiel, aber keineswegs eines mit Siegansage. Denn die Irin hatte keine Geringeren als die Holländerin Marit Bowmeester (Olympia 2012 Silbermedaille), die Belgierin Evi van Acker (Bronze) sowie die Engländerin Alison Young als größte Konkurrentinnen im Feld. Schwieriger kann sich eine EM selbst auf Gewässern, auf denen frau Regattasegeln gelernt hat und wo sie jede Strömung, jede Welle mit Vornamen kennt, eigentlich kaum noch gestalten.

Erster Sieg bei Top-Event nach Olympia-Enttäuschung

Hier kam sie übrigens auch erstmals im letzten November wieder zurück aufs Boot, nachdem sie lange mit ihrer „Niederlage“ bei den Olympischen Spielen gehadert hatte: Annalise führte nach den ersten beiden Olympischen Regattatagen, gewann vier Läufe in Folge und ging als eine der Favoritinnen in die Finalläufe, verlor allerdings im letzten Gold Fleet Rennen mit nur einem Punkt Rückstand eine Medaille.

Für sie lief alles bestens! © laser EM

Für sie lief alles bestens! © laser EM

Doch genau dieses Trauma konnte sie nun bei der Europameisterschaft bravourös überwinden. Mit acht Siegen bei 12 Starts, bei unterschiedlichsten Windbedingungen (von zwei Bf bis satte sechs Bf während der letzten Tage) zeigte die Irin, dass weiterhin mit ihr zur rechnen ist. Kollegin Marit Bouwmeester verwies sie mit 22 Punkten Abstand auf Rang 2, die belgische Konkurrentin van Acker erhielt 31 Punkte; zwischendurch konnte sich noch die Britin Alison Young auf Rang Drei positionieren.

Annelise Murphy war völlig „aus dem Häuschen“, als der letzte Lauf beendet war und glitschte mit wehender irischer Flagge zurück zur Slipbahn, über die sie von ihren männlichen Kollegen vom „Providence Team“ im Boot getragen wurde. Ein Triumphzug wie im Bilderbuch! „Rio ist zwar noch in weiter Ferne,“ sagte Annelise bei der Siegerehrung. „Aber dies ist mein erster Sieg bei einem Top-Laser-Event! Dass dies dann auch noch vor der Haustüre geschieht, ist ein kleines Wunder! In jedem Fall gibt dieser Titel eine Menge Selbstvertrauen für die anstehenden Regatten!“

Wimpernschlag-Finale

Selbstvertrauen – das konnte der Kroate Tonci Stipanovic ebenfalls gebrauchen. Und zwar reichlich! Er hatte immerhin bereits zwei Mal den EM-Titel geholt (2010 und 2011) und ging nun erneut aussichtsreich in das Finalrennen. Nach 12 Läufen in fünf Tagen lag zwar der Brite Nick Thomson mit zwei Punkten Vorsprung overall und 5 Punkten auf Stipanovic in Führung, doch der hatte eigentlich nur Augen für einen einzigen Rivalen: Altstar und Lifetime-Segelchamp Robert Scheidt – bekanntlich nach seinem olympischen „Seitensprung“ auf dem Star wieder zurück bei seiner alten Liebe Laser – war drauf und dran, diese Regatta für sich zu entscheiden. Was dem Brasilianer zwar nicht den EM-Titel beschert hätte, aber Stapanovic wollte „entweder oder“ und schon gar keine halben Sachen: „Ich musste die Regatta gewinnen, der Titel war zweitrangig!“

Stonci Stipanovic musste sich seinen Titel diesmal hart erkämpfen © Laser EM

Tonci Stipanovic musste sich seinen Titel diesmal hart erkämpfen © Laser EM

Und das gelang ihm schließlich… auf den letzten 500 m des letzten Laufs! Gegen Ende der Zielkreuz konnte er den einen nötigen Punkt auf den achtmaligen Weltmeister Robert Scheidt gutmachen, zwei Punkte trennten ihn schließlich vom drittplatzierten Rutger van Schaardenburg (Holland). Eines der engsten Top-Finishs der letzten Jahre!

„Dies war eindeutig mein am härtesten erkämpften Titel,“ sagt Tonci später überglücklich. „Es ist mir eine besondere Ehre, gegen Robert Scheidt bestanden zu haben!“

Der zeigte sich ebenfalls beeindruckt von der Güteklasse seiner Konkurrenz bei dieser EM. „Das Niveau in der Laser-Klasse ist derzeit sehr hoch!  Ich weiß nun, woran ich noch arbeiten muss, kenne meine Schwächen besser und habe bis zur WM noch ein wenig Zeit zum Training!

Scheidt auf Rang 2 – nach Star-Pause. Wie macht der das bloß? © Laser EM

Scheidt auf Rang 2 – nach Star-Pause. Wie macht der das bloß? © Laser EM

Für die letzten Starkwindläufe war ich einfach zu leicht und ich hatte schließlich einen 23 und 24 Rang auf der Liste – entsprechend kann ich mit einem zweiten Gesamtrang mehr als zufrieden sein!“

Sechs deutsche Laser-Radial-Seglerinnen schafften es in die Gold Fleet: Lisa Fasselt segelte bei dieser EM als beste auf Rang 19, Constanze Stolz erreichte Rang 27.

In Abwesenheit von Kieler Woche-Sieger Philipp Buhl, der zeitgleich beim Youth America’s Cup als Skipper dabei war, schaffte es kein Deutscher Standard-Segler in die finale Gold Fleet.

Ergebnisse Laser EM und European Trophy

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
Spenden
https://yachtservice-sb.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *