Gardasee WM Fazit

Laser SB3, die Klasse der Zukunft?

Die britische Siegercrew mit dem kleinen, wohlgenährten Steuermann Jerry Hill in der Mitte © Carloni/Grasso - Volvo

Das wars nun. Eine schöne Woche am Gardasee. Voller Höhen und Tiefen. Mit deutlich erhöhtem Adrenalinpegel durch rauschende Alarm-Fahrten, engste Positionskämpfe am Start und Bord an Bord Duelle im 16 Knoten Modus.

Ich habe das bekommen, was ich wollte. Nach den vielen Jahren im Match Race Circuit endlich einmal wieder ein Fleet Race mit vielen Booten auf hohem Niveau. Das, was ich damals im Laser und Flying Dutchman so sehr geschätzt habe.

Der SB3 wies bei dieser WM die Qualitätsdichte auf, die wichtig ist, damit ein Erfolg einen gewissen Wert hat. Das Vorneweg-Segeln in einer Pappnasen Klasse – ich will da mal keine Namen nennen – ist ja dann auch nicht erbaulich.

Die Zweiten. Profisegler Ian Ainslie aus Südafrika mit Gewichtsbein in Luv © Carloni/Grasso - Volvo

Das Problem in Deutschland ist natürlich, dass die Laser SB3 Klasse noch in den Kinderschuhen steckt. Es sind zwar schon einige Schiffe verkauft, aber für einen Start bei der Kieler Woche kommen dann doch noch nicht genug zusammen. Trotz Goodwill des Veranstalters.

Attraktiv für eine größere Masse wird eine Klasse erst, wenn genug Schiffe am Start erscheinen. Dabei ist es gar nicht so wichtig, ob ein Schiff objektiv das schnellste, schönste, günstigste oder gefälligste ist.

Klassenboss Reinhard Schröder rührend um die Verbreitung. Er knüpft Kontakte mit Russen, Holländern und dem Rest der Welt, um die Kräfte zu bündeln. Je mehr Crews sich gegenseitig besuchen, umso schneller wächst eine Klasse.

Ich persönlich setze noch andere Hoffnungen in das Schiff. So wollen wir versuchen, es als Familie zu beherrschen. Meine Frau kann gut segeln und die Jungs (10 und 13) beherrschen einen Opti einigermaßen, auch wenn der Funken längst nicht übergesprungen ist.

Theoretisch könnte ein SB3 eine gute Wahl sein. Zumindest gingen bei der WM einige Familien Teams an den Start. Zum Beispiel die Berliner um Skipper Gralf Popken. Sohn Max geht am Montag bei der Deutschen Jüngsten Opti Meisterschaft in Plau am See an den Start.

Dem Gesamtgewicht von 270 Kilo, das wir mit drei wohlgenährten Männern nur knapp unterschritten ist zu viert mit Kind und Kegel durchaus nahe zu kommen. Nicht wenige Teams segelten zu viert, wenn auch die Top drei zu dritt an den Start gingen.

Der beste Vierer war das gemischte Team um Sarah Allan, die auf Platz vier landete. Aber auch Jugendteams haben sich zusammengetan. Ebenso wie ältere Kaliber. Die Bandbreite der Crews ist enorm.

Diese blöde Reling, über die man nicht mit dem Hintern rutschen darf, mag für einige potenzielle Interessenten abschreckend wirken. Es sieht tatsächlich auf der Kreuz nicht besonders sportlich aus. Aber dieser Kniff ermöglicht es tatsächlich, dass Kinder, Oldies, Mädchen und Kraftsportler auf einem Niveau gegeneinander regattieren können.

Das Steißbein schmerzt zwar nach einer Weile, weil man oft gegen die Stummelreling stößt. Aber wer den Oberkörper weit genug außenbords biegt, wird durchaus ernsthaft an seinem Sixpack arbeiten können.

Der Trimm ist im Übrigen nicht so kompliziert, wie gedacht angesichts der zwei Salinge und des vorgebogenen Masts. Ein Wantenspannungsmessgerät wird mitgeliefert. Wir haben 35 Newton oder was auch immer bei den Oberwanten eingestellt und 32 auf die Unterwanten. Das waren die Zahlen, die die meisten nannten. Und Speed-Probleme hatten wir selten.

Im nächsten Jahr ist die Weltmeisterschaft in der Höhle des Löwen, im britischen Toquay an der Südküste. Allerdings im Mai. Das kann fies kalt werden. Mal sehen, ob es einen zweiten Anlauf gibt. Reizen würde es schon, den Tommies mal zu zeigen, wo der Hammer hängt.

P.S. Ich bin kein Laser Händler, auch wenn es sich manchmal so anhören mag 🙂

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
http://nouveda.com

2 Kommentare zu „Gardasee WM Fazit“

  1. avatar Andreas sagt:

    Carsten, ich wäre sofort dabei. Endlich wieder ein Schiff, wo der zeitliche, finanzielle und organisatorische Aufwand in einem zumutbaren, scheinbar günstigem Verhältnis zum Segelspaß steht.

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  2. avatar Kai sagt:

    Na ja, mal sehen…

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *