Loick Peyron Porträt. Der französische Multihull Spezialist verdrängt bei Alinghi Ed Baird

Der Segelflüsterer

Charismatischer Franzose Loïck Peyron. Grauer Bart, buschige Augenbrauen, sonniges Gemüt. © FNOB

Es gibt Menschen, die betreten einen Raum und füllen ihn aus. Mit ihrer Aura. Gespräche verstummen. Blicke wenden sich auf sie. Es ist eine Gabe, die man nicht lernt. Ausstrahlung ohne Worte. Durch Wesen, Lebenseinstellung, Erfolge, Erlebnisse. Loïck Peyron hat sie.

Auf der Alinghi-Basis beim Pressetermin wird sie greifbar. Der zweite Steuermann von Alinghi ist der Neue an Bertarellis Seite. Er steht vor „Alinghi 5“ lacht, scherzt und antwortet geduldig den bohrenden Fragen der von den Rennverschiebungen genervten Medienmeute.

Der Franzose wirkt trotz seiner 51 Lebensjahren unverbraucht und unschuldig. Dabei steht sein Opfer Ed Baird, der erfolgreiche Alinghi-Steuermann vom vergangenen Cup, nur einige Meter neben ihm.

Es war nicht seine Entscheidung, Baird von Bord zu nehmen, beteuert Peyron. Natürlich nicht. Vermutlich konnte sich Bertarelli einfach nicht seiner offenen, sympathischen Art nicht entziehen. Niemand kann das.

Loick Peyron 2010 in neuer Alinghi-Kluft. © Alinghi

Seiner offenen Art kann sich keiner entziehen

Man mag manchmal glauben, dass dem Spaßmacher die Ernsthaftigkeit fehlt. Es ist ein generelles Vorurteil gegenüber französischen Seglern, das besonders von den englischsprachigen Profiseglern gepflegt wird.

Franzosen sind die Einhand-Abenteurer auf den Weltmeeren, und das sollen sie auch bleiben. Aber wenn es um ernsthafte Segelprojekte geht, werden sie eher als zweite Wahl gesehen. So wie auch Franck Cammas bei BMW Oracle.

Dabei ist dieses Urteil spätestens widerlegt, seit Frankreich die beherrschende Macht in der Match-Race-Weltrangliste ist mit zeitweise fünf Teams in den Top Ten. Und der Vendee-Globe-Star Michel Desjoyeaux gilt nun auch nicht gerade als Lebemann. „Le Professeur“ ist der stille, solide Perfektionist.

Vom Offshore-Star zum Matchracer

Wenn alles klappt ist Peyron einer der Wenigen, denen die Matamorphose vom Offshore Star zum Match Racer glückt. Der Franzose hat schon 43 Mal den Atlantik überquert, 18 Mal einhand. Er muss niemandem mehr etwas beweisen. Aber der America´s Cup ist für ihn eine neue Herausforderung.

Vielleicht haben diese jüngsten Erfolge der Landsmänner auch Peyron indirekt geholfen, das Vertrauen Bertarellis zu gewinnen. Dabei war es am Ende wohl doch mehr die Leistung auf dem Wasser, als Besitzer-Stolz, die Bertarelli dazu bewogen hat, selber das Steuer in die Hand zu nehmen.

Der Schweizer Trimmer Nils Frei bestätigte gegenüber SEGELN, dass der Alinghi Boss beim Training mit den Décision 35 Katamaranen Ed Baird überwiegend in Schach halten konnte. Peyron stand ihm dabei zur Seite. Es gab den Ausschlag für die Steuermann-Entscheidung.

Der Franzose wird ihm weniger bei den Match Race Techniken geholfen haben. Vielmehr geht es darum, das Gefühl für die Limits des jeweiligen Mehrrümpfers zu bekommen. Die Match-Race-Anteile beim Cup Duell schätzt Peyron gering ein. So könne ein Boot das andere zwar eine Zeitlang blockieren. Aber nicht auf einem 20 Meilen Kurs, bei dem ein vierminütiger Abstand an der Luvtonne von den Experten als enges Rennen angesehen wird.

Ein Leedurchbruch ist kein großes Problem

Das schnellere Boot wird einen Weg zum Überholen finden. Peyron weist darauf hin, dass der Abdeckungskegel der Mega-Multis bei den hohen Geschwindigkeiten viel kleiner ist als bei langsamer Fahrt. Er wirkt sich auf einen kleinen Bereich direkt hinter dem Boot aus. So ist ein Leedurchbruch mit mehr Geschwindigkeit ein geringeres Problem als bei konventionellen Booten.

Peyron tut dem Team gut. Vermutlich hat er auch Bertarelli den nötigen Spaß am Segeln und an seinem Alinghi-Projekt zurück gebracht, um den Streit bis zum bitteren Ende durchzuziehen.

Der franzöische Hochsee-Star muss beim täglichen Umgang Freude bereiten. Und im Gegensatz zu den vorherigen Kampagnen, war Bertarelli dieses mal sehr intensiv mit dem Segelteam befasst. Davon zeugt das braune Gesicht. Die helle Haut um Bertarellis Augen kommt von der Sonnenbrille, die er auf dem Wasser trägt. Eulenaugen, das Erkennungszeichen der Vielsegler.

Viel wird Peyron wohl nicht am Steuer stehen. „Bei den Kurswechseln“. Weil der Weg von einem Steuer zum anderen 90 Fuß weit ist. Dennoch wurde der Franzose als Co-Steuermann benannt. Wohl auch, um Druck von Bertarelli zu nehmen.

Loick Peyron ist wichtig für Alinghi. Er nimmt dem-Team etwas von seinem abgehobenen Bayern-München-Status. Er nimmt Unnahbarkeit und Verschlossenheit. Man gönnt diesem Mann Siege. Man möchte ihn einfach feiern sehen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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