Coutts deutet Rücktritt an

Macht der Segel-Star weiter? „Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht.“

Natürlich erledige er im Moment den Job für Oracle so gewissenhaft wie möglich, um mit den anderen Teams eine gute Zukunft für den Cup zu gestalten. Aber er ließ offen, ob er dann wieder persönlich ein Team führen werde. Auf die Frage, ob das heißen können, dass er Larry Ellisons Team verlassen könne sagt er: „Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht.“

Was hat der aktuell berühmteste und erfolgreichste Segler der Welt vor?Kaum zu glauben, dass der Segel-Millionär und wohl reichste Profi-Segler mit seiner überraschenden Aussage nur ein Pokerspiel um Geld starten möchte.

Eine gewisse Cup-Müdigkeit deutete sich schon in Valencia an. Mehrfach wurde sichtbar, dass ihn die Auseinandersetzungen vor dem 33. Cup viel Kraft und Enthusiasmus genommen haben.

Freundschaft trotz Ärger intakt. Coutts und Butterworth Ende 2009 in Monaco. Sie sollen noch lange an der Bar gesessen haben. © onEdition

Er war nicht glücklich, dass er so viel Zeit mit gerichtlichen Strategien verbringen musste. Ihm missfiel die Distanz zum eigentlichen Segelprogramm. Er hatte schließlich keine echte Aufgabe an Bord und segelte im ersten Rennen nicht einmal mit.

Der ganze Frust äußerte sich in der persönlichen Attacke gegen Ernesto Bertarelli am 20. Januar. Damals lässt sich Coutts dazu herab, die Leistungsfähigkeit seines ex Chefs im Business und auf dem Wasser abzuqualifizieren. Vorher war er in Cartoons auf der Alinghi-Website als Lügner beschimpft worden.

Die öffentlichen Streitereien sind ihm möglicherweise mehr an die Substanz gegangen als bisher angenommen. Beim Gericht-Marathon könnte swin Spaß am Cup-Zirkus abhanden gekommen sein.

Immerhin soll die Freundschaft mit Alinghi Taktiker Brad Butterworth nicht gelitten haben. „Nach den Rennen haben wir ein paar Bier getrunken. Unsere Freundschaft ist sehr solide, wie auch mit vielen anderen Alinghi-Mitgliedern. Wir haben nach dem 33. Cup einige Zeit miteinander verbracht. Am Ende des Tages wollen wir doch alle nichts anderes als unseres Bestes geben, um Yacht-Rennen zu gewinnen.“

Für die Segelgemeinde wäre es ein Drama, das Aushängeschild zu verlieren. Coutts hatte immer die Mission verfolgt, den Sport im Allgemeinen voran zu treiben. Seit er finanziell abgesichert ist, zielten seine Projekte durchaus glaubhaft in diese Richtung.

Mit der Einführung der RC44-Klasse setzte er einen Teil seiner Vision um. Den Mega-Kat-Zirkus, den er vor mit Paul Cayard realisieren wollte, konnte er noch nicht realisieren. Die Planung war allerdinges schon relativ weit fortgeschritten. Einiges davon könnte in die Neugestaltung des Cups einfließen. Da wird sich ein Cotts voll reinhängen.

Aber als Sportler scheint er müde geworden zu sein. Als Steuermann ist er zuletzt kaum noch gegen die Großen des Sports angetreten. Ist er noch der beste Segler der Welt, für den ihn viele halten?

Schade, wenn er den Beweis nicht mehr antreten würde. Der Verlust des profiliertesten Seglers der Welt wäre ein enormer Schaden für den Sport.

Carsten Kemmling

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