Manöver: Die verpatzte Spihalse – was dabei schief läuft

Eiertanz

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Posted by Sons of Hurricanes on Montag, 31. August 2015

 

Es läuft nicht immer alles rund bei der Bedienung von Segelyachten. In diesem Fall zeigt die Bord-Kamera, wie eine Spinnaker-Halse daneben geht. Die Vorschiffscrew ist nicht schnell genug.

Der Steuermann ist eigentlich sehr geduldig und hält das Schiff mit minimalem Ruderausschlag genau vor dem Wind. Der Spi ist ordentlich dicht getrimmt, so dass er auch ohne die Fixierung mit dem Spinnakerbaum in der Halse stabil steht. Aber der eine Vorschiffsmann benötigt einfach zu lange Zeit um den Baum aus der alten Luv-Spischot zu befreien.

Für den Steuermann ist es ein Eiertanz, das Schiff genau vor dem Wind zu halten. Der Spi erzeugt eigentlich genug Vortrieb und damit Fahrtwind, dass kaum Druck im Großsegel ist. Es kann einfach geschiftet werden. Aber der ohne Spibaum nach links und rechts auswandernde Spi schaukelt das Schiff langsam auf.

Die Phase der Halse, wenn kein Baum die Blase fixiert ist die kritische. In diesem Fall dauert sie einfach zu lange. Starker Wind und einfallende Böen lösen das stabile System auf. Der Segeldruckpunkt liegt durch Krängung und die Bewegung des Spis nicht mehr genau über dem Lateraldruckpunkt, und irgendwann kann der Mann am Ruder das nicht mehr durch Gegensteuern ausgleichen.

Als der Spi einfällt, geht der Speed verloren, das Großsegel bekommt noch mehr Druck, und als es herüber schlägt, kommt das gesamte Gebilde aus dem Gleichgewicht. Interessant, so etwas einmal aus dieser Perspektive zu sehen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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9 Kommentare zu „Manöver: Die verpatzte Spihalse – was dabei schief läuft“

  1. avatar Fockaffe sagt:

    Das ist eine Frage der Perspektive. Was soll die Vorschiffscrew bitte machen, wenn die Lasten zu groß sind? Da sind einfach zu viele Leute am Manöver beteiligt um aus so einem kurzen Video nen schuldigen zu verurteilen. Meiner Meinung wird da auch nicht richtig an den Schoten/Achterholern gearbeitet.

    Segeln ist nicht deshalb ein Teamsport, damit der Steuermann nach ‘nem verkackten Manöver alles auf die Vorschiffsleute schieben kann.

    Auf dem Vorschiff zu arbeiten ist meiner Meinung nach der undankbarste Job auf nem Schiff. Gewinnen kann man nichts nur verbocken und im schlimmsten Fall für die Fehler anderer verantwortlich gemacht zu werden.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 13 Daumen runter 2

    • avatar CaptainCapsize sagt:

      Sehe ich genau so. Es ist mir darüber hinaus vollkommen unbegreiflich warum das Gross nicht einfach durchgeschiftet wird. Vermeintlicher Druck hin oder her. Was soll der Quatsch?
      Und überhaupt: Wenn der Spitrimmer seinen Job vernünftig macht braucht kein Mensch einen Spibaum. Und zu sagen, der Steuermann hätte die Halse korrekt ausgeführt… also naja, wenn man mal hinschaut ist das nach der vermeintlichen Schifte eher übergeigt als gehalst. Aber was solls. Da läuft so viel gleichzeitig schief, cool das die Mädels und Jungs immer noch Lust haben! Und die Musik war ganz stimmig, nettes Video!

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    • avatar 0815 sagt:

      @Fockaffe, dito.

      Ich hab mal gelernt, bei einer Halse folgt der Steuermann dem Vorschiff.
      Hier habe ich den Eindruck, der Steuermann hat ne Idee und macht mal hinne und der Rest soll mal schön kucken wie er zurecht kommt.

      Ein Dickschiff ist nun mal keine Einmann-Jolle wo der Steuermann gottgleich ist, sondern ein Teamboot wo die Abläufe eingehalten werden müssen.
      Daher finde ich diesen Bericht als einen voreiligen Schnellschuß, mit unkorrekter Schuldzuweisung, aus Sicht eines Jollensteuermanns.

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 4

  2. avatar Vorschiffer sagt:

    …undankbar aber der geilste Job an Bord!
    Und gewonnen hat man, wenn das “Laberzentrum” hinterm Traveller den Vorschiffern richtig zugehört hat, wie dem Vorschiff mit Schot/Achterholer/Toppnant/Downfucker richtig zugearbeitet werden muss.
    Dann klappt`s auch mit der Schifte.
    Denn viele Situationen stellen sich auf dem Vorschiff anders dar, als es vom “Laberzentrum” wahrgenommen werden. 😉

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    • avatar 0815 sagt:

      Weshalb bei uns bei der Halse nur Steuermann und Vorschiff kommunizieren.
      Der Rest hat Sendepause und lauscht auf sein go.

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  3. avatar Hans sagt:

    Klarer Steuerfehler! Allenfalls ist auch der Großschottrimmer mitbeteiligt. Kein Wunder, dass der Kahn langsam und instabil wird, wenn das Groß nicht mehr zieht.

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  4. avatar Jürgen PETER sagt:

    Es ist naürlich leicht, vom PC-Bildschirm aus zu kritisieren, aber ich machs’ trotzdem:

    Aus meiner Sicht muss man zuerst den Spibaum schiften und auf der neuen Seite einhängen und erst dann das Groß schiften. Hier hatte der Spi durch das Dichtholen und das zu frühe Schiften des Großsegels zu viel Druck – da braucht man schon enorme Kräfte, um den Spibaum einzuhängen.

    Aber sonst großen Respekt, wie cool die Mannschaft geblieben ist – bei uns hätte es da mehr Geschrei und Hektik gegben …

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    • avatar Bananenkönig sagt:

      Interessant. Wir hängen den Spibaum immer erst nach dem Umschlagen des Großsegels in die neue Luvschot ein. Hierdurch wandert der Spi nach Lee, so dass der Vordecker leichter an die neue Schot kommt. Der Achterholer muss natürlich in dem Moment, wo der Spibaum am Mast eingehängt wird, etwas gelöst werden.

      Aber wie immer gilt: Es gibt viele Wege nach Rom!

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      • avatar Müller sagt:

        Also ich fühle mich bisher mit der Variante am wohlsten:
        beide Barberholer dicht, Groß schiften und auch den Spi ins neue Lee (notfalls hinterm Groß verstecken, da passiert im Video ja garnichts), Topnant etwas auf, Baum am Mast weit runter schieben, umhängen, wieder rauf schieben, Barberholer, fertig. Und wenns geigt lieber die Zügel etwas fester nehmen. Fühlt sich auch bei 6-7 noch ruhig und stabil an. Wir fahren das so zu zweit… Meine Erfahrung: Wenn der Spibaum unbedingt oben aus- und eingehängt werden soll, dauerts immer sehr lange und ist ein fürchterliches Gewürge, das scheint hier ja auch die Eröffung zu sein.
        Mit der festen Kamera am Heck finde ich das zerfieseln solcher Videos übrigens durchaus interessant und aufschlussreich. Genau genommen lernt man damit ganz gut.

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