Markus Wieser mit Matti Paschen punktgleich Drachen-Vizeweltmeister

Auf den letzten Metern. Da geht er hin der Titel...

Zieleinlauf zum Drachen WM-Titel. Ein Aufschießer bingt Lawrie Smith (Nummer 40) Platz sechs und den Gesamtsieg. © Steb Fisher

Der zweite Platz bei einer Drachen-Weltmeisterschaft ist ja sehr ordentlich. Und dennoch wird sich Markus Wieser ärgern. Der erfolgsverwöhnte Bayer gewann nicht Silber sondern verlor Gold im letzten Rennen der Drachen WM vor Melbourne. Punktgleich!

Nach dem dritten Rennen hatte Wieser mit dem ukrainischen Eigner Sergey Pugachev und Vorschiffsmann Matti Paschen die Führung im 70 Boote Feld übernommen und mit konstanten Top sechs Plätzen ausgebaut.

Im letzten Rennen konnte ihm nur noch der Brite Lawrie Smith gefährlich werden. Alles zielte auf eine klassische Match Race Situation, bei der Wieser sich nur noch auf den Gegner konzentrieren musste. Aber der war kein geringerer als das ehemalige britische Segel-Idol Lawrie Smith, der 1992 Jochen Schümann beim Soling-Olympia-Match-Race in Barcelona die Bonze Medaille weggeschnappt hatte.

Markus Wieser bei der Tonnenrundung. Nach einem starken Auftritt verliert er den Titel mit dem neuen Petticrow Drachen unglücklich im Finale. © John Curnow

Irgendwie bekam das deutschukrainische Team den Briten nicht zu fassen. Beim ersten Black-Flag Start entwischte Smith mit seinem alten Soling Vorschoter Ossie Stewart und Tim Tavinor, dem Inhaber der Drachenwerft Petticrow, auf der strömungsbegünstigten linken Seite. Wieser versackte im Feld. Die lockere Defensiv-Taktik schien nicht aufzugehen.

Smith rundete die erste Tonne knapp in den Top Ten. Aber für den möglichen Gesamtsieg musste er mindestens den sechsten Rang erreichen. Die Crew der ukrainischen „Bunker Queen“, des flammneuen Petticrow Drachens, das Schwesterschiff des Smith-Exemplar, musste hilflos zusehen, wie sich die Briten bei leichtem Wind Platz um Platz nach vorne schoben.

Altmeister Segelstar Lawrie Smith (54, r.) brilliert bei seinem Segel-Comeback mit ex Soling Vorschoter Ossie Stewart und Petticrow Bootsbauer Tim Tavinor (l.) © Steb Fisher

Ein Aufschießer auf der Ziellienie brachte die nötigen Zentimeter für den sechsten Platz. Da bei Punktgleichheit die besseren Einzelplatzierungen zählen, brachte der Sieg im ersten Lauf den Briten auch den Titelgewinn.

Zwei neue Schiffe an der WM-SPitze könnten Glauben machen, dass der Weg in der Drachenklasse allein über neues Material geht. Aber dagegen steht der dritte Platz des Dänen Frank Berg. Mit seinem zwölf Jahre alten Boot legte er nach mittelmäßigem Beginn in der Schwachwind-Serie die Plätze 1/2/1 hin.

Für 54-Jährigen Lawrie Smith bedeutet der Titel ein eindrucksvolles Comeback in der Segelszene. Er ist einer der bekanntesten britischen Segler aus der Admiral´s Cup Zeit, verschwand aber nach seiner letzten Volvo Ocean Race Kampagne 1999 von der Segel-Bildfläche.

„Vier Kinder Kinder haben mich eine Zeitlang vom Segeln abgehalten“, erklärt Smith in Melbourne. „Aber meine Zwillinge sind inzwischen 13 Jahre alt. Deshalb werden solche Dinge wie diese Regatta nun möglich.“ Smith liebäugelte 2005 noch einmal mit einem Auftritt im Volvo Ocean Race. Als Sport-Direktor versuchte er, ein britisches Team an den Start zu bekommen, scheiterte aber.

Smith alter Soling-Kontrahent Jochen Schümann kam im ungewohnten Drachen nach dem Fauxpas im ersten Rennen immer besser in Schwung und coachte Steuermann Andreas Lohmann schließlich zu Rang 17. Hasso Plattner landete bei seiner Drachen-Premieren-WM nach regelmäßigen Plätzen um die 30 auf Gesamtrang 36. Im 505er mag er mehr Spaß gehabt haben. Aber auch von der Jolle kann er noch nicht so ganz lassen. Ende März startet der SAP-Gründer bei der 505er in Hamilton Island/Australien.

Zweitbestes Deutsches Team wurde Dirk David/Mark Bayer/Stefan Abel auf einem starken sechsten Platz vor Thomas Müller mit Vincent Hösch und Michal Lipp auf Platz sieben.

 

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Carsten Kemmling

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4 Kommentare zu „Markus Wieser mit Matti Paschen punktgleich Drachen-Vizeweltmeister“

  1. avatar stefan sagt:

    …öh, 1996 war Olympia aber in Savannah, wo Schümi Gold holte.

    …aber vielleicht meinst du ja 1992, wo es wenn ich mich recht erinnere Jasper Bank war der Schümi vorzeitig ausscheiden liess.

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  2. avatar Carsten sagt:

    jep, 92 stimmt 🙂 edit
    Aber Jesper besiegte Schümi im Halbfinale und Kevin Mahaney (USA) gewann gegen Smith. Die beiden Verlierer segelten um Bronze. Schümi verlor im entscheidenden Rennen gegen den Smith durch einen Penalty

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  3. avatar marcin sagt:

    …bravo pee wee & crew !

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  4. avatar Jorgo sagt:

    Laurie Smith…. ich erinnere mich an diesen hervorragenden Segler noch aus meiner 470 Zeit.
    Hyéres 1978,79 oder ´80 …. damals hatte sich die “Créme” auf diese moderne Jolle eingeschossen = grosse starke Felder! Da konnte man viel lernen…. .

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