Martin Fischer: Der Flügel Pabst spricht über das Segel-Fliegen mit A-Cat, AC72 und Co

Mister Hydrofoil

Der gebürtige Bremer Martin Fischer ist der Großmeister der Tragflügel-Entwicklung im Segelsport. In einem Interview mit Catsailing News spricht er über die Fortschritte bei der neuen Technik.

Martin Fischer auf dem GC32

Martin Fischer checkt den selbst konstruierten unter Wasser Flügel auf der GC32 Prototypen. © GC32

Seine zentrale Aussage: “Das Foilen für Segelboote ist sicher noch kein allgemeiner Trend, aber ich bin sicher, dass es das bald sein wird.” Dabei macht er klar, dass man nicht alle Tragflächen-Entwicklungen über einen Kamm scheren kann. In den meisten Klassen spielen die speziellen Regeln eine große Rolle.

So könnten zum Beispiel die AC72 viel kontrollierter foilen, wenn die Regeln des Protokolls nicht vorschreiben würden, dass das jeweilige Luvschwert spätestens 20 Sekunden nach einer Wende oder Halse aus dem Wasser gehoben werden muss. Dadurch wird die Flugphase mit nur drei Fixpunkten deutlich instabiler.

Dazu sagte Andrew Macpherson gegenüber SR auf der boot in Düsseldorf, dass zum Beispiel der GC32 Katamaran bewusst mit einem angestellten Luvschwert arbeite. Es könne den Luvrumpf nach unten ziehen und somit das aufrichtende Moment verstärken. Fischer hat auch für diesen neu geplanten Katamaran Zirkus die Hardware erdacht.

Besondere Beobachtung erfahren aber seine Versuche bei der Entwicklung der fliegenden A-Cats. Fischer war mit seinem “Mayfly” A-Cat bei der WM 2011 zwar noch nicht erfolgreich, er lässt seine Erkenntnisse allerdings inzwischen in das australische Paradox-Design einfließen, das mit gebogenen Schwertern und L-Rudern auf Touren kommen soll.

Der Kat soll bei starkem Wind fliegen, hat jetzt aber in der vergangenen Woche bei den Victorian State Championships in Australien mit dem australischen Red Bull Youth America’s Cup Steuermann Jason Waterhouse nur Rang 18 von 31 Booten eingefahren. “Wir hatten einfach nicht den Speed”, sagt Projektleiter Dario Valenza von Carbonicboats.

Fischer macht noch einmal klar, dass es nicht darum geht, um jeden Preis zu foilen, wenn man einen Rennkurs bewältigen will. Es mache keinen Sinn einen Flug ab sechs Knoten Wind anzustreben, wie es die Motten tun.

“Der optimale Speed für die Flugphase ist bei einer Moth sehr gering, weil der Rumpf so kurz ist und der Widerstand mit zunehmendem Speed schnell zunimmt.” Ein A-Cat Rumpf weise dagegen auch bei moderatem Speed noch wenig Widerstand im Wasser auf im Gegensatz zu einer Tragfläche, die das gesamte Gewicht des Bootes tragen muss. “Deshalb macht es keinen Sinn, zu früh zu fliegen.” Der optimale Zeitpunkt hänge von der Länge des Rumpfes, dem Gewicht des Bootes und dem aufrichtenden Moment ab.

Fischer kritisiert allerdings die A-Cat Klasse massiv. Die Regel-Beschränkungen, die das Foilen behindern, seien vor ein paar Jahren von einer Gruppe konservativer Segler befürwortet worden. Bis dahin habe die Klasse in über 40 Jahren den aktuellen Trends beim Katamaransegeln folgen oder sie sogar setzten können.

Die Beschränkungen seien eingeführt worden, um das Fliegen unmöglich zu machen. Nun bestehe die Gefahr, dass plötzlich eine andere foilende Klasse auftauche, die den A-Cat überflüssig mache.

Fischer lässt allerdings keinen Zweifel daran, dass er die aktuelle Entwicklung im Segelsport für unaufhaltbar hält. Das Segeln auf Tragflächen werde sich immer weiter verbreiten und dem Segelsport eine neue Faszination bringen.

 

 

 

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Martin Fischer: Der Flügel Pabst spricht über das Segel-Fliegen mit A-Cat, AC72 und Co“

  1. avatar Nils sagt:

    Die Headline raubt mir den Atem!

    Das stimmt doch gar nicht. Da fallen mir eher die legendären Dr. Sam Bradfield, Greg Ketterman, oder Alain Thebault ein.

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 2

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