Mastbruch auf “Foncia”. Favorit Desjoyeaux steuert Kapstadt an.

"Wir geben das Rennen auf"

"Foncia" unter großem Gennaker. Den werden wir vorerst nicht mehr sehen. Der obere Teil des Mastes im roten Bereich des Segels ist abgebrochen. © FNOB

Die Top Favoriten des Barcelona World Races Michel Desjoyeaux und François Gabart haben das Rennen aufgegeben. Gegen vier Uhr morgens deutscher Zeit brach auf der „Foncia“ der obere Teil des Mastes. Das Duo lag auf dem zweiten Platz und segelte unter einfach gerefftem Groß mit Vorsegel bei 30 Knoten starkem Südwestwind.

Die Franzosen meldeten von Bord, dass sie nun mit elf Knoten Speed nach Kapstadt ablaufen. Der 27,3 Meter lange Mast sei zwischen den Ansatzpunkten für die beiden Vorstage 25 Meter über Deck gebrochen. Das abgekickte Stück hängt noch oben.

Nach dem Bruch wickelte sich das größere Vorsegel (Solent) schlagend um den Mast. Das Rigg wird allerdings sicher durch die verbleibenden Stage gehalten. Das Großsegel hängt am Fall für das dritte Reff.

"Foncia", der Top-Favorit ist raus. Schade für Desjoyeaux, schade für das Rennen. © FNOB

„Wir haben alle Teile an Bord behalten und nichts verloren“, erklärt Desjoyeaux von Bord in einer ersten Schadensmeldung. „Ich kann meine Enttäuschung nicht verbergen. Aber uns geht es gut. Ich habe nur ein Problem mit dem rechten Daumen, nachdem ich versucht habe das schlagende Solent Segel unter Kontrolle zu bekommen.

Wir benötigen keine Hilfe. Die 600 Meilen nach Kapstadt können wir unter Segeln schaffen. Der aktuelle Speed beträgt elf Knoten. Die Vorhersage für die nächsten Tage weist keine großen Risiken aus. In zwei Tagen sollte der Wind nach dem Durchzug des Tiefs leichter werden.

Keine gute Saison für den Klassen-Primus Michel Desjoyeaux. Schon die Route du Rhum misslang ihm gänzlich. © FNOB

Wenn die See dann ruhiger wird, haben wir vielleicht die Chance, am Mast hochzuklettern, die Teile zu sichern und das Großsegel zu bergen. Danach sollte es uns dann wieder mit 20 bis 25 Knoten aus Südost nach Kapstadt wehen.

Es sieht so aus, als wenn wir am 30. Oder 31. Januar ankommen. Wir geben das Barcelona World Race auf.“

Es ist eine traurige Nachricht für das Rennen. Die Favoriten sind raus und dem Duell an der Spitze ist die Spannung genommen. Der geniale Move, über den Westen des Atlantiks an die Spitze zu gelangen, wird nun doch nicht als siegentscheidend in die Hochsee-Geschichte eingehen.

Erstaunlich, dass gerade Desjoyeaux so ein Malheur passiert. Er ist der Superstar der Szene mit einem der größten Budgets, exzellenter Vorbereitung und einem der besten Teams um sich herum.

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Aber der Bruch ist wohl das Ergebnis des beinharten Zweikampfes, der sich in den vergangenen Tagen an der Spitze abspielte. „Foncia“ musste sich auf geradem Weg von „Virbac“ überlaufen lassen.

Das wird dem „Professor“ nicht geschmeckt haben. Er versteckte sich unter dem Tarn-Mantel, so dass die Konkurrenz schon denken mochte, dass Desjoyeaux eine neue Teufelei ausheckt. Vermutlich hat er während dieser Phase extrem gepuscht. Er wollte vor Jean Pierre Dick und Loick Peyron wieder auftauchen, wenn er den Schleier lüftet.

Aber die erfahrenen Kollegen haben exzellent dagegen gehalten. Loick Peyron dreht zu alter Stärke auf, nachdem er im vergangenen Jahr noch zur gleichen Zeit am Steuer des Alinghi-Katamarans den America´s Cup verloren hatte.

Nun ist die Luft etwas raus aus dem Rennen. „Virbac“ kann getrost ein paar PS aus dem Boot nehmen und vorsichtig durch den Southern Ocean pflügen. Boris Herrmann liegt jetzt tatsächlich über 1000 Meilen zurück. Aber das Duo brennt darauf, im Southern Ocean noch einmal richtig anzugreifen.

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Carsten Kemmling

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7 Kommentare zu „Mastbruch auf “Foncia”. Favorit Desjoyeaux steuert Kapstadt an.“

  1. avatar sven sagt:

    Im Rennsport ist alles möglich, gewonnen hat man erst hinter der Ziellinie.

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  2. avatar Backe sagt:

    Wie sacht Timmi: Abgerechnet wird im Ziel.

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  3. avatar Bernd sagt:

    Auch gerne gehört: Wer zuletzt lacht, lacht am besten.

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  4. avatar Christian sagt:

    ach, jetzt mal keine Schadenfreude nur weils Franzosen sind. Ihr Coup mit Zwischenstopp in Recife war der Hammer, ob’s nun Dusel war oder Know how, wissen wir nicht, aber verdient hätten sie den Sieg allemal!

    Wer will schon gegen ein Team mit Bruch gewinnen, ist doch Pech für alle. Team Mapfre weiß das z.B.

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  5. avatar Sven sagt:

    …da waren’s nur noch 12 ! Ich Denke das Gesammtpacket gewinnt,dazugehört der Schiffsdesigner,der Konstrukteur,die Bootsbauer,der Mastenbauer,der Segelmacher,die Skipper ,glück und auch dass das Material hällt. Wenn eine dieser komponenten schwächen aufweisst klappt es meistens nicht mit dem Sieg ! Das ist in jedem Rennsport so !……………..na gut, beim Radfahern kommt noch der Arzt und Pharmazeut dazu 🙂

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  6. avatar wilfried sagt:

    Bevor ihr die Langeweile ausruft werft mal einen Blick auf das Mittelfeld wo es spannend hergeht. Ausserdem sind jetzt schon zwei der hochgewetteten Neubauten (Leichter schneller) draussen und beidesmal mit Materialproblemen die nicht bei schweren Bedingungen entstanden sind. Insofern sollte man erstmal den gesamten Southern Ocean abwarten ob die verbliebenen Boote und davon gerade die Neuen tatsächlich zusammenhalten.

    Gruß Wilfried

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  7. avatar Jan sagt:

    Hi!
    Trotzdem sehr schade! Das Duell an der Spitze war mordsspannend! Allerdings glaube ich nicht, dass Foncia, auch ohne Mastbruch noch als Favourit auf den Sieg einzustufen war. Peyron & co mit ihrer Virbac machen einen so wahnsinnig starken Eindruck. Schon vor dem Reperaturstopp haben sie klar dominiert und jetzt haben sie sich bereits wieder in Führung gekämpft (und das ohne entscheidend andere Wettersituation gegenüber Foncia!). Nicht zuletzt ist Foncia an deren Niveau gescheitert. Wirklich stark was die Virbac da abliefert!!!
    Die haben den Sieg ehrlich verdient. Ich drück die Daumen, dass ihr neues Schiff bei der NeuBauLotterie Glück hatte (bzw. die Bootsbauer genauso gut sind, wie die Segler!) und jetzt nicht auch noch auseinander bricht. 🙂

    grüße jan

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